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«Die Korporation war schon immer sehr männerlastig»
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 08.11.2019.
abspielen. Laufzeit 08:19 Minuten.
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Trotz demokratischer Tradition Wo Schwyzer Frauen 900 Jahre auf ihren Moment warten mussten

Die Schwyzer Oberallmeindkorporation ist eine 900 Jahre alte Institution. Nun wurde die erste Verwaltungsrätin gewählt.

Die Oberallmeindkorporation im Kanton Schwyz ist älter als die Schweiz selber. Seit über 900 Jahren gibt es sie, im Jahr 1114 wurde sie erstmals urkundlich erwähnt. Aktuell gehört ihr ein guter Viertel der Schwyzer Kantonsfläche. Von Anfang an war sie genossenschaftlich organisiert – Entscheide über Bau-, Alp- und Waldrechte werden demokratisch gefällt.

Frauen sind trotz dieser demokratischen Tradition erst seit 1993 als Genossenschafterinnen zugelassen. Und es wurde Oktober 2019, bis die erste Frau in den Verwaltungsrat gewählt wurde. Seit einem Monat sitzt Marie-Gabrielle von Weber im 11-köpfigen Gremium und bricht damit das Muster des reinen Männervereins. Im Interview spricht sie über ihren Vorgänger, den konservativen Kanton Schwyz und ihren Beruf als Hebamme.

SRF News: Marie-Gabrielle von Weber, wie ist es für Sie, als erste Frau im Verwaltungsrat einer Organisation zu sitzen, die über 900 Jahre alt ist?

Als erstes habe ich mich natürlich gefreut über die Wahl. Den wirklich grossen Schritt machte jedoch der abtretende Verwaltungsratspräsident, der mich zur Wahl vorgeschlagen hatte. Er meinte, es sei jetzt einfach an der Zeit.

Von den aktuell 20'000 Korporations-Mitgliedern machen die Frauen gut 40 Prozent aus. Weshalb dauerte es trotzdem so lange, bis Sie als erste Verwaltungsrätin gewählt wurden?

Die Korporation war schon immer sehr männerlastig. Viele der Berufe, die mit ihr zu tun haben, sind typische Männerberufe wie etwa Älpler oder Förster. Ausserdem ist der Kanton Schwyz ja eher als konservativer Kanton bekannt.

Viele Männer versammeln sich auf Feld
Legende: Einmal im Jahr, jeweils am dritten Sonntag im Oktober, treffen sich die Genossenschafter zur Oberallmeindgemeinde. Da wählen sie den Verwaltugnsrat und entscheiden über Rechnung, Budget und Sachvorlagen. Seit 1993 können auch Frauen mitbestimmen. zvg

Haben Sie vor der Wahl bei den Genossenschaftern gewisse Skepsis Ihnen gegenüber gespürt?

In erster Linie habe ich vom abtretenden Präsidenten gespürt, dass er die Korporation modernisieren will und dazu gehört nun mal ein gemischter Verwaltungsrat. Auch in der Geschäftsleitung selber habe ich sehr viel Wohlwollen gespürt. Natürlich gab es ein paar wenige, die keine Frau wollten, doch die Wahl zeigte, dass eine sehr grosse Mehrheit hinter mir stand. Ich wurde mit drei Gegenstimmen und ein paar Enthaltungen von einer Bürgergemeinde mit zwei- bis dreihundert Leuten gewählt.

Im Verwaltungsrat haben Sie nun das Forstamt übernommen. Passt das?

Mir als Biobäuerin gefällt vor allem, dass die Korporation einen nachhaltigen Umgang mit der Natur pflegt. Das steht so auch im Leitbild. Ausserdem sind wir bestrebt, eine gute Arbeitgeberin zu sein – bei uns sind etwa Förster, Älpler oder Maschinisten angestellt.

Ein exklusiver Verein

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Legende:zvg

Mit 40'000 Hektaren Grundbesitz ist die Allmeindkorporation flächenmässig die grösste der Schweiz. Ihr gehören Immobilien, Grundstücke, Wälder, Trinkwasserquellen, ein Kraftwerk und verschiedene Alpen. Aktuell zählt sie 19'391 Mitglieder.

Mitglied kann nur werden, wer beweisen kann, dass er oder sie Vorfahren hatte, die selber in der Korporation waren. Man kann sich weder einkaufen, einheiraten, noch hineingewählt werden. Frauen sind seit 1993 als Mitglieder zugelassen und können ihr Korporationsbürgerrecht erst seit 2006 auch vererben.

Hauptberuflich sind Sie Hebamme. Wie wird Sie dieser Hintergrund als Verwaltungsrätin prägen?

In meinen dreissig Jahren als frei praktizierende Hebamme habe ich viel Sozialpolitisches gelernt, wie etwa eine gute Gesprächsführung. Zudem war ich im Hebammen-Verband als Co-Präsidentin unserer Sektion tätig. Da konnte ich mir einen kollegialen Führungsstil aneignen. All das möchte ich nun in die neue Aufgabe mitnehmen.

Das Gespräch führte Lars Gotsch

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