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Schweizer Nationalparkdirektor Haller geht
Aus Schweiz aktuell vom 30.09.2019.
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Nationalparkdirektor Ein Kämpfer für mehr Wildnis geht in Pension

Die Wiederansiedlung von Bartgeiern, die Rückkehr von Wolf und Bär, das 100-Jahr-Jubiläum des Schweizerischen Nationalparks: Diese historischen Ereignisse fallen in Heinrich Hallers Amtszeit. Fast 24 Jahre lang war der Aargauer Direktor des Nationalparks im Unterengadin. Nun geht er in Pension.

Als Direktor genoss Heinrich Haller ein Privileg. Als einer von ganz wenigen durfte er – von Amtes wegen – abseits der markierten Wege durch den Nationalpark streifen. Einzig das besonders unwegsame und wilde Val Nüglia – das Tal des Nichts – habe er nie betreten, sagt er, und zwar aus Ehrfurcht: «Im Nachhinein finde ich es besonders schön, dass ich nie dort war. Das hat mit dem Respekt zu tun, den man dieser unberührten Natur entgegenbringt», so der 65-Jährige.

Befreundet mit den Raben

Abgesehen vom Val Nüglia kennt er aber jeden Stein und jede Schlucht im Park. Er kennt die knorrigen Arven, die dunklen Höhlen, die kargen Bergflanken, die Steinadler und die Gämsen. Ganz besonders haben es ihm die Kolkraben angetan. Seit Jahren dokumentiert er das Leben der schwarzen, grossen Vögel. Er kennt sie – sie kennen ihn.

Freiluftlabor und Tourismusmagnet

Seit seiner Jugend beobachtet, beschreibt und analysiert der Wildbiologe die Tierwelt. Heinrich Haller ist Forscher durch und durch – auch wenn er in seinem bereits leergeräumten Büro in Zernez über den ältesten und am stärksten geschützten Park der Alpen spricht.

Für die Beibehaltung dieses maximalen Schutzes hat er gekämpft. Und unter seiner Ägide wurde die Forschung intensiviert. Gleichzeitig ist der Park nicht nur ein Freiluftlabor für Wissenschaftler aus der ganzen Welt, er hat sich auch zum Tourismusmagneten entwickelt.

Eine Begegnung löst Glücksgefühle aus

In die Amtszeit von Heinrich Haller fällt auch die Rückkehr der Grossraubitere. Luchs, Bär, Wolf. Alle Tiere hat er beobachtet im Park. Auf eine Begegnung mit dem Wolf musster er aber lange warten. Erst im letzten Jahr konnte er ihn am Ofenpass beobachten. Und während bei ihm diese Begegnung ganz im Osten des Landes noch Glücksgefühle auslöst, wird im Westen, in Bundesbern der Schutzstatus für das Tier gelockert. Haller ärgert sich und spricht von einem Fehlentscheid der Politik.

Das ist ein Fehlentscheid der Politik!
Autor: Heinrich HallerDirektor Schweizerischer Nationalpark

Der scheidende Parkdirektor bedauert auch, dass es in den vergangenen Jahren nicht gelungen ist, in der Schweiz weitere Nationalparks einzurichten. Um solche Projekte realisieren zu können in Zukunft, braucht es seiner Meinung nach etwas weniger Basisdemokratie, dafür aber mehr Einfluss vom Bund – beispielsweise in Form finanzieller Anreize. Und überhaupt:«Man muss in viel grösseren Zeiträumen denken», sagt der gebürtige Aargauer.

Hallers Wunsch: Ein Nationalpark im Kanton Aargau

In seiner alten Heimat sieht er Potenzial für einen weiteren Nationalpark – und zwar im Bereich der grossen Flüsse im Kanton Aargau. Heinrich Haller wünscht sich eine Ruheinsel in einem Gebiet, das immer mehr zur Agglomeration wird. Es ist Heinrich Hallers Plädoyer für mehr Wildnis, nicht nur in den Bergen, sondern auch im städtischen Mittelland.

Nun verabschiedet sich Heinirch Haller nach fast 24 Jahren in die Pension. Die freie Zeit wird er unter anderem für die weitere Erforschung der Kolkraben nutzen. Im Herzen ist dieser Nationalparkdirektor nämlich immer ein Wissenschaftler geblieben.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Albert Planta  (Plal)
    Positiv ist sein Engagement für die Raben. Diese intelligenten und liebenswerten Vögel haben zu Unrecht ein schlechtes Image.
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  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Diesem Forscher zolle ich Respekt! nicht für das was er alles gemacht hat, sondern ganz besonders für das was er nicht gemacht hat: Er betrat das wilde Val Nüglia nie!
    Solche Orte können etwas magisches entwickeln. Vielleicht wie der Göttersitz Berg Kailash im Tibet. Kein Mensch darf diesen Berg besteigen. Und gerade so etwas macht den Reiz besonderer Gegenden aus. Man darf zwar in das Tal/zum Berg schauen, aber man sollte nicht hingehen. Der Ort wäre augenblicklich entweiht! Die Magie weg.
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