Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio «Erstmals vor der echten Guillotine zu stehen war schon gruselig» abspielen. Laufzeit 07:17 Minuten.
07:17 min, aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 05.04.2019.
Inhalt

Comicfestival Fumetto Neuer Comic: Luzerner Mordfall endet mit Hinrichtung

Der Luzerner Comic-Zeichner und Illustrator Melk Thalmann hat den realen Fall «Gatti» recherchiert. Daraus entstand ein Comic und eine Ausstellung.

Am 18. März 1892 wird Gatti mit der Luzerner Guillotine, die heute im Historischen Museum steht, hingerichtet. Er wird wegen Mordes einer jungen Lehrerin in der Stadt Luzern zum Tode verurteilt.

Melk Thalmann erzählt den Kriminalfall rund um Ferdinand Gatti aufgrund von Recherchematerial, welches er gesammelt hat. Die Geschichte ist aus der Perspektive des Wachtmeisters Jans erzählt. Diesen hat es tatsächlich gegeben – sein Name taucht in Gerichtsprotokollen auf. Im Comic von Melk Thalman redet sich Wachtmeister Jans – der in der Nacht vor
Gattis Hinrichtung keinen Schlaf finden kann – in einem fiktiven Gespräch mit seiner Frau die ganze Geschichte noch einmal von der Seele.

Der Fall «Gatti»

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Der 23-jährige Ferdinand Gatti aus Monza, Italien, wird am 14. Januar 1891 wegen eines Uhrendiebstahls am Schwanenplatz in Luzern verhaftet. Auf dem Weg zum Verhör im Untersuchungsgefängnis am Löwengraben entkommt er jedoch. Er geht nach Kriens, wo er am Nachmittag bettelnd gesichtet wird, und überfällt am Abend in der Nähe des Steghofs die 35-jährige Lehrerin Margaritha Degen, die auf dem Heimweg ist. Er schlägt sie nieder, erdrosselt sie mit einem Strick und durchsucht ihre Kleider nach Wertsachen. Ob er Margaritha Degen vergewaltigt, ist nicht sicher. Er zieht sich Mantel und Hut des Opfers über und flieht verkleidet vom Tatort. Am gleichen Abend wird er verhaftet.

Obwohl zahlreiche Indizien gegen ihn sprechen, leugnet Gatti zunächst jede Schuld und räumt nur den Uhrendiebstahl ein. Als er die Tat später doch noch gesteht, führt er als Grund seine finanzielle Notlage an: «Wenn man im Elend ist, stiehlt man immer. […] An jenem Abend hatte ich wirklich die Absicht, jedem das Leben zu nehmen, wenn ich nicht Mittel und Wege fände, Geld auf andere Weise zu erlangen.»

Die Todesstrafe wurde im Rahmen der eidgenössischen Verfassungsrevision von 1874 im zivilen Strafrecht zwar abgeschafft. Sie wurde nach einem Referendum in zahlreichen katholisch-konservativen Kantonen fünf Jahre später aber wieder eingeführt. Ferdinand Gatti ist nach mehrjährigem Unterbruch der erste zum Tode verurteilte, der nach Wiedereinführung der Todesstrafe in Luzern (1883) dann auch tatsächlich mit der Guillotine enthauptet wird (1892).

Ausstellung und Hörrundgang

Das Historische Museum in Luzern zeigt Melk Thalmanns umfangreiches Recherchematerial und Skizzen. Dazu hat Thalmann auch noch einen Hörrundgang konzipiert: Anhand von Gegenständen im Museum wird der Mordfall, ebenfalls aus der Sicht des Wachtmeistes Jans, erzählt.

Die Ausstellung «Gatti» zeigt das Historischen Museum in Zusammenarbeit mit dem Comic-Festival Fumetto und ist ab Samstag zu sehen. Das Comic-Buch dazu feiert am Mittwoch 10. April im Historischen Museum Vernissage.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.