Die neuen Zürcher Kinos setzen auf Kleinformat

Seit Jahren wird der Untergang des Kinos prophezeit - doch das Gegenteil ist der Fall. So werden in der Stadt Zürich in den nächsten Tagen sieben neue Kinosäle eröffnet. Was sie gemeinsam haben: Sie sind alle eher klein.

«Houdini» heisst das neuste Zürcher Kino, das am Donnerstag eröffnet wird: Fünf Säle und eine Bar in der neuen Genossenschaft Kalkbreite im Kreis 4. Betrieben wird das «Houdini» von Frank Braun, der bereits seit vielen Jahren mit den «RiffRaff»-Kinos an der Zürcher Langstrasse erfolgreich ist.

Die kleinen Säle im «Houdini» erlauben gemäss Braun eine flexiblere Programmierung: «Spezielle Filme, die in grösseren Sälen keine Chance hätten, können in kleinen Sälen erfolgreich gezeigt werden. So können wir auch mehr Risiken eingehen.» Ein Vorteil sei auch, dass die Filme nun digital gezeigt würden - so gebe es keinen Engpass bei den verfügbaren Filmkopien.

«Dällebach Kari» statt Dolly Buster & Co.

Eine Woche später öffnet das Kino «Stüssihof» seine Tore. Das ehemalige Sexkino im Zürcher Niederdorf soll nun ein Ort für Schweizer Filme werden. In den zwei Kinosälen zeigt Betreiber Peter Preissle zur Eröffnung zum Beispiel den Kurt Früh-Klassiker «Dällebach Kari» (1970) und Xavier Kollers Remake «Dällebach Kari - Eine wen ig» von 2012.

Beat Käslin von der Arthouse-Gruppe, die in der Stadt Zürich sieben Kinosäle betreibt, sieht die neuen Kinoangebote nicht als Bedrohung. Allerdings glaubt er, dass sich die Laufzeit der einzelnen Filme verkürzt, wenn sie in mehr Kinos gezeigt werden: «Das Potenzial eines Films ist dann viel schneller erschöpft.» Das heisst: Die Filme laufen jeweils nur wenige Wochen im Kino.

Weitere Kinos geplant

Ein Ende des Kinobooms ist nicht abzusehen. So will der Zürcher Filmemacher Samir mit Kollegen im Jahr 2017 an der Europaallee einen Kulturkomplex eröffnen. Neben einem Kino mit sechs Sälen sind dort auch ein Buchladen, ein Café und ein Konzertlokal geplant.