Schifffahrt auf dem Bodensee Wieviel Konkurrenz verträgt die Kooperation?

Seit Jahrzehnten arbeiten die Schifffahrtsgesellschaften von Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen. Jetzt aber überlegt sich die Schweizerische Bodensee-Schifffahrtsgesellschaft den Austritt. Im Hintergrund schwelen offenbar seit längerem Konflikte – auf beiden Seiten.

Schiffe vor Sonnenuntergang im Hafen Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Anfahrt im Hafen Konstanz ist ein Streitpunkt innerhalb des Verbandes. imago

Hermann Hess ist frustriert. Der FDP-Nationalrat und Verwaltungsratspräsident der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrt (SBS) denkt deshalb darüber nach, aus dem Verband der Vereinigten Schifffahrtsunternehmen für den Bodensee und Rhein (VSU) auszutreten.

In den vergangenen Jahren sei die SBS regelmässig mit Projektenideen gescheitert, wie beispielsweise eine gemeinsame Tageskarte oder ein neues Konzept für die Schiffahrtslinien. Aktuell gibt es Diskussionen, weil die SBS neu auch Konstanz anfährt. Problematisch sei weiter, sagt Hermann Hess, dass das Präsidium seit 2001 in den Händen der deutschen Kollegen sei.

Zankapfel Projekte und Präsidium

Die Antwort von VSU-Präsident Norbert Reuter, auch Geschäftsführer der Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB): Das Thema sei gerade im April trakandiert gewesen. Das Ergebnis: «Von vier Unternehmen haben drei gesagt, wir würden darum bitten, dass es bei der BSB bleibt, weil wir nicht die Kapazitäten dazu haben».

«  Wer die VSU kündigt, nimmt in Kauf, dass die Schifffahrt auf dem Bodensee an Attraktivität verliert. »

Norbert Reuter
VSU-Präsident

Irritiert zeigt sich auf Anfrage auch Alexandro Rupp, Geschäftsführer des österreichischen Schifffahrtsunternehmen Vorarlberg Lines. In den vergangenen Jahren hätte das Schweizer Unternehmen immer wieder Alleingänge unternommen, wie aktuell der neue Zwischenstop in Konstanz. Die Ideen der SBS habe man im Vorstand diskutiert, aber verworfen.

Gemeinsamer Fahrplan steht auf dem Spiel

Reuter äusserte sich überrascht über die Austrittsgedanken der SBS und sagt an deren Adresse: «Wer die VSU kündigt, nimmt in Kauf, dass die Schifffahrt auf dem Bodensee an Attraktivität verliert», weil dann der gemeinsame Fahrplan und die einheitlichen Tarife fehlten.

Für einen gemeinsamen Fahrplan brauche es nicht einen Verband, entgegnet SBS-Präsident Hermann Hess: «Einen Fahrplan können wir trotzdem vereinbaren. Dafür brauchen wir nicht Verbandssitzungen, die nichts bringen und Geld kosten».

Dachverband VSU

Im Dachverband «Vereinigte Schifffahrtsunternehmen für den Bodensee und
Rhein» (VSU) sind vier Unternehmen vertreten: Die deutsche
«Bodensee-Schiffsbetriebe GmbH» (BSB), die österreichische «Vorarlberg
Lines Bodenseeschifffahrt GmbH & Co. KG» (VLB) und die beiden
Schweizer Unternehmen «Schweizerische Bodensee-Schifffahrtsgesellschaft
AG» (SBS) und die «Schweizerische Schifffahrtsgesellschaft Untersee und
Rhein» (URh).

SRF1, Regionaljournal Ostschweiz, 17:30; habs