«Die Polizei - dein Feind und Helfer»: Diskussion bewegt Zürich

Jugendliche in den Zürcher Stadtkreisen 3 und 4 fühlen sich von der Polizei schikaniert. Sie sprechen von unverhältnismässigen Polizeikontrollen, besonders im Langstrassen-Quartier. An einer Podiumsdiskussion kam es zur grossen Aussprache, auch mit Polizeivorsteher Richard Wolff (AL).

Teilnehmer der Podiumsdiskussion sitzen an einem langen Tisch Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: An einer öffentlichen Aussprache kamen einige Probleme auf den Tisch. SRF

Die Vorwürfe der Jugendlichen an der Podiumsdiskussion vom Dienstagabend sind happig. Gegenüber dem «Regionaljournal Zürich Schaffhausen» von Radio SRF sagen sie: «Wir werden unnötig und bis zu 6 Mal am Tag von der Polizei kontrolliert» – «Wir fühlen uns diskriminiert» – «Meine Mutter glaubt, ich würde schon nicht ohne Grund kontrolliert. Aber genauso ist es.» Es brodelt unter den Jugendlichen des Langstrassenquartiers und aus Zürich Wiedikon.

Schauplatz für die öffentliche Aussprache zwischen den Jugendlichen, Jugendarbeitern und der Polizei ist das Zentrum der Offenen Jugendarbeit OJA beim Bahnhof Wiedikon. Jugendarbeiter Raphael Jakob hat selber schon solche Polizeikontrollen beobachtet.

Er versteht, dass sich Jugendliche wie Kriminelle fühlten, wenn die Polizei ohne Begründung ihre Ausweise sehen möchte und ihre Namen per Mikrofon an die Zentrale weiter leiteten.

Vorurteile und Frust

Auffällig ist für Jugendarbeiter Rapahel Jakob auch, dass vor allem Teenager mit einem Migrationshintergrund von der Polizei angehalten werden. Zwei Jugendliche sassen selbst mit am Podiumstisch und erzählten auch ehrlich über ihr Verhalten. Einer von ihnen verleugnete nicht, dass er auch schon in Schlägereien verwickelt war. Trotzdem sei es kein Grund, ihn häufiger zu kontrollieren.

Der Zürcher Polizeivorsteher Richard Wolff von der Alternativen Liste musste die geballte Ladung an Vorwürfen erst einmal verdauen.

«  Ich glaube, dass es hier Handlungsbedarf gibt. »

Richard Wolff
AL-Stadtrat und Zürcher Polizeivorsteher

Die Anschuldigungen berührten ihn sehr. Für eine Verbesserung der heutigen Situation will sich auch der Kreischef 4 der Stadtpolizei Zürich, Andreas Venzin, einsetzen. Die öffentliche Diskussion habe dazu erst einen Anstoss gegeben.