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Steigende Gesundheitskosten Kantone forcieren ambulante Behandlungen

Legende: Audio Nur im Notfall ins Spital abspielen. Laufzeit 01:56 Minuten.
01:56 min, aus HeuteMorgen vom 14.06.2017.
  • Ambulante Behandlungen im Spital sind im Trend; sie nehmen im Verhältnis zu Behandlungen mit Übernachtung im Spital zu.
  • Die Spitäler – und die Kantone – können so Ausgaben sparen, denn die Spitäler werden zu 55 Prozent von den Kantonen finanziert.
  • Dagegen müssen die Krankenkassen die ambulanten Behandlungen 100 Prozent übernehmen – was mittelfristig zu höheren Prämien führt.
  • Heute nun veröffentlicht der Kanton Luzern eine neue Liste mit Behandlungen, die zwingend ambulant zu erfolgen haben – eine umstrittene Massnahme.
Legende:
Entwicklung ambulanter Spitalkosten pro Person in Franken Quelle: Santésuisse Quelle: Santésuisse

Schnittwunde oder Kopfweh? Damit kann man heute rasch ins nächste Spital, man muss nicht mehr auf den Termin beim Hausarzt warten. Solche ambulanten Behandlungen werden immer beliebter: In der Tat sind die Kosten für Spitalbehandlungen ohne Übernachtung in den ersten Monaten des Jahres im Vergleich zum letzten Jahr um zehn Prozent gestiegen.

Das sei bemerkenswert, findet Verena Nold, Direktorin des Krankenkassenverbands Santésuisse. Zwar verzeichne man schon seit einigen Jahren einen steten Anstieg der ambulanten Kosten. «Doch gleich zehn Prozent Zunahme innert eines Jahres ist doch sehr sonderbar», sagt sie.

Gesamtkosten keineswegs gesunken

Gleichzeitig seien die Kosten für Spitalübernachtungen und Arztbesuche aber keineswegs gesunken, von einer Verlagerung von stationären zu ambulanten Behandlungen könne also nicht die Rede sein. Nold stört sich besonders daran, dass viele Leute offenbar unnötigerweise – wegen Bagatellfällen – ins Spital gehen. «Man sollte in Notfällen ins Spital gehen», betont sie. Schliesslich komme der Besuch beim Hausarzt nur halb so teuer.

Für Bernhard Wegmüller ist es nicht erstaunlich, dass immer mehr Menschen direkt ins Spital gehen. Der Direktor des Spitalverbands H+ stellt fest, dass in den Spitälern immer mehr machbar sei – auch ohne Übernachtung. Zudem könne man keine Personen abweisen, die ins Spital kämen: «Wenn sie eine Behandlung brauchen oder beanspruchen, wird die auch geleistet.»

Legende:
Entwicklung ambulanter Spitalkosten pro Konsultation (Index 2011 = 100) Quelle: Santésuisse Quelle: Santésuisse (Index 2011 = 100)

Kantone drücken auf ambulante Behandlungen

In einem Punkt sind sich die Krankenkassen-Frau und der Spital-Mann allerdings einig: Listen, die den Spitälern vorschreiben, was sie ohne Übernachtung anbieten müssen, seien der falsche Weg. Denn dabei gehe es ums Geld statt um die Medizin: «Sie werden aus reinen Spargründen von den Kantonen geschaffen», so Wegmüller.

Tatsächlich haben die Kantone ein Interesse daran, dass möglichst viele Behandlungen ambulante erfolgen, also ohne Übernachtung im Spital. Denn in diesen Fällen bezahlen die Kantone nichts an die Behandlung, die Kosten bleiben zu 100 Prozent bei den Krankenkassen – und damit den Prämienzahlern – hängen.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Hermann Dettwiler (Alapeller)
    Liebe Frau Casagrande, Ihre Analyse finde ich sehr zutreffend - nur verändern können wohl nur wir Millionen von Leistungsempfängern durch ein bewusstes Handeln. Der blinde Glaube in das, was uns der Gott in Weiss unterjubelt als "notwendige" Leistung, überdeckt unsere nackte Angst vor dem Tod und diese Angst macht uns erpressbar für alle möglichen Zugeständnisse. Also mehr Mut und Furchtlosigkeit wäre ein Anfang.
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  • Kommentar von Verena Casagrande (Verena Casagrande)
    Früher hiess es immer wenn man statt 10 Tagen nach der OP das Spital schon nach 4 oder 5 Tagen verlassen wollte: Auf eigen Verantwortung bis heute habe ich dieses überlebt.
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Die vielen habgierigen ProfiteureInnen (Abhängigkeits-Verhältnis zur Pharmalobby) im gesamten "Gesundheits-Wesen" der Schweiz, müssen "gestoppt" werden (BAG, Forschung/Wissenschaft, Ärzteschaft, Spital-Klinik-Heim-Managements, Versicherer, PolitikerInnen mit lukrativen VR-Mandaten,...), ausgewechselt durch geeignete, charakterstarke Leute mit entsprechendem Leumund!! "FÜR" ein faires, bezahlbares und menschenfreundliches Gesundheits-Wesen Schweiz!! STOP der Vetternwirtschaft und Ausbeutung!
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