Alles Wesentliche «zu 100 Prozent» erfüllt

Das Herz der Zürcher Fussballclubs GC und FCZ schlägt höher. Mit dem neuen Projekt für ein Hardturm-Stadion sind sie ihrem lang gehegten Wunsch nach einem «richtigen» Fussballstadion wieder einen Schritt näher. Doch einige Anwohner reagieren skeptisch.

Blick ins Innere des Stadions von den Zuschauerrängen auf den Rasen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Nur schon gut, «weil es ein richtiges Fussballstadion ist», findet GC-Präsident Stephan Anliker. ZVG Stadt Zürich

«Die Hochhäuser finde ich schon nicht so toll, davon gibt es schon genug hier», sagt ein Anwohner nach der Präsentation des Siegerprojekts «Ensemble». Die beiden Investoren HRS Investments und Credit Suisse planen neben dem Bau des Fussballstadions nämlich auch zwei Wohn- und Geschäftstürme. Diese sollen dereinst mit ihren 137 Metern Höhe gar den Prime Tower überragen.

Zürich verdient ein «richtiges» Fussballstadion

Trotzdem scheint ein breiter Konsens zu bestehen, dass die Stadt Zürich endlich ein Fussballstadion braucht, welches diesen Namen auch verdient. «Nur zu!», «Go for it!», «Das Letzi kann man ja nicht gebrauchen!», sagen denn die meisten Passantinnen und Passanten in Zürich-West.

Der Grasshopper Club und FC Zürich sehen das schon lange so. GC-Präsident Stephan Anliker meinte anlässlich der Medienkonferenz am Dienstag denn auch: «Es ist nur dadurch schon ein gutes Fussballstadion, weil das alte Stadion eben kein Fussballstadion ist.» Und FCZ-Geschäftsführer Thomas Schönberger hebt die praktischen Vorzüge des geplanten Hardturms hervor: «Wir haben Stehbereiche für unsere Fans und genügend VIP-Plätze.» Damit seien alle wesentlichen Punkte «zu 100 Prozent» erfüllt.

Investoren zahlen schon während dem Bau in die Clubkassen

Auch in einem weiteren wichtigen Punkt scheinen sich die Investoren und die späteren Nutzer geeinigt zu haben. GC und FCZ hatten im Vorfeld des Investorenwettbewerbs nämlich gefordert, dass die Sieger die Vereine schon während der Planungs- und Bauzeit mit einem Betriebsbeitrag unterstützen. Ob nun tatsächlich die geforderten 1,5 Millionen Franken jährlich in die Vereinskassen fliessen, wollte Thomas Schönberger auf Anfrage nicht kommentieren. Nur so viel: «Es ist für beide Seiten verträglich und gut.»

Das neue Hardturm-Stadion steht frühestens 2021 bereit. Die Fussballclubs zeigen sich optimistisch, dass der neuste, inzwischen dritte Anlauf auf dem Hardturm, gelingt. «Die finanzielle Belastung der Stadt liegt bei null, das wird ein wichtiges Argument sein für ein Ja bei einer allfälligen Volksabstimmung» meint Thomas Schönberger.

FDP und CVP erfreut, Grüne skeptisch

Ähnlich klingt es bei der CVP und der FDP. Urs Egger, liberaler Gemeinderat und Präsident des Quartiervereins FC Seefeld, hofft, dass mit dem neuen Projekt endlich der Durchbruch gelingt.

Zwar werde es mit den beiden Hochhäusern nicht einfacher, die Kritiker zu überzeugen. Dennoch hält er die Türme schlicht für eine Notwendigkeit: «Irgendwo müssen die Investoren ihre Rendite erzielen. Das geht nur, wenn man in die Höhe baut.» Und auch die CVP steht dem neuen Entwurf positiv gegenüber.

Kritischer klingt es dagegen bei den Grünen. Auf Anfrage des «Regionaljournals» sagt Karin Rykart, Fraktionspräsidentin der Grünen im Zürcher Stadtparlament: «Grundsätzlich sind wir nicht gegen ein neues Stadion auf dem Hardturm. Aber der Preis dafür ist mit den beiden Hochhäusern sehr hoch.» 137 Meter hoch, um genau zu sein.

Die Diskussion werde sich auf die Türme und städtebauliche Aspekte konzentrieren und nicht auf die eigentliche Stadionfrage, prognostiziert Rykart. Ob die Grünen dem Gesamt-Entwurf am Ende zustimmen oder nicht, liess sie offen.