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Reportage von den Reinigungs- und Restaurierungsarbeiten in der Stiftsbibliothek
Aus Regionaljournal Ostschweiz vom 13.01.2020.
abspielen. Laufzeit 03:46 Minuten.
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Stiftsbibliothek St. Gallen Wenn ein 252-jähriger Boden restauriert und gereinigt wird

Für so manche Besucherin und manchen Besucher ist er immer noch eine Augenweide: Der historische Barocksaal der Stiftsbibliothek St. Gallen aus dem Jahr 1768. Auch das Schmuckparkett darin wird aus diesem Jahr der Eröffnung des Barocksaales vermutet.

Das ist Pflicht: Wer in die Stiftsbibliothek will, muss die grauen Filzpantoffeln anziehen.
Legende: Das ist Pflicht: Wer in die Stiftsbibliothek will, muss die grauen Filzpantoffeln anziehen. SRF Michael Ulmann

Zurzeit «schlurfen» nicht nur die Besucher in den typischen grauen Filzpantoffeln über den 252-jährigen Boden in der Stiftsbibliothek, sondern es wird an ihm auch Hand angelegt. Seit Anfang November wird das Schmuckparkett gereinigt und restauriert.

Die Hauptarbeiten haben allerdings erst letzte Woche begonnen und sollen bis Ende Februar dauern. Grund: Über die Jahre wurde – auch trotz oder gerade wegen der Filzpantoffeln – Schmutz und Staub in den Saal gebracht, der sich auf dem Boden abgelagert hat.

Blick in die Stiftsbibliothek, deren Boden gebürstet und poliert wird.
Legende: SRF MICHAEL ULMANN

Verantwortlich für die Arbeiten ist der Restaurator und Konservator Hanspeter Strang aus Wil. Er wird unterstützt von einem Team aus dem Kanton Schwyz. «Zuerst reparieren wir die Risse in den Ausfüllungen im Boden. In einem zweiten Arbeitsschritt entfernen wir den bestehenden Oberflächenüberzug inklusiv der Verschmutzung mit Lösemittelkompressen. Dann wird eine Leimgrundierung auf den Boden aufgetragen und als letzter Schritt drei Mal gewachst», sagt Strang.

Risse flicken, wachsen und mehr

Es sei eine Ehre in diesem wunderschönen, historischen Saal arbeiten zu dürfen, sagt Strang stolz. Die Stellen auf dem Boden, die bereits gereinigt und restauriert wurden, kann man gut von den noch unbehandelten Stellen unterscheiden.

Die Arbeiten am 252-jährigen, denkmalgeschützten Boden brächten aber auch Herausforderungen mit sich, betont der Restaurator: «Bevor wir mit den Arbeiten begonnen haben, haben wir die Oberfläche des Bodens zuerst einmal genau analysiert und die besten Materialien gesucht. So wissen wir genau, was wir machen müssen.» Schleifen beispielsweise sei ein «No-Go», weil man – auch aus denkmalpflegerischer Sicht – keinen Substanzverlust am Holz wolle. Diesen habe man ohnehin schon durch das Laufen auf dem Boden, so Strang.

Blick in die Stiftsbibliothek, deren Boden gebürstet und poliert wird.
Legende: Der Unterschied ist gut sichtbar: Oben die bereits gereinigte und restaurierte Fläche, unten die noch zu behandelnde Fläche. SRF MICHAEL ULMANN , Link öffnet in einem neuen Fenster

Der Boden der Stiftsbibliothek werde zwar regelmässig gereinigt, sagt der Stiftsbibliothekar Cornel Dora. Eine richtige «Putzete» habe man aber schon seit Jahrzehnten nicht mehr gemacht. «Nun haben wir eine Methode gefunden, mit der man bis auf den Grund des Bodens reinigen kann, um den Boden in seiner ursprünglichen Form aus der Bauzeit sichtbar zu machen.»

Dora und Strang
Legende: Stiftsbibliothekar Cornel Dora (links) mit Restaurator und Konservator Hanspeter Strang, der ein Glas mit Schmutz in der Hand hält. SRF Michael Ulmann

Obwohl der alte Parkettboden der Stiftsbibliothek in einigen Wochen wieder fast wie neu aussieht, eines ist klar: «Die Pantoffeln bleiben», sagt Dora. Sie würden zur Bibliothek gehören, und es gebe zurzeit keine bessere Alternative dafür.

Das schriftliche Erbe des Klosters St. Gallen

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Der Blick in die Stiftsbibliothek.
Legende:Die frühesten schriftlichen Zeugnisse der Stiftsbibliothek gehen auf das achte Jahrhundert zurück.keystone

Die Stiftsbibliothek St. Gallen ist die älteste Bibliothek der Schweiz und eine der grössten und ältesten Klosterbibliotheken der Welt. Ihr wertvoller Bücherbestand offenbart die Entwicklung der europäischen Kultur und dokumentiert die kulturelle Leistung des Klosters St. Gallen vom 8. Jahrhundert bis zur Aufhebung der Abtei im Jahr 1805. Rund 1200 Handschriften und insgesamt 170'000 Bücher und andere Medien, Werke der europäischen Geistesgeschichte werden hier aufbewahrt.

Die Stiftsbibliothek wurde zusammen mit dem gesamten Stiftsbezirk St. Gallen 1983 von der UNESCO ins Verzeichnis des Weltkulturerbes aufgenommen. Die Stiftsbibliothek ist heute eine Institution des Katholischen Konfessionsteils des Kantons St. Gallen und gehört zu den führenden Museen der Schweiz. Jährlich besuchen über 130'000 Gäste den Barocksaal der Stiftsbibliothek.

Blick in die Stiftsbibliothek, deren Boden gebürstet und poliert wird.
Legende: Von aussen ist von den Arbeiten nichts zu sehen. SRF MICHAEL ULMANN , Link öffnet in einem neuen Fenster
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2 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Wünschenswert für die Schweiz, wäre dasselbe grosse, aktive Interesse und Engagement (persönlich und finanziell), für die dringend notwendigen Veränderungen/Verbesserungen und entsprechenden Gesetzes-Anpassungen-und Neuerungen, zur Rettung, Erhaltung der "Lebensgrundlage" (Ökosystem - Umwelt) der Bevölkerung!?
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  • Kommentar von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
    Ein 252jähriger Boden, und es gibt ihn noch. Heute gebaute Häuser stehen nicht mal so lange. Eine Aussage über unsere verschwenderische Konsumgesellschaft.
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