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Christoph Hauser: «Die Staus führen inzwischen zu grossen Zeitverlusten.»
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 12.11.2019.
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10 Jahre Autobahn A4 Die Autobahn, mit der die Zentralschweiz näher an Zürich rückte

Die A4 brachte der Zentralschweiz Vorteile, aber nicht nur: Wirtschaftsdozent Christoph Hauser über die Folgen.

Am 13. November 2009 wurde die A4 feierlich eröffnet. Nicht nur der Kanton Zug, sondern auch Luzern, Nidwalden, Schwyz und Uri versprachen sich davon schnellere Verbindungen in den Wirtschafts-Grossraum Zürich, neuen Schub für den Wirtschaftsraum Zentralschweiz und eine Attraktivierung der Region als Wohngebiet für Pendlerinnen und Pendler. Diese Erwartung formulierte im Jahr 2008 auch Christoph Hauser, Dozent an der Hochschule Luzern Wirtschaft, in einer Studie im Auftrag der Luzerner Wirtschaftsförderung.

16 Kilometer Autobahn für rund 1,2 Milliarden

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Mit der Eröffnung der Autobahn A4 am 13. November 2009 wurde die Autobahnlücke zwischen Zürich und der Zentralschweiz geschlossen. Gegen diese neue Autobahn zwischen Cham und Zürich wehrten sich die Menschen in den betroffenen Dörfern im Knonaueramt heftig. Sie erhielten dabei auch Unterstützung von Umweltverbänden. In der Zentralschweiz war der Widerstand aber gering. Im Gegenteil: Viele erhofften sich einen Wirtschaftsschub. An der Eröffnungsfeier erwähnte der damalige Verkehrsminister Moritz Leuenberger denn auch die lange und bewegte Geschichte. Er bezeichnete die Planung als 49-jährigen Lernprozess. Die Opposition erreichte, dass die vierspurige Strasse zum Teil in einem Tunnel geführt und mit aufwendigen Lärmschutzmassnahmen ergänzt wurde. Wenn die Autobahn in den 70-er Jahren fertig gebaut worden wäre, hätte sie wohl Dörfer und zuvor intakte Landschaften zerschnitten. Gekostet hat das 16 Kilometer lange Autobahnteilstück rund 1,2 Milliarden Franken. Davon hat der Bund 80 Prozent bezahlt.

Heute sieht Hauser seine Erwartungen in weiten Teilen bestätigt. Das Wirtschaftswachstum in den Zentralschweizer Kantonen sei nach der Eröffnung der Autobahn A4 von 2008 bis 2015 mit 16 Prozent höher gewesen als in der Gesamtschweiz mit 11 Prozent. Da könne man einen Zusammenhang herstellen.

Die Wirtschaft in der Zentralschweiz ist mehr gewachsen als in der Gesamtschweiz.
Autor: Christoph HauserDozent Hochschule Luzern Wirtschaft

Am meisten habe der Kanton Zug profitiert, der auch in Luzern, Obwalden und Nidwalden habe nach der Autobahneröffnung einen Wachstumsschub gegeben.

Drei Männer stehen auf der Autobahn und zerschneiden ein Band.
Legende: Der damalige Zuger Baudirektor Heinz Tännler (links) eröffnete 2009 mit Verkehrsminister Moritz Leuenberger und dem Zürcher Regierungsrat Markus Kägi die neue Autobahn. Keystone

Wie erwartet habe die neue Strassenverbindung auch die Immobilienpreise in die Höhe getrieben, da es attraktiver wurde, in der Zentralschweiz zu wohnen.

«Staus führen zu grossen Zeitverlusten»

Die erhoffte Zeitersparnis für den Weg nach Zürich habe sich unterdessen aber relativiert, sagt Hauser. «Wir haben befürchtet, dass der Verkehr in der Agglomeration um 30 Prozent zunehmen könnte, und das ist längstens passiert.» Die Staus führten mittlerweile zu grossen Zeitverlusten, was ökonomisch völlig unsinnig sei.

Es war abzusehen, dass das Nadelöhr den Verkehr nicht schlucken kann.
Autor: Christoph HauserDozent Hochschule Luzern Wirtschaft

Für Hauser wäre es wünschenswert, dass die Kapazitäten für den Öffentlichen Verkehr auf der Schiene ausgebaut würden. Die geplanten Ausbauten im Raum Luzern und Zug sind aber noch in weiter Ferne. «Da haben wir gravierende Engpässe.»

Die Zukunft sieht er daher kritisch: Es werde schwierig, den Mehrverkehr, den die wirtschaftliche Dynamik mit sich bringt, auf der Strasse zu bewältigen. Von der Digitalisierung des Verkehrs erhofft er sich keine Wunder: Sie könne helfen, die Kapazitäten auf der Schiene zu erhöhen. Und autonom fahrende Autos könnten auch die Kapazitäten auf der Strasse steigern. Allerdings könne das genau das Gegenteil bewirken: Selbstfahrende Autos würden das Autofahren bequemer machen: «Man steigt dann noch öfter in das Fahrzeug und benutzt noch öfter die Autobahn, die keinen Platz mehr hat.»

Blick auf die neue Autobahn
Legende: Die erhoffte Zeitersparnis für den Weg nach Zürich hat sich unterdessen relativiert. In den letzten 10 Jahren kam es zu grossem Mehrverkehr. Keystone
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