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Maurice Illi: «An anderen Orten ist man neidisch aufs Luzerner Modell»
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 10.07.2020.
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Rücktritt nach 12 Jahren Ist es gefährlicher geworden in Luzern, Herr Sicherheitsmanager?

Am 31. August 2020 tritt Maurice Illi als Sicherheitsmanager der Stadt Luzern zurück. Vor zwölf Jahren hat er diese Stelle aufgebaut. Ziel war, beim Thema Sicherheit nicht nur an die Polizei zu denken, was damals eine Pionierleistung war. Illi machte sich mit kreativen Methoden für mehr Sicherheit einen Namen. Seine Luzerner Sicherheitsberichte fanden international Anerkennung. Nun gibt er den Job ab. Im Interview mit SRF zieht er Bilanz.

Maurice Illi

Maurice Illi

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2008 hat Maurice Illi die Stelle für Sicherheitsmanagement der Stadt Luzern aufgebaut und diese zwölf Jahre lang besetzt. 2020 tritt er als Sicherheitsmanager zurück und will sich beruflich neu orientieren.

SRF News: Aktuell häufen sich die Meldungen zu Messerstechereien in Luzern. Ist es gefährlicher geworden in der Stadt?

Wenn man sich nur die letzten Wochen anschaut, würde ich diesen Eindruck bestätigen. Ob das statistisch stimmt, das weiss ich nicht so genau. Auch uns bereiten diese Vorfälle Sorgen. Es ist jedoch auch wichtig, die genauen Hintergründe zu kennen. War es ein Beziehungsdelikt zwischen zwei Kollegen, bei dem vielleicht Schulden im Spiel waren? Oder handelt es sich um Fälle, wo die Gewalt spontan aufgetreten ist? Dies wäre etwas anderes. Wir sind an den Abklärungen.

Verschiedene Messer und Pistolen
Legende: Von der Luzerner Polizei beschlagnahmte gefährliche Gegenstände: In letzter Zeit kam es zu gehäuften Fällen von Messerstecherei in der Stadt. Keystone

Könnten die Vorfälle auch etwas mit der Corona-Pandemie zu tun haben? Sind die Menschen unruhiger geworden?

Das beobachten wir tatsächlich. Seit den Lockerungen, seit wir wieder mehr Bewegungsfreiheit haben, kommt es im öffentlichen Raum zu einer Art Dampfablassen. An den bekannten Brennpunkten Ufschötti, Europaplatz – wo man sich so trifft an einem warmen Wochenende – dort sammeln sich die Menschen und wo es Menschen hat, kann es zu Konflikten und Gewalt kommen.

Was ist in einem solchen Fall Ihre Aufgabe als Sicherheitsmanager?

Ich aktiviere mein Netzwerk, nehme Kontakt auf zur Polizei, der SIP (die Einsatztruppe Sicherheit, Intervention, Prävention) oder auch zu privaten Sicherheitskräften. Wir treffen uns jetzt sehr kurzfristig zu einer Lagebesprechung und schauen, wie sie diesen Sommer noch präsenter sein können an diesen Orten.

Sie haben auch bewiesen, dass es kreativer geht. Beim Inseli zum Beispiel. Das war früher ein dunkler Ort und ist mittlerweile zu einem beliebten Treffpunkt geworden.

Genau, das war früher ein Ort, wo man nicht gerne hinging. Wir haben uns dann für seine Belebung eingesetzt. Zusammen mit einem privaten Anbieter riefen wir die Buvette ins Leben und so wurde das Inseli von der «No-go-Area» zum «Place-to-Be». Vor zwölf Jahren mussten wir noch erklären, dass auch das eine Sicherheitsmassnahme ist.

Maurice Illi
Legende: Maurice Illi vor der Buvette beim Inseli, die er als kreative Sicherheitsmassnahme initiiert hat. SRF

Sie mussten sich auch mit der Fussballfanszene beschäftigen. Wenn es bei FCL- Spielen zu Ausschreitungen kommt, dann ist das jeweils ein grosses Thema in den Medien und bei der Bevölkerung. Wie schätzen Sie als Sicherheitsmanager die Gewalt im Fussballstadion ein?

Im Stadion ist die Gewalt – abgesehen von wenigen Negativbeispielen – praktisch verschwunden. Und auch ausserhalb des Stadions machen das die Stadt Luzern und alle anderen Beteiligten gut. An anderen Orten ist man neidisch auf das Luzerner Modell. Genial ist hier, dass die Regierungsräte und auch der Polizeikommandant regelmässig mit Fans und Fanarbeitern zusammensitzen und die Probleme diskutieren. So lässt sich auch agieren und nicht nur reagieren.

Nun treten Sie nach 12 Jahren als Sicherheitsmanager zurück. Worauf sind Sie besonders stolz?

Zum einen ist das die Buvette beim Inseli, über die wir bereits gesprochen haben. Dann haben wir im Jahr 2015 das Sicherheitsdispositiv der Fasnacht überarbeitet, weil wir gemerkt haben, dass es wegen der grossen Menschenmengen zur Massenpanik kommen könnte. Also haben wir ein Crowd-Management aufgezogen und nun hat es pro Quadratmeter viel weniger Menschen als noch vor fünf Jahren. Es bleibt eng, doch die potenzielle Gefahr hat abgenommen.

Das Gespräch führte Tuuli Stalder.

Regionaljournal Zentralschweiz, 13. Juli 2020, 17:30 Uhr;

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Bossert  (EEE)
    Mit der gesellschaftlichen Schere, welche sich durch die Corona-Massnahmen zusätzlich öffnen, wird es sicher nicht ungefährlicher.
    Bei steigenden Arbeitslosenzahlen, Gesichtsverhüllung in ÖV und an öffentlichen Plätzen, Leute, die sich anschreien müssen, damit man einander durch den Maulkorb noch versteht, ... Würde sagen, eher problematisch und potentielles Frust und Gewaltrisiko.
    Aber auf jeden Fall ganz tolle Zeiten für Schläger und Gauner, wenn man sich offiziell überall vermummen darf.
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  • Kommentar von Joseph De Mol  (Molensepp)
    Die direkten Folgen der laisser-faire Politik der letzten Jahren schlagen in Luzern jetzt langsam aber sicher beinhart durch: Innerhalb 1.5 Monate acht/neun Vorfälle mit Messern in der Stadt Luzern und Agglo. In 95% der Vorfälle waren Ausländer involviert. Von offizieller Seite her ringt man nach Erklärungen. Ach, Corona ist schuld. Die Hitze ist schuld. Andere Erklärungsansätze werden schon gar nicht geprüft; denn es ist absehbar, was dabei rauskäme, darum ignoriert man sie schlicht!
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