Liste «ambulant vor stationär» Mehr ambulante Eingriffe an Luzerner Spitälern

Der Kanton Luzern will durch mehr ambulante Eingriffe Kosten senken. Die Liste tritt am 1. Juli 2017 in Kraft.

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Kanton Luzern spart im Gesundheitswesen

4:03 min, aus Schweiz aktuell vom 14.6.2017
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Betroffene Eingriffe

  • Herzkatheteruntersuchung
  • Operation grauer Star
  • Karpaltunneloperation (Sehnenscheidenentzündung Hand)
  • Herzschrittmacher
  • Krampfaderoperation
  • Eingriffe an Blutgefässen
  • Hämorrhoiden
  • Leistenbruchoperation
  • Eingriffe am Gebärmutterhals
  • Kniespiegelung
  • Eingriffe am Kniemeniskus
  • Nierensteinzertrümmerung
  • ev. Mandeloperation

Der Kanton Luzern will unnötige stationäre Spitalbehandlungen vermeiden. Deshalb sollen geplante Behandlungen und Untersuchungen, welche auf einer Liste publiziert werden, zukünftig ambulant durchgeführt werden. Diese Liste werde jährlich überarbeitet und angepasst, teilt die Luzerner Gesundheitsdirektion mit.

«Finanzielle Fehlanreize korrigieren»

Stationäre Spitalaufenthalte seien im Schnitt bis dreimal teurer als ambulante Eingriffe. Mit dieser neuen Massnahme würden «Fehlanreize korrigiert», sagt der zuständige Regierungsrat Guido Graf.

Liegt für eine stationäre Behandlung keine medizinische Begründung vor, beteiligt sich der Kanton Luzern nicht an den Kosten. Dies gilt auch bei Spitaleintritten, die bereits am Vortag einer Behandlung erfolgen.

Luzerner Premiere

Luzern ist der erste Kanton, der eine solche Liste einführt. Der Kanton Luzern hofft, damit jährlich drei Millionen Franken zu sparen.

Das neue System sei auch «rechtlich abgeklärt» worden, sagt Christos Pouskoulas. Er ist Leiter der Gesundheitsversorgung beim Kanton Luzern. Stationäre Eingriffe belasten im Gegensatz zu ambulanten auch den Staatshaushalt. Der Kanton muss 55 Prozent der Kosten übernehmen.

Mandel-Operation nicht mehr auf der Liste

Um das neue System zu kontrollieren, steigt beim Kanton der Personalaufwand um rund 200'000 Franken. Verstummt ist mittlerweile die Kritik der Ärztegesellschaft Luzern. Sie störte sich daran, dass die schmerzhafte Mandel-Operation auf der Liste figurierte. Die Regierung gab in diesem Punkt nach. Dieser Eingriff wird vorläufig stationär durchgeführt.