Nägel mit Köpfen Die Zürcher Schreiner-Lehrwerkstätte ist gerettet

Der Kanton wollte sie wegsparen, nun haben die Schreiner eine neue Lösung für ihre 44 Ausbildungsplätze gefunden.

Ein graues, eckiges Haus in der Stadt Zürich. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Heimat der angehenden Möbelschreiner in der Stadt Zürich. SRF

An der Gerechtigkeitsgasse beim Bahnhof Selnau in der Stadt Zürich erlernen über vierzig angehende Möbelschreinerinnen und -schreiner ihr Handwerk. Im Frühling 2016 errreichte sie die Nachricht: Bald sollte ihr Lehrbetrieb schliessen. Ihre Ausbildungsplätze fallen dem Sparpaket des Zürcher Regierungsrates zum Opfer.

Gegen die drohende Schliessung wehrten sich die Schreiner gemeinsam mit dem Schreinermeisterverband. Es gab Aktionen vor dem Rathaus und sie schrieben Briefe an Politiker. Doch ausser einer Gnadenfrist erreichten sie auf politischem Weg wenig.

Deshalb nahmen sie ihr Schicksal selber in die Hand und arbeiteten ein Geschäftsmodell aus. Am Freitag nun konnte der Leiter der Lehrwerkstätte, Markus Bosshard, erleichtert vermelden: «Ab 2021 können wir den Ausbildungsbetrieb selber finanzieren.»

Ein Mann in blauem Hemd und Brille steht in einem Raum, umgeben von ganz viel Holz: Latten, Leiter und Werkzeug. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Markus Bosshard leitet die kantonale Lehrwerkstätte der Möbelschreiner. SRF

Es ist vorgesehen, dass eine Genossenschaft gegründet wird. Diese sucht als neue Trägerin weitere Gönner und Sponsoren. Zwar gibt es Abstriche: Die Ausbildner müssen sich künftig mit weniger Lohn zufrieden geben.

Doch bei Markus Bosshard überwiegt die Freude über die Rettung: «Es war ein sehr emotionales, aufwühlendes Jahr mit dieser Unsicherheit.» Nun könnten die Schreiner wieder nach vorne blicken.

Unklar ist weiterhin, was mit der zweiten kantonalen Ausbildungswerkstätte, nämlich jener der Schneiderinnen, passieren soll. Sie steht in Winterthur und erhält ebenfalls kein Geld mehr vom Kanton.

Auch die Schneiderinnen stemmen sich gegen das Ende ihrer Ausbildungsstätte – bisher aber mit weniger Erfolg als ihre Schreiner-Kolleginnen und -Kollegen. Dass alle 45 ihrer Plätze erhalten bleiben, daran glauben die Schneiderinnen nicht mehr. Sie hoffen, wenigsten noch zehn Plätze erhalten zu können.