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Legende: Audio So eindeutig wie in der Studie ist der Nutzen nicht abspielen. Laufzeit 03:26 Minuten.
Aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 11.12.2018.
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Firmen anlocken Wie sich die Standortförderung für den Grossraum Zürich auszahlt

Eine Studie bescheinigt der «Greater Zurich Area» gute Noten. Doch ein Wirtschaftsprofessor relativiert die Zahlen.

In diesem Grossraum Zürich, der von Solothurn bis Graubünden reicht, haben sich in den vergangenen vier Jahren 369 Unternehmen aus dem Ausland angesiedelt. Eine Bilanz, auf die Balz Hösly stolz ist.

Hösly ist Verwaltungsratspräsident der Greater Zurich Area (GZA): «Die Steuereinnahmen, welche diese Firmen der Region bringen, übersteigen die Kosten bei Weitem.»

Die Organisation

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Die «Greater Zurich Area» wurde 1998 gegründet und beschäftigt 16 Angestellte.

Die Non-Profit-Organisation umfasst neben den acht Kantonen Zürich, Schaffhausen, Zug, Graubünden, Glarus, Schwyz, Uri und Solothurn auch die Region Winterthur sowie die Stadt Zürich.

Ebenfalls Teil der Vereinigung sind private Institutionen wie die Flughafen Zürich AG, die Grossbanken UBS und CS sowie verschiedene Kantonalbanken.

Gekommen um zu bleiben

Über eine längere Zeitdauer betrachtet, fliessen auf jeden Franken, den die GZA investiere, sechs Franken in die Region zurück, so Hösly. Ausserdem ist der Standortförderer erfreut, dass diese Entwicklung über die Jahre stabil bleibe: «Mehr als achtzig Prozent der Unternehmen bleiben in der Region. Diese nachhaltige Zuwanderung bringt dem Grossraum neue Impulse.»

Die rund zweitausend Personen, die mit diesen Firmen in die Region kommen, besuchen Restaurants oder Fitnesscenter, sie mieten Wohnungen und besuchen Kulturveranstaltungen.

Kritik des Wirtschaftsprofessors

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Reiner Eichenberger ist Professor an der Universität Fribourg für Wirtschafts- und Finanzpolitik. Im Gespräch mit dem «Regionaljournal Zürich Schaffhausen» übt er scharfe Kritik an der Studie.

SRF: Sie setzen ein grundsätzliches Fragezeichen hinter die Studie von Ernst & Young, welche die Wirksamkeit der Standortförderung untersucht hat. Warum das?

Reiner Eichenberger: Alles Interessante lässt die Studie aus. Es wird impliziert, dass sämtliche Firmen aufgrund der Standortförderung in die Region gekommen sind. Diese These, dass alle Firmen nur wegen GZA sich angesiedelt haben, ist an den Haaren herbeigezogen. Ob das wirklich so ist, wird in der Studie nicht bewiesen.

Sie bezweifeln auch die Kosten-Nutzen-Rechnung. Also dass für jeden Franken, der investiert wird, sechs Franken zurückfliessen.

Das ist die übliche lächerliche Rechnung um die Standortförderung schönzureden. Zunächst kostet die Förderung die öffentliche Hand Geld. Wenn sich Firmen dann ansiedeln, zahlen sie zwar Steuern. Aber die Zugezogenen - die Firmen selber wie auch ihre Angestellten - beanspruchen gleichzeitig ja auch Leistungen vom Staat, etwa wenn ihr Kinder in die Schule gehen. Wenn alles mitgerechnet wird, gleichen sich Kosten und Nutzen am Ende aus. Oder es ist für die öffentliche Hand sogar ein Verlustgeschäft.

Aus Ihrer Sicht ist Standortförderung also ein unnötiges Instrument?

So würde ich das nicht sagen. Aber man müsste eine genauere Studie machen. In der vorliegenden Studie ist der Nutzen massiv zu hoch dargestellt. Wenn ich genauer hinschaue, wo denn die Unternehmen hinziehen, dann sehe ich: Die meisten ziehen in den Kanton Zug, der ohnehin gut aufgestellt ist. Dort, wo Standortförderung nötig wäre - in den Gebieten Solothurn oder Graubünden - siedeln sich wenige Firmen an. Die Unternehmen gehen also offensichtlich dahin, wo es bereits gut läuft - mit oder ohne Standortförderung.

Kantönligeist überwunden

Da sei es auch nicht entscheidend, ob eine Firma sich in Solothurn oder in Schaffhausen ansiedle. Profitieren würde der gesamte Raum, ist auch Carmen Walker Späh überzeugt. Sie ist nicht nur Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin sondern auch Präsidentin der GZA-Stiftung.

Auch Walker Späh sieht ein grosses Verdienst der Organisation GZA darin, dass das kleinräumige Denken überwunden werden konnte: «Unsere relativ engen Kantonsgrenzen sind im Ausland nur schwer erklärbar.» Da brauche es eine Förderung für eine Grossregion – die offenbar funktioniert, wie die neuste Studie zeigt.

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