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«Unglücklich gelaufen»: Polizeisprecher Urs Wigger zum umstrittenen Bild aus der Rekrutierungskampagne
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 08.06.2020.
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Nach Unruhen in den USA Werbekampagne der Luzerner Polizei wirft hohe Wellen

Die Polizei entfernt ein Bild aus ihrer Werbekampagne. Es erinnert fatal an die Polizeigewalt von Minneapolis.

Im Hintergrund eine Häuserzeile der Luzerner Altstadt, davor ein Mann, der am Boden liegt – und ein Polizist, den ihn festhält, unterstützt von einer Polizistin, die ihr Knie auf die Schulter des Mannes drückt und die Handschellen zückt. Mit diesem Bild macht die Luzerner Polizei Werbung für die Polizeiausbildung. Es stammt aus dem Video der aktuellen Rekrutierungskampagne und erschien als Inserat am Samstag in der Luzerner Zeitung.

Auf Social Media hagelte es Kritik

Das Bild weckt ungute Erinnerungen an den Tod des Afroamerikaners George Floyd in Minneapolis vor zwei Wochen: Der 46-Jährige verstarb, nachdem ein weisser Polizist rund acht Minuten lang sein Knie auf seinen Hals gedrückt hatte. Floyds Tod entfachte in den USA landesweite Proteste gegen Polizeigewalt und Rassendiskriminierung. Auch in anderen Ländern – unter anderem in der Schweiz - gehen seither Tausende auf die Strasse.

Inserat der Luzerner Polizei: Zwei Polizisten halten einen Mann fest, eine Polizistin drückt ihn mit dem Knie auf den Boden.
Legende: Mit diesem Inserat warb die Polizei in der Luzerner Zeitung von vergangenem Samstag um Nachwuchs. SRF

Über das Wochenende ergoss sich auf den sozialen Medien und dem Nachrichtenportal nau.ch Kritik und Spott über die Luzerner Polizei wegen ihrer Bildauswahl. Am Montag hat sie nun reagiert: Auf Twitter und per Medienmitteilung distanzierte sie sich von Gewalt und Rassismus und drückte ihre Anteilnahme am gewaltsamen Tod von George Floyd aus.

Polizei entfernt Bild und bedauert «verletzte Gefühle»

Das besagte Bild hat sie aus ihren Online-Kanälen entfernt. «Im Zusammenhang mit dem tragischen Todesfall eines schwarzen US-Amerikaners bei einer Polizeikontrolle hat unsere Kampagne offenbar bei vielen Personen Gefühle verletzt», schreibt die Luzerner Polizei dazu. Und: «Falls wir mit unserer Rekrutierungskampagne Gefühle von Menschen verletzt haben, bedauern wir dies.»

Gemäss Polizeisprecher Urs Wigger wurde die Rekrutierungskampagne bereits im Dezember lanciert. Sie sei dann Anfang Jahr ausgesetzt und Mitte Mai für eine zweite Werbewelle wieder aktiviert worden – nur wenige Tage vor den Ereignissen in Minneapolis.

«Wir konnten das nicht voraussehen»

Das Ganze sei «unglücklich» gelaufen, sagt Wigger. «Im Nachhinein kann man sagen: Als der Fall aus den USA bekannt wurde, hätten wir sensibler sein und das Bild aus der Kampagne entfernen müssen», sagt er. «Andererseits konnten wir nicht voraussehen, dass dieser Fall auch bei uns derart hohe Wellen schlagen würde.»

Ziel der Kampagne sei es gewesen, Szenen aus dem Polizeialltag zu zeigen – und da gehörten Festnahmen nun einmal dazu. «Jedes Jahr führen wir um die 2500 Festnahmen durch, und wenn sich die Betroffenen wehren, kommt es auch zu Fixierungen», sagt Wigger.

