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«Es ist wichtig, dass man in der Krise die Chance sieht und sie auch packt.»
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 13.08.2020.
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Entlassungen wegen Corona Franziska Bitzi: «Wir rechnen mit 14 Millionen weniger Steuern»

Wegen Corona fehlen die Touristen in der Stadt Luzern. Das hat negative Auswirkungen auf viele Unternehmen, die in Luzern vom Massentourismus profitieren. Franziska Bitzi, Finanzdirektorin der Stadt, spricht im Interview über fehlende Steuereinnahmen und darüber, welche Perspektiven der Luzerner Tourismus hat.

Franziska Bitzi

Franziska Bitzi

Finanzdirektorin Stadt Luzern

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Die 47-Jährige ist am 1. März 2017 in den Luzerner Stadtrat gewählt worden. Franziska Bitzi politisiert für die CVP und ist Vorsteherin des Finanzdepartements. Zuvor war Franziska Bitzi von 2004 bis 2016 Mitglied des Grossen Stadtrates Luzern.

SRF News: Der Uhren- und Schmuckverkäufer Bucherer baut in Luzern 170 Stellen ab, das wurde am Mittwoch bekannt. Das Schmuckgeschäft Gübelin hat bereits im Mai Stellen gestrichen. Franziska Bitzi, mit wie vielen weiteren Entlassungen rechnen Sie?

Franziska Bitzi: Wir kennen die Innensicht der einzelnen Unternehmen nicht, wir wissen nicht welche Reserven sie haben und mit welcher Geschäftsentwicklung sie rechnen. Im ersten Moment war die Kurzarbeitsentschädigung des Bundes sehr hilfreich. So müssen Firmen nicht sofort Stellen abbauen. Danach liegt es bei jedem einzelnen Unternehmen, ob es die weitere Entwicklung aushalten kann oder eben nicht.

Wie bereiten Sie sich in der Finanzdirektion vor, wenn Sie zwar wissen, da kommt etwas auf die Stadt zu, aber die Dimensionen nicht kennen?

Wir haben bereits im Frühling versucht, die Auswirkungen einzuschätzen. Wie haben verschiedene Szenarien, von optimistischen bis hin zu pessimistischen. Wir gehen von einem mittleren Szenario aus, das heisst von einem sehr starken Einschnitt, der sich aber wieder erholt. Wir rechnen bei den Steuern mit Mindereinnahmen von 14 Millionen Franken. Das ist aber eine grobe Schätzung.

Die Stadt Luzern hat den Schmuck- und Uhrengeschäften den roten Teppich ausgerollt, in der Altstadt beim Grendel und am Schwanenplatz hat man viele Uhrengeschäfte angesiedelt. Hat man zu einseitig Unternehmen in die Stadt gelockt?

Das war keine aktive Ansiedelung der Stadt Luzern. Das ist eine Frage von Angebot und Nachfrage. So funktioniert die Wirtschaft. In den letzten Jahren war die Nachfrage da. Das mag beim Grendel und Schwanenplatz einseitig wirken. Insgesamt hat die Stadt Luzern aber einen guten Branchenmix.

Bucherer rechnet damit, dass sich die Uhrenbranche in drei Jahren wieder vollständig erholt hat. Eine Studie von 2017 hat ergeben, dass die Wertschöpfung am Schwanenplatz über 220 Millionen Franken betragen hat. Kann man je wieder mit solchen Zahlen rechnen?

Der Zeithorizont von 2023 deckt sich auch mit den Schätzungen von Schweiz Tourismus. Es wird in der Wirtschaft zwangsläufig eine Strukturbereinigung geben. Aber gute Unternehmungen können sich auch anpassen. Identisch wird das Angebot sicher nicht mehr sein.

Könnte man Corona auch als Chance sehen für eine andere Art von Tourismus in der Stadt Luzern?

Ja, es bietet auch Chancen und es ist wichtig, dass man in dieser ganzen Krise auch Chancen sieht und packt. Corona wird Einfluss finden in unsere Vision Tourismus 2030, welche wir im Januar gestartet haben. Das Resultat wird sicher ein anderes sein, als wenn wir diesen Prozess vor einem Jahr angegangen wären.

Diese Vision 2030 will auch bei der Bevölkerung abholen, welchen Tourismus sie sich wünscht. Allerdings weiss man schon länger, dass die Bevölkerung unzufrieden ist. Noch einmal: Jetzt hätte man die Chance in eine andere Richtung zu gehen.

Einzelne Stimmen sind nie repräsentativ. Es gibt gewisse Leute, die rufen sehr laut aus. Die Bevölkerungsumfrage, die wir Anfang Jahr gemacht haben, ist ein wichtiger Startpunkt, um diese Frage zu objektivieren. Klar ist aber auch: Das Bedürfnis zum Reisen ist da, und da läuft vieles über das Marketing. Luzern Tourismus hat seit Jahren die Strategie eines qualitativ hochwertigen Tourismus. Man möchte eine längere Aufenthaltsdauer der einzelnen Touristen bewirken. Das möchte man fördern. Aber die Bedürfnisse der einzelnen Menschen kann man nicht immer steuern.

Das Gespräch führte Lea Schüpbach

Regionaljournal Zentralschweiz, 13.08.2020, 17:30 Uhr;

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Vielleicht waren diese chinesischen Touris doch nicht so schlimm wie viele meinten … immerhin liessen sie offenbar Millionen liegen, die nun von uns bezahlt werden müssen. So sieht das weniger eben aus, die anderen werden es nicht bezahlen ...