Wenn der Direktor im Ausstellungsraum arbeiten muss

Die Vorarlberger Konzeptkünstlerin Maria Anwander versucht in der St.Galler Kunsthalle das Publikum herauszufordern. Aber auch die Mitarbeiter der Galerie werden zum Teil ihrer aktuellen Austellung.

Giovanni Carmine an seinem Arbeitsplatz in der Austellungshalle Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Direktor Giovanni Carmine an seinem Arbeitsplatz, der von der Künstlerin in den Ausstellungsraum versetzt wurde. SRF

Dadurch wird für die Besucherinnen und Besucher transparent und sichtbar gemacht, dass auch in einer Kunstgalerie gearbeitet wird, wenn auch meistens hinter den Kulissen. Der Direktor der Kunsthalle, Giovanni Carmine, war sofort bereit, die Bürotische und den Kopierapparat in die Ausstellung zu verlegen. Nun können ihm die Besucher bei der Arbeit über die Schulter schauen.

Die 34-jährige Maria Anwander setzt sich unter anderem mit Kunstgalerien und deren Regeln auseinander. Ein Teil der Ausstellung bleibt deshalb für den Besucher geschlossen. Ein schwarzes Absperrband versperrt den Weg und auf der Wand ist zu lesen: «Bitte beachten Sie, dass dieser Teil der Ausstellung geschlossen bleibt, da die darin gezeigte Arbeit unter Umständen nicht Ihren ethischen Vorstellungen entsprechen könnte.»

«Hier spielt die Künstlerin mit der Vorstellungskraft des Besuchers und der Besucherin», sagt Direktor Giovanni Carmine, «aber auch mit der Vormundschaft, welche Institutionen haben, die ihrem Publikum sagen, was für den Besucher geeignet sei und ihm seine Ethik vorschreiben.»