Zum Inhalt springen

Header

Audio
«Dass es bei solchen Projekten kontroverse Meinungen gibt, können wir nachvollziehen»
Aus Regionaljournal Ostschweiz vom 15.10.2019.
abspielen. Laufzeit 03:55 Minuten.
Inhalt

Unterschiedliche Reaktionen Ein «E-Gipfelbuch» auf 150 Bündner Bergen

Die Graubündner Kantonalbank lanciert ein elektronisches Gipfelbuch. Die nötigen Installationen auf den Bergen sorgen für Kritik.

Im Rahmen ihres 150-Jahr-Jubiläums lanciert die Graubündner Kantonalbank ein elektronisches Gipfelbuch. Dafür sollen auf 150 Berggipfeln Metalltafeln installiert werden. Auf die Tafel am Gipfel ist ein QR-Code gedruckt, mit dessen Hilfe Fotos und Texte der Wanderer und Bergsteiger auf eine Webseite geladen werden können. Die GKB tritt erst auf der Webseite als Sponsor auf, die Tafeln selbst sind werbefrei.

«Mit dem digitalen Gipfelbuch wollen wir die Bevölkerung dazu motivieren, die wunderschöne Bergwelt von Graubünden zu erleben», sagt Martin Rust, Leiter des Jubiläumsprojekts «GKB2020». Gleichzeitig gehe es beim «E-Gipfelbuch» darum, die Leute für die Natur zu sensibilisieren. 13 Tafeln wurden bisher auf Bündner Berggipfeln montiert.

Gruppe Wanderer
Legende: Eine Gruppe Wanderer hat sich auf dem Piz Sezner im elektronischen Gipfelbuch eingetragen. Graubündner Kantonalbank

Bevor die Metalltafeln mit dem aufgedruckten QR-Code auf den Gipfeln installiert werden konnten, befanden einzelne Gemeinden über die Aktion. Über 70 wurden gemäss der Graubündner Kantonalbank angefragt, lediglich drei hätten der GKB eine Absage erteilt, die übrigen Rückmeldungen seien positiv gewesen.

Keine «Möblierung» von Berggipfeln

Auch die Engadiner Gemeinde Pontresina hat sich für die Installation der elektronischen Gipfelbücher entschieden - allerdings mit Vorbehalten. Man habe die Aktion der GKB im Gemeindevorstand diskutiert, sagt Gemeindepräsident Martin Aebli: «Wir waren nicht unbedingt begeistert.»

Wir sind nicht dafür, dass man diese Orte möbliert.
Autor: Martin AebliGemeindepräsident Pontresina

Es seien Bedenken geäussert worden, wenn solche Tafeln beispielsweise auf dem Piz Palü oder dem Piz Bernina installiert werden. «Wir sind nicht dafür, dass man diese Orte möbliert», sagt Aebli. Man habe aber für das GKB-Jubiläum eine Ausnahme gemacht. «Allerdings mit der Auflage, dass die Tafeln nach dem Jubiläumsjahr wieder abmontiert werden», sagt Aebli.

Kooperation mit Umweltverbänden

Zustimmung gibt es für das elektronische Gipfelbuch auch vom WWF und Pro Natura. Schon früh haben die Umweltverbände beim Projekt mit der GKB zusammengearbeitet. Nicht zuletzt, weil die Umweltverbände die Tafeln ohnehin nicht hätten verhindern können.

«Dann ist man diese Kooperation in gegenseitigem Vertrauen eben eingegangen», sagt Ruedi Bucher, stellvertretender Geschäftsführer von Pro Natura Graubünden. Durch die Zusammenarbeit habe man Anliegen zugunsten der Natur einbringen können. Beispielsweise, dass die Tafeln so gestaltet werden, dass sie keine Tiere gefährden und die Gipfel nicht verschandeln.

Kein Verständnis bei Alpenschützern

Bei der Alpenschutzorganisation Mountain Wilderness findet man keinen Gefallen an den Metalltafeln auf den Gipfeln. «Wir finden es sehr bedenklich, wenn die letzten unberührten und intakten Naturlandschaften für Werbezwecke missbraucht werden», sagt Maren Kern, Geschäftsleiterin von Mountain Wilderness.

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

6 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von W. Pip  (W. Pip)
    Perfekt, dann mache ich fett Kasse mit einer Website, welche gegen Geld die QR-Codes abbildet. So braucht man auf keinen Gipfel mehr steigen, kann sich aber auf dem Gipfelbuch verewigen. - "Digitalisierung" ist m.E. allzuoft eher eine psychologische Diagnose als ein gesellschaftlich gewinnbringender Ansatz...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Frederic Weill  (Frederic)
    Es wäre ein Segen, wenn sämtliche Gipfelkreuze auf unseren Bergen verschwinden würden. Gibt es eigentlich Baubewilligungen für so etwas invasives? Diese Kreuze sind eine echte Verschandelung der Landschaft und ein Symbol religiöser Gehirnwäsche.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von W. Pip  (W. Pip)
      Genauso wie unsere Landesflagge? Oder Apotheken- und Sanitätszeichen? Und erst das Symbol des Todesjahres in Sachartikeln? - Sonst noch Probleme oder möchten Sie noch auf andere völlig harmlose und von Glaubensfragen mittlerweile meilenweit entfernte Merkmale unserer Kultur eindreschen?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Thomas Ramseier  (ramtho)
    In der Zeit von social media werden doch diese QR-Codes abfotografiert und geteilt.
    So kann sich jeder mit einem Eintrag im online Gipfelbuch brüsten dort gewesen zu sein.
    Der eigentliche Sinn des Gipfelbuchs, die Bestätigung, dass die Eintragenden physich da waren, ist nicht mehr gegeben.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen