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Priester-Abgang aus Liebe Die Krux mit dem Zölibat

Den Weg des Priesters von Brigels ging einst auch Pfarrer Friedli. Dessen heutige Frau spricht über die schwere Zeit.

Legende: Video «Man ist sozial völlig isoliert» abspielen. Laufzeit 00:29 Minuten.
Aus 10vor10 vom 16.07.2018.

Nach sieben Jahren im Amt gibt der junge Priester von Brigels sein Amt ab – aus Liebe, wie er am Sonntag seiner Gemeinde eröffnete. Viele andere betroffene Paare in vergleichbaren Situationen halten das Versteckspiel bis zur Pensionierung aufrecht.

Hohe Dunkelziffer von Priestern in Beziehungen?

In 22 Jahren Betreuungsarbeit habe sie mehr als 500 Betroffene kennengelernt, sagt Gabriella Loser Friedli, die selbst mit einem ehemaligen Priester verheiratet ist. Insbesondere auf den Frauen laste die Geheimnistuerei ohne handfeste Perspektiven schwer. Sie beide habe die Situation psychisch fast zerrissen. «Man ist sozial völlig isoliert, denn man kann ja mit niemandem über die Situation sprechen.»

Über den eigenen Lebensmittelpunkt kann man nicht sprechen, ansonsten gefährdet man die Beziehung.
Autor: Gabriella Loser FriedliEhefrau eines ehemaligen Priesters

Der damalige Priester Richard Friedli fühlte sich gezwungen, überdurchschnittlichen Einsatz bei seinen Kirchentätigkeiten zu leisten. Flöge die Beziehung auf, sollte die Liebschaft keine Angriffsfläche bieten.

Wie weiter nach dem Bekenntnis zur Liebe?

Jene Priester, die sich wie einst Richard Friedli oder nun der Priester von Brigels für die Liebe entscheiden und aus dem Dienst ausscheiden, tun sich oft schwer, eine neue Stelle zu finden. Ob der für Brigels zuständige Churer Bischof Huonder seinem scheidenden Priester nun eine Stelle anbieten wird, lässt das Bistum unbeantwortet.

«10vor10» sind jedoch mehrere Fälle aus dem Bistum bekannt, in denen zölibatsbrüchige Priester jahrelang arbeitslos waren und sich unter anderem als Möbelmonteure über Wasser halten mussten.

Brigelser Katholiken fordern Lösung des «Problems Zölibat»

Immerhin: Im Bistum Basel bemühe man sich, Priester, die sich für eine Partnerschaft entscheiden, im Dienst der Kirche zu behalten. «Wir haben in den letzten 10 Jahren etwa vier bis fünf Personen, die sich für einen anderen Weg entschieden haben», sagt Bistumssprecher Hansruedi Huber. Einige davon seien in unterschiedlichen Funktionen, beispielsweise als Pastoralassistent, wieder eingestellt worden.

Legende: Video «Kirche muss das Problem des Zölibats lösen» abspielen. Laufzeit 00:09 Minuten.
Aus 10vor10 vom 16.07.2018.

Dem Präsidenten der nun betroffenen Kirchgemeinde Brigels ist das freilich zu wenig. «Die katholische Kirche muss das Problem des Zölibats lösen. Sie muss nach Lösungen suchen, die unserer Mentalität und unserem heutigen Leben entsprechen.» Im Bistum Basel unterstützt man diese Forderung. Und selbst Papst Franziskus hat diesbezüglich schon Offenheit signalisiert. Bloss geschehen ist bis jetzt nichts.

