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Ausstellung zur Erinnerung an den Corona-Grenzzaun
Aus Schweiz aktuell vom 14.06.2021.
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Grenzzaun in Kreuzlingen Erinnerungen an eine schmerzhafte Erfahrung

Der Grenzzaun zwischen Kreuzlingen (TG) und Konstanz (D): Ein prominentes Beispiel für die einschneidenden Corona-Massnahmen im vergangenen Jahr. Aufgestellt, als die Grenze zwischen der Schweiz und Deutschland zuging. Plötzlich trennte ein Zaun die beiden Städte, die längst zusammengewachsen sind.

Familien, Paare, Kolleginnen, Kollegen konnten sich von einem Tag auf den anderen nicht mehr treffen. Jetzt, ein Jahr später, steht der Zaun wieder – aber nicht als Grenze, sondern als Ausstellung mit Erinnerungen von Betroffenen.

Menschen getrennt durch einen Zaun.
Legende: Keystone

Die Betroffenen

Zu den Betroffenen der plötzlichen Grenzschliessung gehörten im vergangenen Jahr Doris Hoevel und Wolf-Dieter Krause. Sie wohnt in der Schweiz, er in Deutschland. Die beiden sind nicht verheiratet, deshalb wurde das Paar durch den Grenzzaun getrennt.

Doris Hoevel und Karl-Heinz Krause stehen am Grenzzaun. Dieses Mal zusammen und nicht getrennt.
Legende: Keystone

Am Abend der Ankündigung waren sie noch zusammen in St. Gallen. Dem gebürtigen Berliner stellten sich damals ganz viele Fragen – beispielsweise, ob er je wieder über die Grenze kommt. Deshalb reiste er noch in der Nacht nach Deutschland ab. «Das Beklemmende daran war, dass wir nicht wussten, ob wir uns jemals lebend wiedersehen würden», sagt Doris Hoevel im Rückblick.

Die Erinnerungen

Der erste Zaun wurde im vergangenen Jahr Mitte März aufgebaut. Weil sich danach immer noch viele Leute dort trafen und Körperkontakt hatten, wurde Anfang April im Abstand von zwei Metern ein zusätzlicher Zaun aufgestellt. Sechs Wochen lang waren die beiden Städte vollständig getrennt.

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Coronavirus: Bussen am Grenzzaun zu Deutschland
Aus Schweiz aktuell vom 08.04.2020.
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Die Treffen am Grenzzaun waren immer streng überwacht. Hautnah miterlebt hat dies Heike Brüning. Sie wohnt mit ihrem Mann in der Schweiz, der Rest der Familie in Konstanz. «Reiter patrouillierten, damit man ja nichts über den Zaun schmiss oder sich irgendwie zu nahe kam. Es war eine bedrückende Situation», erinnert sie sich.

Die Situation erinnerte auch an den Zweiten Weltkrieg, als die beiden Städte letztmals durch einen Zaun getrennt waren.

Grenzzaun mit Stacheldraht an der Grenze zwischen Kreuzlingen und Konstanz.
Legende: Keystone

Damals dauerte die Abriegelung ganze sechs Jahre lang. Der Zaun wurde errichtet, um die Flucht von Juden in die Schweiz zu verhindern. Auch nach dem Krieg blieb der Zaun bis 2006 teilweise erhalten. Nach seinem Abbau entstand mit den Skulpturen Johannes Dörflingers eine «Kunstgrenze». Zu Fuss oder mit dem Fahrrad war der Grenzübertritt seither auf der gesamten Länge vom See bis zu den Bahngleisen möglich. Kaum jemand rechnete damit, dass sich dies wieder ändern könnte.

Die Ausstellung

Bis am 29. August erinnert eine Ausstellung sowohl an die Grenzschliessung im Zweiten Weltkrieg als auch im vergangenen Corona-Jahr. Sie erzählt persönliche Geschichten von der Trennung der beiden Städte. Auch Heike Brüning erzählt dort ihre Geschichte. Sie habe die Ereignisse noch nicht verarbeitet. Die Ausstellung solle ihr dabei helfen. «Die Trennung sitzt immer noch tief», sagt sie.

Heike Brüning gibt Interview vor dem Grenzzaun.
Legende: Heike Brüning SRF

Die Ausstellung mitorganisiert hat die Kreuzlinger Stadträtin Dorena Raggenbass. Dass die beiden eng verwachsenen Städte je getrennt werden könnte, hätte sie sich nie vorstellen können. «Hoffentlich passiert es nie wieder», sagt sie. Aber man wisse nie – das habe das vergangene Jahr vor Augen geführt.

Kurator, Stadträtin und Bürgermeister vereint vor Ausstellungsstücken.
Legende: Die Kreuzlinger Stadträtin Dorena Raggenbass flankiert von Kurator David Bruder (links) und dem Konstanzer Bürgermeister David Osner. Stadt Kreuzlingen

Wenn nun aber vorübergehend wieder ein Stück Grenzzaun installiert worden ist zwischen Kreuzlingen und Konstanz, dann nicht um die Menschen zu trennen, sondern um sie mit einer Ausstellung zusammenzuführen. Zu besichtigen ist sie auf der sogenannten Kunstgrenze auf dem Gelände Kleinvenedig.

Schweiz aktuell, 15.6.2021, 19:00 Uhr;

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Lutz Bernhardt  (lb)
    Es geht wohl nicht nur um diesen Zaun in Corona-Zeiten. Konstanz und Kreuzlingen sind viel länger verbunden. Um die Bombardierung Schweizer Städte im zweiten Weltkrieg zu vermeiden, haben die Alliierten mit der Schweiz vereinbart: "Wenn wir Bombenangriffe planen, sagen wir es euch. Dann lasst die Beleuchtung in euren Städten an. Da werfen wir dann keine Bomben." Was die Kreuzlinger prompt nach Konstanz weitergeleitet haben. So blieb Konstanz im zweiten Weltkrieg praktisch unzerstört.
    1. Antwort von Christoph Stadler  (stachri)
      Das ist falsch. Im November 1940 wurde in der Schweiz – auf Druck des Deutschen Reiches – die Verdunkelung eingeführt!
  • Kommentar von Christoph Stadler  (stachri)
    Über diesen Grenzzaun habt ihr schon mehrmals berichtet. Auch andere "Erkenntnisse" und "ExpertenInnen"-Meinungen wiederholen sich.
    Ich habe eine Maske getragen, ich habe mich geimpft und musste meine Freizeitaktivitäten vorübergehend einschränken – meine Güte...
    Mit dieser ständigen Schwarzmalerei ist niemanden geholfen.
    Vor längerer Zeit habt ihr mal eine Umfrage gemacht, ob zu viel, zu wenig, oder gerade richtig über Corona berichtigt wird. Das Resultat damals eindeutig "ZU VIEL".
  • Kommentar von Christian Kaiser  (Chriska)
    Ich meine, es gab viele, schmerzhaftere Erfahrungen während dieser Corona Periode, als ein temporärer Grenzzaun .
    1. Antwort von Carmen Kainhofer  (Carmen Kainhofer)
      Ganz so ohne wars halt für einige doch nicht, der gedanke dass einer von der anderen seite corona bekommt und man ihn nie wieder sieht .. auch andere haben schmerzhafte erfahrungen gemacht, sogar angehörige verloren von denen man auch nicht abschied nehmen konnte.. man muss es ja trotzdem nicht runterspielen.