Luzerner nehmen anders fest als ihre US-Kollegen

Anders als in den USA werde das Knie aber nie auf den Hals eines Festgenommenen gedrückt, sondern auf das Schulterblatt. Im Rahmen ihrer zweijährigen Ausbildung und den regelmässig stattfindenden Weiterbildungen werde den Polizistinnen und Polizisten eine korrekte Festnahmetechnik beigebracht.

Regionaljournal Zentralschweiz, 8. Juni 2020, 17:30 Uhr;

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29 Kommentare

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  • Kommentar von Manuel Peisker  (SteelCity)
    Für mich nicht nachvollziehbar, warum die CH-Polizei in den Dunstkreis des US-Cop-Skandals gerät. Wie bei fast allen Berufsgruppen sind auch die Polizistinnen und Polizisten der Schweiz „qualitativ“ Ihren US-Kollegen voraus. Sind wir ehrlich: Die Schweiz macht eigentlich alles besser als die USA, ich glaube das würde sogar ein Ausserirdischer erkennen, der soeben auf der Erde angekommen ist.
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    1. Antwort von Samuel Nogler  (semi-arid)
      Ein bisschen Demut würde gewissen Schweizern sicher gut tun.
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    2. Antwort von mahmut alane  (holundder)
      Nicht alles. In der unterhaltungsbranche sind die Amis ungeschlagen.
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  • Kommentar von Melchior Walcher  (melchiorwalcher)
    Absolut daneben, jemanden so auf den Boden zu drücken! Dass sie 'nur' auf die Schulter drückt, darauf würde ich mich auch in der Schweiz nicht verlassen. Das es nur 'renitente' sind, auch nicht.
    Man sollte auch beachten, dass der zu verhaftende, erst mal nur verdächtig ist. Also noch nicht schuldig. Leider kommt es oft vor, dass die Polizei diesbezüglich schon selber urteilt, und verdächtige breits als schldige behandelt. Wenn sich jemand absolut korrekt verhalten sollte, dann die Polizei!
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    1. Antwort von Lukas Imboden  (luk91)
      Sie scheinen hier zu vergessen dass sich nicht alle Personen freiwillig festnehmen lassen. Wenn sich jemand einer Amtshandlung wiedersetzt dann muss die Polizei die Möglichkeit haben verhältnismässige Gewalt anzuwenden um die Interessen des Staates und der Bevölkerung zu schützen und zu verteidigen.
      Ob jemand schuldig ist beurteilt danach ein Gericht und gegen übertriebene Gewalt der Pol. kann in unserem Land auch gerichtlich vorgegangen werden.
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    2. Antwort von Stefan Huwiler  (huwist)
      Wenn sich jemand auch nur ansatzweise korrekt verhält kommt er gar nie in die Situation, dass er auf dem Bauch auf dem Boden liegt. Sondern er lässt sich die Handschellen im Stehen anziehen. Sofern Handschellen überhaupt ein Thema werden.
      Ich bin noch nie auch nur ansatzweise in die Situation geraten, dass ich für Abklärungen auf eine Wache mitgenommen worden wäre.
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    3. Antwort von Melchior Walcher  (melchiorwalcher)
      "Wird man in der Schweiz Opfer von übermässiger Gewaltanwendung oder rassistischem Profiling durch Polizisten/-innen, so stehen die Chancen für die Betroffenen schlecht. Es fehlt an unabhängigen Beschwerdestellen und oft auch an der nötigen Unabhängigkeit der Untersuchungsinstanzen" (humanrights.ch)
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  • Kommentar von Sascha Freitag  (SF)
    2 Jahre Ausbildung in der Schweiz! Amerika 19 Wochen! Das sind Welten, nicht vergleichbar, auch wenn es das Bild suggeriert.
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    1. Antwort von Martin Sommer  (Apollon)
      Wenn wir ehrlich sind, sind aber auch 2 Jahre eigentlich zu wenig.
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    2. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Martin Sommer: Der Rest der Ausbildung ist dann eben, wie überall, die Erfahrung im Job. Bei den Polizisten wird das nicht anders sein. Sonst müsste die Ausbildung ja 30 Jahre dauern.
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