Herbes und heiteres Hinterrhein

Bei Hinterrhein fahren die meisten vorbei auf ihrem Weg in den Süden. Das Dorf in Sichtweite des Tunnelportals des San Bernardino liegt auf über 1600 Meter. In letzter Zeit sind einige Projekte gescheitert wie die Talfusion oder ein Windparkprojekt. Ein Besuch im letzten Dorf vor dem Süden.

Hinterrhein, 1624 Meter über Meer. Wie Schriftsteller Kurt Wanner einst titelte: «Der Himmel schon südlich, die Luft aber noch frisch». Mächtige Häuser zeugen von einer wirtschaftlichen Blüte bis ins 18. Jahrhundert dank des Warenverkehrs mit Ross und Wagen. Heute leben 66 Personen im Dorf, das vor allem von Landwirtschaft und Tourismus lebt.

  • Christian und Andrea Michelsen (53) sind die letzten Zuzüger. Seit einem Jahr wohnt das Paar aus dem Kanton Zürich in Hinterrhein. Die beiden fühlen sich wohl in ihrer neuen Wahlheimat und freuen sich über die vielen Gespräche und Kontakte. «Man ist da für sich und nicht einsam», sagt er.
  • Georg Trepp (53) wuchs in Hinterrhein auf. Der Landwirt ist gleichzeitig Gemeindepräsident und lacht laut heraus, wenn man ihn fragt, was ihm an Hinterrhein gefalle: «Mir gefällt nicht alles, ich hatte auch schon andere Pläne». Doch die Auswanderung nach Kanada scheiterte. Georg Trepp ist heute glücklich über den Zusammenhalt in seinem Dorf.
  • Carelia Joos (32) mit Livio (3 Monate) schaut positiv in die Zukunft: «Man kann überall leben, wenn man seine Ideen verwirklichen kann». Sie selber pflege Kontakte bis in die U.S.A, um den Käse aus dem Tal zu verkaufen und empfange im Tal auch Delegationen von dort. «Sind sie das Zentrum oder sind wir es», fragt die frischgebackene Mutter in die Runde.
  • Karin Stoffel (11) besucht nach dem Sommer die 6. Klasse. Ihre Schule ist zwei Dörfer weiter. Was ihr an Hinterrhein gefällt? «Alles». Dazu gehört für sie das mithelfen auf dem Bauernhof und draussen sein können. Sie kann sich vorstellen, später einmal an einem anderen Ort zu leben, aber es sei «schön hier».