Zum Inhalt springen
Inhalt

Erkennung von Gewalttätern Erfolgreiche Zürcher Erfindung

Wer ist wirklich gefährlich? Das neue Gewalttäter-Erkennungssystem der Kantonspolizei Zürich «Octagon» hat sich bewährt.

Legende: Audio Extremisten, Gewalttäter, Querulanten: Das neue Zürcher Erkennungssystem bewährt sich. abspielen. Laufzeit 02:43 Minuten.
02:43 min, aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 29.01.2019.

Vor einem Jahr hat die Kantonspolizei Zürich ihr neues Gewalttäter-Erkennungssystem «Octagon» vorgestellt. «Octagon» soll den Polizistinnen und Polizisten helfen, zu erkennen, ob jemand wirklich gefährlich ist.

Wie funktioniert Octagon?

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Wird die Polizei beispielsweise zu einem Fall von häuslicher Gewalt gerufen, nehmen die Beamten die Aussagen der Frau auf. Allenfalls treffen sie auch auf den Mann, sehen sein Verhalten oder können gar mit ihm reden.

Anhand der Aussagen der Frau und ihren eigenen Beobachtungen füllen die Polizeibeamten einen Fragebogen aus. Darunter sind Ja-Nein-Fragen zur Bedrohung an sich, zur Persönlichkeit des Verdächtigen, zu psychischen Problemen, Alkoholkonsum und Vorstrafen.

«Octagon» wertet dann die Fragen aus und erstellt eine grafische Darstellung der Gefährdungslage, ähnlich einem Smart-Spider bei Politikern. Gleichzeitig sagt das Programm den Benutzern, was zu tun ist: Benötigt jemand psychiatrische Hilfe? Einen Sozialarbeiter? Oder muss die Polizei ausrücken?

Auf Anfrage des «Regionaljournal Zürich Schaffhausen» zeigt sich die Kantonspolizei Zürich absolut zufrieden mit dem neuen System. «Octagon» gebe eine gute Struktur vor und zeige, ob eine Intervention nötig sei, sagt Reinhard Brunner, Chef der Präventionsabteilung der Kantonspolizei Zürich.

Octagon hat sich als praxistaugliches, solides System bewährt.
Autor: Reinhard BrunnerChef Präventionsabteilung Kantonspolizei Zürich

In den bisher mit «Octagon» bearbeiteten Fällen habe die Kantonspolizei Zürich keine schweren Gewalteskalationen zu verzeichnen, so Brunner weiter. «Das hat sicherlich damit zu tun, dass wir die Fälle richtig einschätzen und mit den richtigen Partnern die geeigneten Massnahmen einleiten.»

Ganz ausgereift ist das System allerdings noch nicht. Die Polizistinnen und Polizisten der Kantonspolizei Zürich arbeiten immer noch mit einer Papierversion des Systems. «Für die Web-Applikation sind wir noch in der Testphase», so Brunner.

«Octagon» auch bei anderen Polizeien im Einsatz

Im Unterschied zu anderen Risiko-Analyse-Programmen ist es bei «Octagon» am Schluss immer noch der Mensch, der die Einschätzung macht. Er beurteilt anhand des Fragebogens, wie gefährlich eine Person ist. Dazu brauche es Expertenwissen, die richtige Ausbildung, um Ergebnisse korrekt interpretieren zu können, erklärt Brunner. Darum habe man auch von der ursprünglichen Idee abgesehen, das Instrument auch in Schulen oder bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde KESB einzusetzen.

Für andere Polizeikorps hingegen ist «Octagon» interessant. «Wir sind schweizweit mit praktisch allen Polizeien in Kontakt.» Und einige Korps sowie der Bund würden bereits mit «Octagon» arbeiten.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Jonny Berger (Landkind)
    W.Pip, Sie sagen es. Beamte handeln auf Grund von Erfahrung und Intuition. Ein Programm kann Intuition natürlich nicht haben, kann aber sehr wohl auf Erfahrung zurückgreifen. Denn eben solche Werte und natürlich andere werden ja in dieses Tool eingespeist. Also kann das gut funktionieren. Aber natürlich haben sie recht von wegen "Minority Report... Auch mich beschleicht bei solchen Meldung ein ungutes Gefühl. Aber lassen sich solche Programme, Auswertungen usw. aufhalten? Eher nicht.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Enrico Dandolo (Doge)
    Die nächste Stufe ist dann wahrscheinlich ein Algorithmus, der noch schneller Entscheidet. Diese programmierten Intelligenzen sind uns Menschen bekanntlich derart überlegen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Remo Aschwanden (RAschwan)
    Kleine Anmerkung zu „wie funktioniert Octagon“: Häusliche Gewalt geht keineswegs immer nur von Männern aus.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen