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Derungs: «Dieses Geld gehört uns nicht – wir belasten damit unsere Kinder mit Schulden»
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 22.05.2020.
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Corona und die Wirtschaft «Noch mehr staatliche Hilfe führt zu Zombieunternehmen»

Es ist ein düsterer Blick, den der Internationale Währungsfonds in die Zukunft wirft. Laut dem IWF könnte die Corona-Krise die schlimmste Rezession seit der Grossen Depression der 1930er-Jahre auslösen. Das wird unweigerlich auch in der Zentralschweiz zu steigender Arbeitslosigkeit führen.

Es müsse sogar, meint Adrian Derungs, der Direktor Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz. Im Interview erzählt er, weshalb seiner Meinung nach nicht jeder Arbeitsplatz gerettet werden darf, wenn die Wirtschaft wieder gesunden soll.

Adrian Derungs

Adrian Derungs

Direktor Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz

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Seit Anfang 2020 ist Adrian Derungs Direktor der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz. Das Ziel der IHZ ist laut eigenen Angaben, Interessen von Unternehmern gegenüber kantonalen und eidgenössischen Behörden zu vertreten. Ausserdem bietet sie ihren Mitgliedern diverse Dienstleistungen an.

SRF News: Eine Umfrage von Ihnen, dem Seco und Economiesuisse zeigt, dass die Zentralschweizer Unternehmen mit durchschnittlich 26 Prozent Umsatzrückgang zu kämpfen haben. Welche Branchen leiden besonders?

Das sind die Branchen, von denen man schon weiss, dass es ihnen schlecht geht: der Tourismus, die Gastronomie und der Detailhandel. All jene, die wegen der Massnahmen ihr Geschäft nicht mehr wie gewohnt betreiben können. Die 26 Prozent sind ein Durchschnittswert. Es gibt Unternehmen, die praktisch keinen Umsatz gemacht haben. Restaurants beispielsweise, die keinen Rappen mehr einnahmen, wenn sie nicht kurzfristig auf Take-Away umsteigen konnten.

Die Krise wird auch langfristige Auswirkungen auf die Wirtschaft haben. Laut Ihrer Umfrage erwarten 57 Prozent der Firmen in den nächsten zwei Monaten Absatzschwierigkeiten. Wird es zu Entlassungen und Betriebsschliessungen kommen?

Wenn man seine Produkte nicht verkaufen kann, macht man weniger Umsatz und braucht dementsprechend auch weniger Personal, um seinen Betrieb am Laufen zu halten. Kurzfristig kann man das über die Kurzarbeit abfedern, doch zum Dauerzustand darf diese nicht werden. Es wird also zu Betriebsschliessungen und Entlassungen kommen, ja.

Mit weiteren Krediten belasten wir unsere Kinder und Kindeskinder mit Schulden.

Was halten Sie von der finanziellen Hilfe des Bundes und der Kantone, die den Firmen ja auch wieder auf die Beine helfen und Entlassungen verhindern kann?

In einer ersten Phase waren diese Hilfen wichtig und wurden von den Firmen sehr geschätzt. Langfristig gedacht sind wir jedoch sehr kritisch, wenn es darum geht, weiterhin Geld in die Wirtschaft zu pumpen. Dieses Geld gehört uns nicht. Wir belasten damit unsere Kinder und Kindeskinder mit Schulden, die sie in Form von Steuern wieder zurückzahlen müssen.

Sie kritisieren weitere staatliche Hilfe – eine kontroverse Meinung.

Bei unseren Mitgliedern nicht wirklich. Es ist noch niemand zu mir gekommen und meinte, wir sollten jetzt dafür sorgen, dass es noch mehr Geld vom Staat gibt. Im Gegenteil. Es heisst: «Lasst uns machen und lasst uns innovativ sein. Unsere Industrie ist es gewohnt, mit Krisen umzugehen.» Es nützt nichts, wenn wir uns Zombieunternehmen heranzüchten, die nur dank staatlicher Hilfe überleben können.

Können wir es uns wirklich leisten, jeden einzelnen Arbeitsplatz zu sichern?

Dieses Argument mag auf der rein wirtschaftlichen Ebene überzeugen. Doch an diesen Firmen hängen ja auch viele Arbeitsstellen und Familien, die auf das Einkommen angewiesen sind. Wie erklären Sie das denen?

Das ist tatsächlich ein Problem und das nehmen die Unternehmer auch nicht auf die leichte Schulter. Doch die Frage ist doch, können wir es uns wirklich leisten, jeden einzelnen Arbeitsplatz zu sichern? Dadurch häufen wir uns Schulden an, was unfair ist gegenüber unseren Kindern. Dann würgt es jegliche Innovation ab und für die kommenden Herausforderungen wie etwa die Klimakrise brauchen wir moderne und innovative Unternehmen. Wir müssen eine Strukturbereinigung in Kauf nehmen – auch wenn es weh tut.

Das Gespräch führte Lars Gotsch.

Regionaljournal Zentralschweiz, 25.05.2020, 17:30 Uhr ;

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Manuel Nagel  (mkrm)
    Das ist die Tragik, wirtschaftlicher Pragmatismus wird sehr schnell zynisch, da auch an kranken Unternehmen viele Einzelschicksale hängen. Aber so bitter es auch ist, im Endeffekt hat man keine andere Wahl, die Alternativen hätten gesamtheitlich noch schlimmere Konsequenzen.