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Pfarrer-Rücktritt «Auch als Christen dürfen wir frei denken»

Legende: Audio Gespräch mit Zölibat-Gegnerin Florentina Camartin abspielen. Laufzeit 09:20 Minuten.
09:20 min, aus Regionaljournal Graubünden vom 12.10.2018.

Die 75-jährige Florentina Camartin hat vor rund einem Monat eine Online-Petition zur Abschaffung des Zölibats gestartet.

Florentina Camartin

Florentina Camartin

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Die Brigelserin Florentina Camartin ist Mitglied einer Laiengemeinschaft. Das heisst, sie kann zuhause Leben uns sich trotzdem den franziskanischen Regeln verpflichten. Bis vor elf Jahren lebte Florentina Camartin in einem Kloster. Sie war unter anderem als Kindergärtnerin tätig.

SRF News: Florentina Camartin, ist Ihnen das Zölibat schon lange ein Dorn im Auge?

Florentina Camartin: In der Theologie hat das Zölibat kein Fundament. Zumindest nicht so, dass es unbedingt mit dem Priesteramt verknüpft werden muss. Das Zölibat war ein Instrument, mit dem die Kirche verhindern wollte, dass Adlige beispielsweise das Amt des Bischofs an ihre Kinder vererben. Diese Zeiten sind längst vorbei. Dass heute noch Priester ihr Amt wegen des Zölibats niederlegen müssen, ist schade. Besonders, wenn der Priester so gut ist, wie unserer es war. Es ist wichtig, dass wir als Menschen und als Christen frei denken.

War der Rücktritt des Brigelser Pfarrers auch der Grund, weshalb Sie die Petition gestartet haben?

Genau. Ich habe solche Fälle schon immer bedauert. Gott hat die Menschen so geschaffen, dass sie sich lieben und Kinder zeugen. Ich hoffe, dass die Entscheidungsträger der katholischen Kirche sehen, wie die Basis über das Zölibat denkt.

Haben Sie sich deshalb auch für die Form der Online-Petition entschieden, um eine Protestnote zu senden?

Die Online-Petition ist unkompliziert, jeder kann unterschreiben. Für jene, die sich mit Computern nicht so auskennen, habe ich Formulare ausgedruckt. Ich möchte, dass die Petition möglichst repräsentativ ist, also, dass möglichst viele sich daran beteiligen.

Im ersten Monat haben Sie etwas mehr als 3000 Unterschriften gesammelt. 8000 sollen es in weiteren fünf Monaten sein. Wie repräsentativ sind die Unterschriften bisher, woher kommen sie?

Ich glaube ganz Brigels hat unterschrieben. Es gibt aber auch Unterschriften aus Liechtenstein, Deutschland, Spanien und Argentinien.

Wie zuversichtlich sind Sie, dass die Petition auch etwas bewirkt?

Das kann ich natürlich niemandem versprechen. Ich möchte aber, dass der Papst die Petition persönlich in den Händen hält. Wenn sie nichts ändert, ist sie hoffentlich wenigstens ein weiterer Schritt zur Abschaffung des Zölibats.

Das Gespräch führte Marc Melcher.

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