«Chilli's»-Affäre: Zürcher Ex-Stadtpolizist angeklagt

In der Korruptionsaffäre bei der Zürcher Stadtpolizei wirft die Staatsanwaltschaft einem ehemaligen Polizeifunktionär unter anderem vor, er habe auf Anzeigen gegen Prostituierte verzichtet. Eine Gerichtsverhandlung gibt's wahrscheinlich nicht.

Aussenansicht des Milieu-Lokals «Chilli's». Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Hier begann die Korruptionsaffäre: Im Milieu-Lokal «Chilli's». Keystone

Der Fall hatte im November 2013 in der ganzen Schweiz für Schlagzeilen gesorgt. Gegen mehrere Mitglieder der Zürcher Stadtpolizei waren Korruptions- und Begünstigungsvorwürfe erhoben worden. Dabei ging es um Polizistinnen und Polizisten der Abteilung Milieu- und Sexualdelikte und das Szenelokal «Chilli's» an der Zürcher Langstrasse.

Polizeirapport gelöscht

Nun wirft die Staatsanwaltschaft einem Stadtpolizisten, der nicht mehr im Dienst ist, mehrfache Begünstigung, Amtsmissbrauch, mehrfache Vorteilsnahme
und Amtsgeheimnisverletzung vor. Der Mann habe zwei Prostituierte nicht angezeigt, obwohl sie unter anderem gegen das Ausländergesetz verstossen hatten. Zudem soll er eine Polizeimitarbeiterin veranlasst haben, einen Rapport zu dem Fall aus der Polizei-Datenbank zu löschen.

Keine Gerichtsverhandlung

Der Ex-Polizist war auch für die Kontrolle des Langstrassen-Restaurants «Schweizerdegen» zuständig. Dabei habe er sich vom Wirt zweimal zu Getränken und Essen einladen lassen, schreibt die Staatsanwaltschaft weiter.

Der Fall wird wahrscheinlich nie vor Gericht kommen, denn die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung haben sich geeinigt, dass die Anklage im abgekürzten Verfahren behandelt wird. Beantragt ist eine bedingte Gefängnisstrafe von 14 Monaten. Diese Einigung muss aber noch vom Gericht abgesegnet werden.