Kesb zu Gast in Küssnacht Informationstour soll Vertrauen der Schwyzer Bevölkerung stärken

An einem Informationsabend in Küssnacht versuchte die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde Ängsten zu begegnen.

Viele Menschen sind misstrauisch gegenüber der Arbeit der Kesb. Darum hat das Departement des Inneren des Kantons Schwyz beschlossen, zusammen mit den Kesb Ausser- und Innerschwyz insgesamt fünf öffentliche Informations-Veranstaltungen durchzuführen. Diese sollen das Wissen und das Vertrauen in die Kesb stärken.

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Noch vier Anlässe

Weitere Info-Veranstaltungen zur Kesb des Kantons Schwyz sind in Lachen, Einsiedeln, Freienbach sowie Schwyz geplant. Für Details klicken Sie hier.

Der erste dieser Anlässe fand am Montagabend in Küssnacht am Rigi statt. Dabei stellte sich auch die national tätige und staatlich unabhängige Anlaufstelle Kindes- und Erwachsenenschutz (Kescha) vor.

Den Kesb-Alltag konkreter machen

Der Grossteil der anderthalbstündigen Veranstaltung war den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kesb Innerschwyz gewidmet. Sie erzählten aus ihrem Arbeitsalltag, zeigten anhand konkreter Beispiele auf, wann sie zum Einsatz kommen. Und wann sie eben nicht zuständig sind, respektive wo die Grenzen ihrer Möglichkeiten.

Da meldet sich zum Beispiel ein Schulleiter und sagt, einer der Jugendlichen erscheine seit Wochen nicht mehr zum Unterricht. Die Kesb solle dem doch bitte nachgehen. Oder Eltern einer behinderten Tochter kontaktieren die Kesb, als ihr Kind 18-jährig und damit eigentlich mündig wird. Eigentlich. Was nun – was ändert sich?

Ein anderes Mal wird die Kesb im Spital beigezogen. Ein Kind hat einen Tumor. Die Ärzte möchten das Kind mit einer Chemotherapie behandeln, weil dies die einzige Heilungschance sei. Die Eltern sind aber überzeugt, mit einer alternativen Behandlung sei das auch möglich.

«  Die Kesb ist für mich heute Abend persönlicher und menschlicher geworden. »

Lob eines Besuchers

Solche und eine Reihe weiterer konkreter Beispiele kamen bei den rund 150 Personen, die den Informationsanlass in Küssnacht besuchten, gut an: Die Kesb sei dadurch «persönlicher» und «menschlicher» geworden. Andere hätten sich noch mehr Informationen über die Arbeit der Kesb gewünscht. Und wieder andere gewannen zwar einen positiven Eindruck an dem Abend, blieben aber kritisch. Sie hätten halt doch auch von anderen Fällen gehört, bei denen nicht alles rund gelaufen sei.

Anfängliche Schwierigkeiten überwunden

Zufrieden mit dem ersten der fünf Info-Anlässe zeigt sich auch die verantwortliche Regierungsrätin des Kantons Schwyz, Petra Steimen: «Es kamen viele Leute, die zahlreiche Fragen stellten. Die Stimmung war sehr konstruktiv.» Tatsächlich kam in der Fragerunde keine einzige kritische Bemerkung.

Vielmehr äusserten die Besucherinnen und Besucher Unsicherheiten. Etwa: Ich bin eine Witwe mit drei Kindern. Brauche ich bereits jetzt einen sogenannten Vorsorgeauftrag? Oder: Kann jemand über mich eine Gefährdungsmeldung an die Kesb machen ohne mein Wissen? Und: Geht die Kesb auch anonymen Meldungen nach?

Zwar zeigte sich das Misstrauen gegenüber der Kesb am Montagabend nicht sehr deutlich. Doch sei dieses im Alltag auch nach bald fünf Jahren seit der Einführung der Kesb noch immer ziemlich verbreitet, so Regierungsrätin Petra Steimen. Aus ihrer Sicht hat das zwei Gründe: Einerseits ist ein Eingreifen der Kesb immer eine sehr persönliche Angelegenheit. Andererseits habe die Kesb Nachholbedarf bei der Öffentlichkeitsarbeit. Letzteres sei nun zeitlich besser möglich als in der Anfangsphase der Kesb, Anfang 2013. «Damals wurde die Behörde überrollt von einer Flut von Verfahren.» Auch dank einer Aufstockung der Pensen habe sich die Situation unterdessen erholt.

