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Der Germanist Mario Andreotti zu Bildung und Sprache
Aus Regionaljournal Ostschweiz vom 06.01.2020.
abspielen. Laufzeit 08:16 Minuten.
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«Eine Kultur schafft sich ab» «Grammatikfehler, Interpunktionsfehler, Stilfehler...»

Das Buch «Eine Kultur schafft sich ab» vereint eine Auswahl von Beiträgen zu den Themen Sprache, Schule und Bildung. Die Texte sind im St. Galler Tagblatt und in Titeln der CH Media erschienen.

Mario Andreotti

Mario Andreotti

Dozent

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Professor Dr. Mario Andreotti, geboren 1947, war Lehrbeauftragter für Sprach- und Literaturwissenschaften an der Universität St. Gallen und Mittelschullehrer.

Noch heute doziert er an zwei Pädagogischen Hochschulen «Neuere deutsche Literatur».

Zudem ist Mario Andreotti Buchautor. Er verfasste das Standardwerk «Die Struktur der modernen Literatur».

SRF News: In Ihren Kolumnen findet man immer eine Gemeinsamkeit: Ihre scharfzüngige Kritik am Zeitgeist. Wer schafft denn jetzt hier die Kultur ab?

Mario Andreotti: Es ist der Zeitgeist. Es muss heute alles schnell gehen und pragmatisch sein, das heisst, einen praktischen Nutzen haben. Da bleibt für eine umfassende, humanistische Bildung, aber auch für einen sorgfältigen Umgang mit unserer Sprache, kaum mehr Zeit. Humanistische Fächer wie Literatur, Geschichte, Philosophie werden zunehmend an den Rand gedrängt oder verschwinden ganz aus dem Lehrplan. Weil sie angeblich nutzlos sind und weil unsere Sprache fortlaufend beschädigt wird, ohne dass dies Konsequenzen hat. Grammatikfehler, Interpunktionsfehler, Stilfehler und das selbst in den Zeitungen, das meine ich, wenn ich von der Abschaffung der Kultur spreche.

Wir wollen ein Thema fokussieren: die Kantonsschule. Ihre These ist es, dass sich auch die Kanti abschafft. Wie meinen Sie das?

Das Gymnasium war lange der Königsweg zu den Universitäten. Das Maturazeugnis war gleichbedeutend mit dem Zugang zu den Universitäten. Dies ist heute leider längst nicht mehr so. Fachhochschulen verlangen heute auch von Maturae und Maturi Aufnahmeprüfungen. Auch für das Medizinstudium braucht es eine Aufnahmeprüfung, und selbst an der ETH kann ich mit einer spezifischen Aufnahmeprüfung aufgenommen werden. Dies ist eine Abwertung der Matura.

Ich habe beim Lesen Ihres Buches festgestellt, dass Sie der Meinung sind, dass das Neue nicht immer das Bessere ist. Würden Sie sich als konservativ beschreiben?

Nein! In keiner Weise. Wer nicht dem Mainstream folgt und nicht einfach Meinungen übernimmt, die man angeblich überall hat, der gilt sofort als konservativ oder sogar als rechts-konservativ, als fundamentalistisch oder gar als Sektierer. Mir geht es nicht darum, alles zu verteufeln, was im Rahmen dieser Bildungsinitiativen gemacht wurde. Mir geht es darum, die Schieflagen, die entstanden sind, kritisch zu begleiten.

Das Gespräch führte Peter Schürmann.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Heiner Graf  (Denkeinfach!)
    Schade, dass die Möglichkeiten von neuen Lernkonzepten in der Schweiz nicht öffentlicher diskutiert werden. Schade, dass Wettbewerb um der Vermeidung von Zweiklassengesellschaft Willen unbedingt verhindert wird. Schade, dass bei der Digitalisierung nicht die Chance und Vertiefung der Lehrerrolle besprochen wird, sondern die Angst vor Verlust dominiert. Schade, dass Pädagogen nicht öfters an internationalen Schulkonferenzen teilnehmen. Es gäbe so viel zu entdecken - wollte man lebenslang lernen.
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  • Kommentar von Heiner Graf  (Denkeinfach!)
    Ich lese seit Jahren die Kolumnen von Mario Andreotti und habe auch schon mit Leserbriefen darauf geantwortet. Meiner Meinung nach geht es zu stark um den Verlust des Alten und zu wenig um die Chancen von neuen Modellen. Dies gilt sowohl bei den Veränderungen im Gebrauch der Sprache als auch bei der Neuorientierung der Rolle von Lehrkräften. Ich leite eine Schule mit dem IB Lehrplan mit und bin überzeugt von der jahrzehntelangen Praxis von kompetenzorientiertem Lernen und von Digitalisierung.
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  • Kommentar von Benito Boari  (Antoine)
    Aus Angst, den Anforderungen der Zukunft nicht zu genügen lassen wir uns von der scheinbaren Bedeutung des Angewandten hypnotisieren. Dabei werden wir dem Allgemeingültigen gegenüber immer gleichgültiger. Umgekehrt wäre besser, haha!
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