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Zentralschweiz «Bitter, dass der Datenschutz wichtiger ist als der Opferschutz»

Das Luzerner Bezirksgericht hat diese Woche eine Klage abgewiesen, wonach die Luzerner Polizei ein Opfer nicht vor einem Gewalttäter gewarnt hat. Laut dem Gericht hat sich der Polizist korrekterweise an den Datenschutz gehalten und nichts über die kriminelle Vergangenheit des Täters preis gegeben.

EIn Porträt einer Frau die am See sitzt.
Legende: Nicole Dill will für den Opferschutz weiterkämpfen. SRF

«Es tut schon sehr weh, wenn der Datenschutz über den Schutz des Opfers eines Gewaltverbrechens gestellt wird. Aber ich habe mit diesem Urteil gerechnet», sagt Nicole Dill, Klägerin vor dem Luzerner Bezirksgericht, gegenüber Radio SRF.

Die heute 47-jährige Nicole Dill verklagte den Kanton Luzern auf Genugtuung. Ihrer Meinung nach war sie von den Behörden nicht hinreichend über die Vorgeschichte ihres gewalttätigen Freundes aufgeklärt worden. Dieser war wegen Mordes, Vergewaltigung, Stalkings und hoher Rückfallgefahr den Ämtern bekannt gewesen.

Datenschutz vor Opferschutz

Laut dem Bezirksgericht kann den Angestellten des Kantons keine widerrechtliche Handlung oder Unterlassung nachgewiesen werden, wie aus dem am Donnerstag publizierten Urteil hervorgeht.

Nicole Dill hatte sich 2007 nach Eifersuchtsanfällen ihres Freundes bei den Behörden über ihn erkundigen wollen. Nachdem sie ihm per E-Mail die Trennung bekannt gegeben hatte, wurde sie bei sich zu Hause von ihrem Freund gefangen genommen. Er vergewaltigte sie und schoss dreimal mit einer Armbrust auf sie.

Die Klägerin will das Urteil wenn nötig bis vor das Bundesgericht weiterziehen. Nicole Dill setzt sich auch in einer Opfer- und Selbsthilfegruppe für einen besseren Opferschutz ein.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    Es ist Zeit dass etwas passiert... zugunsten der Opfer und nicht der Taeter!!!! Richter die so urteilen sind irgendwie unverstaendlich, wobei, DIE muessen sich zwingend an geltendes Recht halten, andernseits kann ja mal ein Grundsatzurteil getroffen werden!
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (robo)
    Dass sich Nicole Dill für den Opferschutz weiterhin engagieren will, kann ich sehr gut nachvollziehen! Schon lange herrscht in unserer Kuscheljustiz die Rangordnung Datenschutz kommt vor Opferschutz! Dazu kommt noch die ewige Verhätschelung der Täter mit Spezial-Psychiatrieangeboten oder teuren Therapien. Die Opfer tragen meistens "das Zwei am Rücken"! Sie müssen selber mit einem brutalen Verbrechen an sie oder an ihr Eigentum fertig werden! Wir verblöden noch an und mit der Gutmensch-Industrie!
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  • Kommentar von Michel Koller (Mica)
    Frau Dill geht auf die Falschen los. Die Behörden und der Polizist haben nach dem Gesetz gehandelt. Sie können nicht entscheiden, welche Gesetze sie gerne befolgen würden. Will Sie etwas ändern, muss Sie die Legislative ansprechen und eine Gesetzesänderung fordern. Diese sollte dann aber angemessen sein. Das Bundesgericht wird kaum Leute verurteilen, welche sich lediglich an das Gesetz halten, denn das Gericht kann nur auf der Basis der bestehenden Gesetzgebung urteilen.
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