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Urteil Grossbrand Steckborn Freispruch für Ehepaar

Legende: Video Freispruch im «Fall Steckborn» abspielen. Laufzeit 07:19 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 21.08.2018.

Das Bezirksgericht Frauenfeld hat ein Ehepaar vom Vorwurf freigesprochen, im Dezember 2015 in Steckborn einen Grossbrand fahrlässig verursacht zu haben. Damals geriet der Akku eines Modellautos in Brand, der über Nacht zum Aufladen am Strom angehängt war. Der Schaden an fünf Häusern betrug 12 Millionen Franken.

Nicht allgemein bekannt

Vom Vorwurf der fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst wurde das Ehepaar im noch nicht rechtskräftigen Urteil entlastet. Im Jahr 2015 sei noch nicht allgemein bekannt gewesen, wie gefährlich Akkus sein können, begründete das Gericht seinen Entscheid.

Vier von fünf Mitgliedern dieses Gerichts hatten 2015 noch keine Kenntnis von dieser Gefahr.
Autor: Rudolf FuchsGerichtspräsident Bezirksgericht Frauenfeld

Die Beschuldigten haben deshalb davon ausgehen können, dass sich dieser Akku gleich verhalte wie Handy- oder Laptopakkus. Damit folgt das Gericht der Argumentation der Verteidigung. Diese hatte im Plädoyer beispielsweise erwähnt, dass der Skandal zu brennenden Samsung Smartphones erst ein Jahr später als der Brand in Steckborn war.

Die Staatsanwaltschaft und die Privatkläger haben angekündigt, sie werden sich einen Weiterzug des Prozesses überlegen.

Geldforderungen haben nun schwache Argumente

Ein grosser Teil der Privatkläger waren Mieter der abgebrannten Häuser und haben ihr ganzes Hab und Gut verloren. Teilweise hatten sie keine Hausratversicherung. Sie hatten auf einen Schuldspruch gehofft, um auf dem zivilrechtlichen Weg Geld von den Versicherungen zu erhalten. Nun habe man etwas schwächere Argumente, werde aber trotzdem das Gespräch mit den Versicherungen suchen, sagt Daniel Jung, einer der Anwälte.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Andrea Esslinger (weiterdenken)
    Unglaublich. Ich dachte immer Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Auf Akku und Ladegerät stand, dass man den Akku nicht unbeaufsichtigt und bei brennbaren Materialien laden darf. Was mehr muss denn da noch stehen, dass Leute nicht sagen können: Sorry, hab ich nicht gewusst.
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    1. Antwort von Erich Singer (liliput)
      Ja, sehr sonderbar dieses Urteil! Es sind zwei erwachsene Menschen wo man annehmen kann das sie Lesen können!!
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  • Kommentar von Samuel Müller (Samuel Müller)
    Das arme Paar tut mir leid. Fast 3 Jahre Unsicherheit und wahrscheinlich diverse Einvernahmen und Anwaltskosten, dazu ein kaputter Ruf im Dorf, bei Freunden und Bekannten, wegen einem AKKU! Einem Teil, das in jedem modernen Haushalt im Dutzend herumliegt! UND fast alle Leute über Nacht laden! Und man weiss das es brennen kann! Aber schön, dass das Gericht das in 3 Jahren auch bestätigen konnte. Selbstbeschäftigung auf den Schultern der Allgemeinheit.
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  • Kommentar von Roger Fasnacht (FCB Forever)
    Wenn ein Akku aufgeladen wird, da soll man gemäss dem Staatsanwalt dies die ganze Zeit überwachen ?? Das ist doch mehr als weltfremd ! Ich möchte gerne sehen wie der entsprechende Staatsanwalt nachtsüber jeweils neben seinem iPhone/iPad/Lap-Top etc. steht, während deren Lithium- Akku augeladen wird... Vollkommen lächerlich, das so was überhaupt zum Prozess kommt !?!
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    1. Antwort von R. Good (Good)
      @Fasnacht Es handelt sich überhaupt nicht um übliche Akkus, deshalb standen ja auch auf dem Gerät ganz klar Warnungen, inklusive hoher Brandgefahr bei Überladung. Sagen sie mal den Leuten die Hab und Gut verloren haben, wegen diesen Beiden, dieser Prozess sei lächerlich; ich denke diese Leute werden eher das Urteil als lächerlich betrachten.
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    2. Antwort von Roger Fasnacht (FCB Forever)
      @Good: Erstens steht Ihre Behauptuung im Widerspruch zu den Angaben in diesem Artikel. Nun sogar wenn Sie Recht hätten, dass da spezielle Warnungen stehen: Jede Kaffemaschine, Mixer oder Kühlschrank kommt heute mit Seiten-Langen Warnunghinweisen (damit wollen sich die Hersteller schützen vor Schadenersatzansprüchen) und niemand erwartet deshalb, dass Sie neben der Kaffeemaschine schlafen oder den Kühlschrank 24 Stunden pro Tag überwachen, also seien Sie ein bisschen realistisch...
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