Zum Inhalt springen
Inhalt

Neue Kiesgrube in Cham Zuger Regierung hält an umstrittenem Projekt fest

Mitten in einer Naturlandschaft soll im Gebiet Hatwil/Hubletzen in Cham eine neue Kiesgrube entstehen. Der Widerstand ist gross. Dennoch hält die Zuger Regierung an ihren Plänen fest und will den Richtplan anpassen. Die Grube soll sogar noch grösser als ursprünglich vorgesehen werden.

Legende: Video Umstrittener Kiesabbau abspielen. Laufzeit 03:36 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 29.10.2018.

Dem Kanton Zug wird in wenigen Jahren der Kies ausgehen – ein wichtiger Baustoff, gerade im boomenden Kanton Zug, denn Kies wird für Beton-Herstellung gebraucht. Der Regierungsrat will deshalb eine neue Kiesgrube in Betrieb nehmen im Gebiet Hatwil/Hubletzen in Cham. Dieses liegt zwischen dem Weiler Niederwil und dem Kloster Frauenthal und soll als Kiesabbaustandort im kantonalen Richtplan festgesetzt werden.

Grube soll noch grösser werden

Schon 2009 wurde im kantonalen Richtplan festgehalten, dass im Gebiet einmal Kies abgebaut werden soll. Seither sind viele Abklärungen gemacht worden, zum Beispiel wurden die Eigenschaften der Gesteinsschichten genau untersucht und welchen Einfluss das Wasser im Gebiet hat.

Dabei sei man zum Schluss gekommen, dass das Gebiet noch weiter nach Osten ausgedehnt werden soll. So könnten die ergiebigen Schotterschichten optimal für die Kiesgewinnung ausgenutzt werden, heisst es in einer Mitteilung der Zuger Baudirektion. Sie rechnet damit, dass neun bis zehn Millionen Kubikmeter Kies abgebaut werden können.

Legende: Der Regierungsrat befürwortet den Kiesabbaustandort Hatwil/Hubletzen in Cham und unterstützt die von der Baudirektion vorgeschlagene Erweiterung. Baudirektion ZG

Gegner wollen Umwelt schützen

Für rote Köpfe sorgt vor allem, dass die Kiesgrube mitten in einer Naturlandschaft entstehen soll. Für die Grube müsste zum Beispiel das Hatwilerholz, ein Wald mit einer Grösse von sieben Hektaren, vorübergehend gerodet werden. Der Chamer Gemeinderat, die Gemeindeversammlung und auch die Chamer Kantonsräte haben sich gegen die Kiesgrube ausgesprochen. «Das geplante Abbaugebiet liegt in einer Gegend, die der Bevölkerung Erholungsgebiet dient und die ökogisch äusserst wervoll ist - darum ist sie ja auch im Bundesinventar für Landschaften und Naturdenkmäler aufgeführt», sagt Rolf Ineichen, Gemeinderat in Cham. «Wir sind der Ansicht, dass man Alternativen zu wenig geprüft hat.»

Wir sind der Ansicht, dass man Alternativen zu wenig geprüft hat.
Autor: Rolf IneichenGemeinderat Cham

Die Zuger Regierung widerspricht. Man habe alle möglichen Standorte innerhalb des Kantons geprüft - das Areal Hatwil sei ideal, vor allem auch, weil man dort auf die Infrastruktur eines bereits bestehenden Kieswerks zurückgreifen könne. Sie verweist auch auf ein Gutachten der Eidgenössischen Heimatschutzkomission. Diese schreibt, der geplante Kiesabbau bedeute «höchstens eine leichte Beeinträchtigung» des Schutzgebiets.

Dennoch versucht die Zuger Regierung, auch kritsche Stimmen zu berücksichtigen. Wie sie in der Mitteilung schreibt, will sie zum Beispiel Massnahmen ergreifen, damit die Bauwirtschaft mehr Recyclingmaterial einsetzt. Ausserdem soll die Abbaumenge limitiert werden, damit es nicht möglich ist, exzessiv Kies in andere Kantone zu liefern.

Bevölkerung kann sich äussern

Die Zuger Baudirektion wird als nächsten Schritt einen Bericht mit den Erkenntnissen zur Kiesgrube in Cham zusammenstellen. Dieser wird danach für die Bevölkerung öffentlich aufgelegt, wahrscheinlich im kommenden Frühling. Abschliessend wird die Anpassung des Richtplans dem Kantonsrat zum Entscheid vorgelegt.

Geht es nach der Zuger Regierung, soll die neue Kiesgrube in Cham ab 2025 betrieben werden und die Kiesversorgung des Kantons mindestens 20 Jahre lang sicherstellen.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

1 Kommentar

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Bruno Hochuli (Bruno Hochuli)
    Ist der Zuger Regierungsrat von allen guten Geistern verlassen? Muss den jeder Meter Land dem Bau Wahn geopfert werden? Denken diese Herren überhaupt nicht an die nachfolgende Generation? Des Geldes wegen verkaufen sie ihre Seelen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen