Vereint gegen fremde Pflanzen Der Kanton Zürich soll von Neophyten befreit werden

Im Reppischtal wird eine neue Methode gegen invasive Pflanzen getestet. Es beteiligen sich ganz verschiedene Akteure.

Video «Kampf gegen invasive Neophyten» abspielen

Kampf gegen invasive Neophyten

3:46 min, aus Schweiz aktuell vom 12.9.2017

Das Testgebiet ist grösser als die Fläche der Stadt Basel. Auf über vierzig Quadratkilometern im zürcherischen Reppischtal soll in den nächsten vier Jahren kein einzelner Neophyt wachsen können. Dieses Testrevier will der Kanton komplett von invasiven Pflanzen befreien. Einen solchen Versuch gab es zuvor noch nie.

Ein Mann steht an einem steilen Hang und jätet. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Nur wenn alle zusammenarbeiten, können die schädlichen Pflanzen besiegt werden. Hier wird gerade Goldraute ausgerissen. SRF

Für dieses Pilotprojekt spannen erstmals mehrere Akteure zusammen:

  • Zehn Gemeinden im Testgebiet entlang der Reppisch machen mit.
  • Das Bundesamt für Strassen (Astra) und die SBB sind ebenfalls dabei.
  • Auch private Wald- und Gartenbesitzer sollen motiviert werden.
  • Schliesslich beteiligen sich verschiedene Fachstellen des Kantons Zürich. Der Zürcher Regierungsrat sprach 2,3 Millionen Franken für den Versuch.

Dieses koordinierte Vorgehen sei unabdingbar, betonte Daniel Fischer. Er leitet die Sektion Biosicherheit beim kantonalen Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL). Ohne diese Zusammenarbeit sei man machtlos gegen die Neophyten. Das zeigten die Erfahrungen der letzten Jahre: Trotz grosser Bemühungen seien die Bestände der invasiven Pflanzen weiter angestiegen.

Ein Mann in oranger Uniform und Helm steht inmitten von Sträuchern und Bäumen im Wald. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Alleine verkommt das Jäten der Neophyten zur Sisyphusarbeit. SRF

Zusatzinhalt überspringen

Was ist ein invasiver Neophyt?

Was ist ein invasiver Neophyt?

Als invasive Neophyten gelten Pflanzenarten, die ursprünglich nicht in der Region heimisch sind und sich so stark verbreiten, dass sie zum Problem für die ansässigen Pflanzen werden. Beispiele sind der Sommerflieder (Bild oben), die Goldrute, der Riesenbärenklau oder das Berufskraut.

«Wenn jeder nur für sich schaut, ist das eine Sisyphusarbeit», sagte auch Projektleiter Severin Schwendener. Oft sei es heute unklar, wer wo für die Entfernung der Neophyten zuständig sei. Gemäss Schwendener werden die Problempflanzen an vielen Orten zudem nur gerade dort entfernt, wo sie stören.

«Wir wollen herausfinden, ob man die Schäden langfristig klein halten und die Unterhaltskosten senken kann», sagte Daniel Fischer.

Die gezielte Bekämpfung von Problempflanzen auf einem Gebiet dieser Grösse sei einzigartig. «Das Projekt kann später auf andere Gebiete adaptiert werden und man hat einen Anhaltspunkt, was es kostet.»

Beim aktuellen Projekt soll vor allem auch die Bevölkerung sensibilisiert werden. «Wir versuchen, auch Private zu motivieren, Problempflanzen in ihren Gärten zu bekämpfen», sagte der Leiter Biosicherheit. Merkblätter zeigen, welche Gewächse wie entfernt werden sollen.

Um vergleichen zu können, ob der Versuch im Reppischtal tatsächlich gelingt, hat die Baudirektion ein Referenzgebiet im Kanton bestimmt. Wo dieses liegt, wird bewusst nicht bekanntgegeben, sagt Daniel Fischer: «Wüssten die Betroffenen, dass sie zum Projekt gehören, würden sie vielleicht ihren Kampf gegen Neophyten verstärken.»

Drei Männer stehen rund um ein Anhänger und sortieren auf einem Tuch Äste und Blätter. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die zuvor ausgerissene Goldraute wird abtransportiert. Die Pflanzen werden verbrannt. SRF

Nach Abschluss der Eindämmungsphase wird das Gebiet fünf Jahre später erneut untersucht. Der Kanton hofft, dass sich die Pflanzen nach ihrer vollständigen Entfernung nicht erneut ausbreiten. Ist dieser Ansatz erfolgreich, soll er auch andere Gebiete ausgedehnt werden. Die Erkenntnisse aus diesem Pilotprojekt seien wegweisend für die künftige Neobiota-Strategie des Kantons.