Interview mit Guido Fluri, Gründer der Kescha

An den Image-Anlässen der Schwyzer Kesb stellt sich jeweils auch die unabhängige Anlaufstelle «Kescha» vor. Der Unternehmer Guido Fluri hat sie mit seiner Stiftung gegründet. Fünf Mitarbeiter nehmen seit Anfang 2017 täglich Anrufe von Personen entgegen, die im Konflikt mit der Kesb stehen. In den ersten zehn Monaten hat die Kescha nach eigenen Angaben über 1000 Fälle behandelt.
Radio SRF: Der Kanton Schwyz macht momentan eine Werbetour mit verschiedenen Anlässen, an denen die Kesb vorgestellt wird. Wie finden Sie das?
Guido Fluri: Das ist grossartig. Die Kesb hat endlich ein Gesicht. Man sieht Gesichter, die einstehen, die erzählen was eigentlich ihre Arbeit ist. Das gibt eine Breite, es gibt Vertrauen in diese Behörde. Eine offene Kommunikation ist ganz wichtig.
Wünschen Sie sich, dass das andere Kantone auch machen würden?
Wir sind auch bei anderen Kantonen unterwegs um dies anzuregen, dass man sich nach aussen präsentiert. Andernorts hatte man aber immer gleich den Eindruck, das könnte zu einem Datenschutzproblem führen. Aber das stimmt natürlich nicht. Die Behörden bestehen aus Mitarbeitern – sehr guten Mitarbeitern – diese sollen ihr Gesicht zeigen, damit sie greifbar werden. Sie müssen diesen Schutzauftrag wahr nehmen für Menschen, die in schwierigen Situationen leben. Wir als Gesellschaft sind dafür verantwortlich, dass wir dieser Behörde auch das nötige Vertrauen geben. Fehler passieren an allen Orten.
Es ist nun fast fünf Jahre her, dass die Kesb so organisiert ist wie heute. Dass sie also nicht mehr in den Gemeinden und Bezirken ist, sondern auf Kantonsebene. Trotzdem braucht es immer noch solche Informationsveranstaltungen, eine solche Sensibilisierung, was die Kesb eigentlich macht. Warum?
Es ist immer noch eine sehr junge Behörde. Vielfach geht es um Emotionen, um Eingriffe in die persönliche Freiheit – das ist immer ein sehr schwieriger Prozess. Vor allem bei dementen Menschen oder eben auch bei Gewalt in Familien. Beispielsweise bei Scheidungen oder Trennungen die ausarten, weil man persönliche Konflikte über die Kinder austrägt. Wenn also das Kindswohl gefährdet ist. Das sind jene Fälle, in denen eine Schutzbehörde wichtig ist und das braucht Vertrauen von der Gesellschaft in diese Behörde. Sonst kann sie nicht funktionieren.
Mit der Kescha machen Sie eigentlich Ähnliches, wie jetzt der Kanton Schwyz tut. Informieren, beraten und vermitteln. Sie sehen sich nicht als Konkurrenz zur Kesb?
Nein gar nicht, das ist nicht die Aufgabe. Wir haben immer gesagt, wenn es uns gelingt etwas dazu beizutragen, um Eskalationen zu verhindern, dann hat sich diese Anlaufstelle gelohnt. Es gibt beispielsweise Situationen, wo man sieht, da ist eine Mutter, der man das Kind weggenommen hat, so verzweifelt, dass sie nicht mehr ein noch aus weiss. Da ist es die Aufgabe der Pädagogen unserer Anlaufstelle zu helfen, zu unterstützen und zu begleiten. Aber es braucht leider nochr mehr Ressourcen. Da kann ich nur die Politik auffordern. Die Beistände müssen mehr Zeit haben. Es gibt Beistände, die betreuen 80 bis 100 Fälle. So kann er seine Funktion als Beistand gar nicht ausfüllen – das geht einfach nicht. Oftmals sind das hochkomplexe Fälle und da braucht man die Zeit. Ich stelle aber oft auch fest, dass Beistände auch durch administrative Arbeiten belastet sind und nicht die nötige Zeit haben für die einzelnen betroffenen Menschen.