Zum Inhalt springen

Header

Audio
«Diese Krise hat Unmögliches möglich gemacht»
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 24.04.2020.
abspielen. Laufzeit 05:39 Minuten.
Inhalt

Corona als Katalysator Von der Kaffeemaschine zum Beatmungsgerät in wenigen Wochen

Die Weggiser Firma Thermoplan produziert in normalen Zeiten Kaffeemaschinen – unter anderem für den amerikanischen Starbucks-Konzern. Doch dies sind keine normalen Zeiten. Nach einer Anfrage von Starbucks, ob es wohl möglich sei, auch Beatmungsgeräte zu entwickeln, setzte Geschäftsführer Adrian Steiner seine Mitarbeitenden darauf an. Es hat funktioniert, Thermoplan testet bereits Prototypen an Erste-Hilfe-Puppen.

Motoren, die sonst Kaffee aus einer Starbucks-Maschine pressen, können nun beschädigte Lungen beim Atmen unterstützen. Wie ist die Firma innert kürzester Zeit in branchenfremde Gewässer gesteuert? Im Interview erzählt Geschäftsleiter Adrian Steiner, wie das Unternehmen die «mittelverrückte Idee» umgesetzt hat und welche Perspektiven sie eröffnet.

Adrian Steiner

Adrian Steiner

Geschäftsführer Thermoplan

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Im Jahr 2009 hat Steiner die Leitung des Weggiser Kaffeemaschinen-Herstellers übernommen. Er ist Mitaktionär und sitzt auch im Verwaltungsrat der Firma.

SRF News: Wie weit sind Sie davon entfernt, die Beatmungsgeräte tatsächlich zu produzieren?

Adrian Steiner: Letzte Woche haben wir einen Prototypen in Betrieb genommen. Er funktioniert sehr stabil und erfüllt auch alle Anforderungen, die es braucht, um einen Patienten beatmen zu können. Das haben uns auch zwei Ärzte bestätigt. Jetzt ist das Gerät auf dem Weg in die USA und dann startet dort der Zertifizierungs-Prozess in einem beschleunigten Verfahren. Andere Firmen hatten die Zulassung innerhalb vier Wochen.

Wie viele dieser Beatmungsgeräte könnten Sie in Weggis herstellen?

Der grosse Vorteil ist, dass 80 Prozent des Geräts aus Kaffeemaschinen-Teilen bestehen. Wir kennen also die Komponenten und können die auch schnell beschaffen. Ende nächster Woche haben wir auch die Infrastruktur, um die Produktion hochzufahren. Wenn man sich nur die Produktionszeit und die Anzahl Mitarbeitende anschaut, könnten wir zwischen 600 und 800 Geräte pro Woche herstellen.

Adrian Steiner mit Prototyp
Legende: Thermoplan-Geschäftsführer Adrian Steiner mit dem Prototyp des Beatmungsgeräts. SRF

Woher hatten Sie das Wissen, wie man solche Beatmungsgeräte herstellt?

Das kommt vom MIT, einer amerikanischen Universität. Dieses Wissen wurde öffentlich zur Verfügung gestellt. In der Schweiz haben wir dann mit Roche, Medela und verschiedenen Ärzten zusammen gearbeitet.

Hätten Sie jemals geglaubt, dass Sie tatsächlich eines Tages Beatmungsgeräte herstellen?

Vor sechs Monaten wäre die Antwort ein klares Nein gewesen. Doch diese Krise hat eine Dynamik ausgelöst, die etwas praktisch Unmögliches möglich gemacht hat. Dass wir dies hingekriegt haben, macht mich unglaublich stolz.

Prototyp Beatmungsgerät
Legende: Der Motor, die Sensoren und verschiedene andere Teile sind dieselben, wie sie in den Kaffeemaschinen verwendet werden. SRF

Falls das Gerät zertifiziert wird: Könnten Sie sich vorstellen, auch nach der Krise noch Beatmungsgeräte herzustellen?