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29 Kommentare

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  • Kommentar von Beni Fuchs (Beni Fuchs)
    Die Frucht Eva's ist nicht einfach n Apfel von sonem Baum der da im Paradies grad rumsteht. Der 'Baum der Erkenntnis' ist die Erkenntnis selber, von 'gut und bös', respektive die Erkenntnis des Dualitätsprinzips, das der Materiellen Welt zugrunde liegt. Die 'Frucht' dieses Baums, die 'Ursünde' ist die Sexualität. (Die Symbole Apfel und Schlange möcht ich nicht näher erläutern) Die Sexualität bindet uns an die Materie. Somit macht es auch Sinn, diese zu überwinden, um in den Himmel zu gelangen.
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  • Kommentar von Stefan Trasser (chiggifan)
    Offenbar gibt es viele Probleme mit dem Zöllibat. Aber gibt es auch einen Nutzen? Kann mir jemand erklären, wozu das Zöllibat gut ist?
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    1. Antwort von Beni Fuchs (Beni Fuchs)
      Religionen dienen eigentlich grundsätzlich der Wahrung und Vermittlung ethischer Werte. (Moral kann man auch sagen...). Und das Zölibat dient der Entsagung aller weltlicher Genüsse - nicht nur der Sexualität. Macht Sinn für diejenigen, die den Weg eines Eremiten, Mönchs oder Kirchenoberen gehen wollen, und erlöst werden wollen vom Leid, das die Physische Welt mit sich bringt (siehe auch Adam & Eva) Wer sich nun einfach damit begnügt, dass Jesus dies für uns erledigt, hats nicht ganz begriffen.
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    2. Antwort von Samuel Cahannes (Samuel Cahannes)
      So wie ich es verstehe hat man das Zöllibat früher eingeführt in einer Zeit in der Priester eine grössere Macht hatten um zu verhindern das diese sich fortpflanzen konnten und somit der Posten nicht vererbt werden konnte.
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  • Kommentar von Luca Meier (Luca Meier)
    Der Zölibat ist sehr wohl biblisch begründet. Jesus lebte ehelos ( Matthäusevangelium 19, 12) . Paulus auch (1Kor 7). Die allermeisten Priester, die ich kenne, haben auch keine Mühe damit. Trotzdem sollte es einem Priester freistehen, ob er heiraten will oder nicht, finde ich.
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    1. Antwort von Stefan Trasser (chiggifan)
      Es gibt Beispiele von Persönlichkeiten in der Bibel, die Ehelos lebten. Keine von diesen Personen gab jedoch in irgendeinem Zusammenhang eine Empfehlung, dass Diener der Gemeinde ehelos leben sollten. So sollte es auch in der Kirche sein: man sollte wohl ehelos leben dürfen, wenn man das kann. Aber ein Gebot daraus zu machen ist unbiblisch.
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    2. Antwort von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
      Focus usf: Kanadische Forscher behaupten, dass Jesus nicht nur mit Maria Magdalena verheiratet war. Vielmehr soll er sogar zwei Söhne mit ihr gehabt haben, Manasseh und Ephraim. Die Autoren sind sich sicher, dass dieses Buch mit Absicht von der Kirche zurückgehalten wurde. Es werden an verschiedenen Stellen der Bibel auch Geschwister und Eltern erwähnt. S/Wiki)
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    3. Antwort von Beni Fuchs (Beni Fuchs)
      Frau Hermann, jeder kann behaupten was er will, es gibt ja auch Leute die glauben, dass Jesus ohne sexuellen Akt gezeugt wurde. Ueber Jesu's Leben ist historisch fast nix belegt. Der Weg ins 'Paradies' aber führt nur über die Entsagung der weltlichen Genüsse... Wer seine 'Sünden' ihm aufbürdet, hat nicht viel begriffen... aber zumindest Trost erhalten für die Zeit bis zum Tod...
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    4. Antwort von Edi Steinlin (Chäsli)
      Ich schreibe das nicht gern Luca Meier, aber das ist lächerlich, sowohl die Begründung des Zölibats als auch die sexuelle Aussage über die Priester. Wäre das wahr, hätten sich nicht zehntausende von Priestern dagegen vergangen, darunter ein beachtlicher Teil mit minderjährigen Kindern und praktisch keiner hat je ein Gefängnis von innen gesehen. Die Methode der kath. Kirche ist immer dieselbe, man schweigt darüber und anschliessend schweigt man nochmals darüber.
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