Beratung bei Kesb-Konflikten Viel Lob für die Anlaufstelle Kescha

Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Kesb steht seit ihrer Gründung in der Kritik. Um die Situation zu entspannen, wurde Anfang Jahr eine Beratungsstelle für Betroffene geschaffen – und damit offensichtlich ein Nerv getroffen.

Fast 1000 Personen haben sich seit Anfang Jahr bei der Kescha, der Anlaufstelle Kindes- und Erwachsenenschutz, gemeldet. Er hätte nicht gedacht, dass der Andrang so gross sein würde, sagt Initiator Guido Fluri. Es sei gelungen, eine Lücke zu schliessen, denn viele Betroffene hätten ein Bedürfnis nach Beratung.

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Die Kescha

Der Unternehmer Guido Fluri wurde als Kind fremdplatziert. Mit seiner Stiftung hat er deshalb die Kescha gegründet. Fünf Mitarbeiter nehmen täglich Anrufe von Personen entgegen, die im Konflikt mit der Kesb stehen. Weil die Nachfrage nach Beratungen der Kescha derart gross ist, wird die Anlaufstelle bald aufgestockt und in Bern ein Büro eröffnet.

Das Wichtigste sei oft, Zeit zu haben und zuzuhören. «Wir haben teilweise stundenlange Gespräche mit diesen Menschen, weil sie ein Bedürfnis haben, ihr Leid, ihre Sorgen mitzuteilen», so Fluri. «Und diese Zeit fehlt vielfach seitens der Behörde. Da ist eben die Kescha da, um die Situation zu verstehen, sie ernst zu nehmen. Diese Begleitung ist dann ganz wichtig, dass sie einen Halt haben in diesem Prozess.»

Fluri betont, dass die Kescha-Berater nicht in die Fälle eingreifen. Und auch nicht direkt Kontakt aufnehmen mit der Kesb. Die Kescha übernehme eine neutrale Vermittlerrolle, so Fluri. «Wir zeigen auf, welche Möglichkeiten man hat. Wir greifen aber nicht in in rechtliche Verfahren ein. Das Hauptziel für uns ist immer, Eskalationen zu verhindern und den Dialog mit der Behörde zu fördern.»

Von Kantonsbehörden geschätzt

Klassische Vermittlungsarbeit – diese wird nicht nur von den Betroffenen sehr geschätzt. Selbst die interkantonale Fach- und Direktorenkonferenz (Kokes), bei der alle Kesb-Einheiten angeschlossen sind, findet diese Beratungsstelle sinnvoll. Die Kokes sei über das Angebot sehr froh, so Generalsekretärin Diana Wider.

Die Anlaufstelle helfe mit, Vertrauen zu schaffen zwischen betroffenen Personen und der Kesb, so Wider. «Mit einer unabhängigen Beratung kann die Kescha hier wesentliche Beiträge leisten, eine gute Übersetzunghilfe machen und somit vertrauensbildend wirken.» In diesen Fällen sei die Kescha eine wichtige Entlastung.

«Schritt in die richtige Richtung»

Gute Rückmeldungen erhält die Beratungsstelle Kescha auch von den Kesb-Kritikern, etwa von der St.Galler Nationalrätin Barbara Keller-Inhelder. Sie sei überzeugt, dass das Beratungsangebot in Streitfällen etwas bringe. Nur schon, dass ihnen jeman zuhöre und ernsthaft darauf eingehe, sei für die Betroffenen enorm wichtig.

Allerdings genüge dieses Angebot allein nicht. Die Kesb müsse grundsätzlich verändert werden, sie habe zu viel Macht. Die Beratungsstelle Kescha sei lediglich ein Schritt in die richtige Richtung. «Es ist ein wichtiger Bestandteil der ganzen Bearbeitung der Kesb-Problematik.»

Für die Beratungsstelle Kescha ist es auf jeden Fall ein gutes Zeichen, wenn sogar die Kesb-Kritiker sie loben. Die Kritik an der Kesb wird hingegen nicht verstummen, das weiss auch Guido Fluri. Er wehre sich gegen Pauschalvorwürfe. «Aber ich bin sehr kritisch, das muss ich sagen, insbesondere im Vollzug. Es braucht heute einfach eine bessere Betreuung.»