Das stand für uns nie im Vordergrund. Starbucks bat uns als wichtiger Kunde um Hilfe, und wir konnten ihm helfen. Dadurch, dass wir uns so intensiv mit dem Thema beschäftigten, bekamen wir aber auch Freude an der Technologie und der Medtech-Branche. Zum heutigen Zeitpunkt ist es nicht ausgeschlossen, dass Thermoplan in Zukunft ein neues Standbein in der Medizinaltechnik aufbaut. Natürlich sind wir uns bewusst, dass dieses Umsatteln in normalen Zeiten um einiges aufwendiger ist.

Des Gespräch führte Miriam Eisner.

Video
Steiner wird auch im Dok-Film zur Corona-Krise porträtiert
Aus DOK vom 23.04.2020.
abspielen

Regionaljournal Zentralschweiz, 24.04.2020, 17:30 Uhr;

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Wir informieren laufend über die aktuelle Entwicklung und liefern Analysen zum Coronavirus. Erhalten Sie alle wichtigen News direkt per Browser-Push. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

13 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Andreas Bern  (AndyBern)
    Schaut dass Ihr diese Geräte nicht braucht! Zuhause bleiben, Abstand halten, Masken tragen in der Öffentlichkeit, am besten mit Brille kombiniert. Masken bremsen ausgeatmete Luft, so vermindern die Reichweite der Viren, wenn Hände kontaminiert werden, verhindern Masken und die Brille reflexartige Griffe in die Nase und in die Augen. Wer nicht glaubt, soll zuhause Testen wie oft er zur unbewusst zur Nase oder zu Auge greift. Wenn innert eine Stunde nicht, hat Er /Sie keine Hände.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Jean Piere Grano  (J.-P. Grano)
    Es ist einfach verrückt! Jetzt wo nach so viel kreativem Einsatz dieses "Ding" serienreif ist gibt es einen Überschuss an Beatmungsgeräten und Trump bietet den Überschuss anderen Ländern, auch Deutschland, an .... Und zu all dem noch scheint es, dass laut Universitätsspital Göttingen Beatmungsgeräte sehr oft kontraproduktiv sind, da bei Lungen-Embolien durch Thrombosen (überwiegen beim Tod von Covid-19-Erkrankten) der Sauerstoff in der Lunge gar nicht wirken kann.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Bendicht Mühlethaler  (Rhenus)
      Schlüssig beurteilen können das dann die Leute von der Intensivstation anhand vom Therapieerfolg.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Nick Schaefer  (Nick Schaefer)
    Toller Bericht, tolle Firma!

    Ja, in den reichen Ländern könnte es in Kürze zu einer Schwemme von Beatmungsgeräten kommen.
    Aber dagegen wird ja vorgesorgt: Anstatt das Virus konsequent in sechs Wochen auszutrocknen, wie in Wuhan, öffnen wir ja jetzt vorzeitig alle Schleusen.

    Wir haben momentan 41'242 frei herumlaufende, infektiöse, Asymptomatische Virenträger, und ein R0 von nur knapp unter 1.
    Da wird die kommende Öffnung den Bedarf an Beatmungsgeräten explodieren lassen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Urs Dupont  (udupont)
      Und genau um dieses Horrorszenario zu verhindern ohne die Wirtschaft noch intensiver an die Wand zu fahren, brauchen wir vermutlich über Jahre hinaus, eine obligatorische Tracking App und weniger Hysterie beim Datenschutz. Dieser schützt ja fast immer primär die Täter; hier also Menschen, denen es völlig egal ist, wieviel andere Menschen sie infizieren, falls sie infiziert sind. Das gleiche gilt auch gegenüber absichtlich Kriminellen und vorsätzlichen Strassenrowdies (Raser und Lärmfreaks).
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Jean Piere Grano  (J.-P. Grano)
      Leider von aktuellen Erkenntnissen überholt, siehe via Suchmaschine "Luciano Gattinoni Göttingen Corona Beatmung". Beatmung scheint häufig eine wirkungslose Therapie zu sein .... Es wird also keine Explosion des Bedarfs sondern eher des Überschusses geben .... Siehe das aktuelle Angebot von Trump ...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen