Flughafen-Schutzverband: Solidarität bröckelt

Die Gemeinde Freienstein-Teufen will aus dem Schutzverband austreten. Sie wirft den grossen Flughafengemeinden Inkonsequenz vor: Sie würden gegen die Fluglärmbelastung kämpfen und gleichzeitig neue Bewohner in die betroffenen Gemeinden locken.

Seit 1970 ist Freienstein-Teufen im Zürcher Unterland Mitglied des Schutzverbands der Bevölkerung um den Flughafen, vor allem aus Solidarität mit den anderen Gemeinden. Mittlerweile sei die Belastung durch den Fluglärm massiv zurückgegangen, sagt Oliver Müller, Gemeindepräsident von Freienstein-Teufen. Damit sei das primäre Ziel des Schutzverbands erreicht.

«Solidarität gehört dazu»

Weiter stört sich Müller am Gebaren der grossen Flughafen-Gemeinden: «Sie locken immer mehr Leute in ihre Gemeinden, um weiter zu wachsen. Gleichzeitig aber wehren sie sich gegen Fluglärm und wollen den Flughafen einschränken. Das geht für uns nicht auf.» Deshalb beantragt der Gemeinderat der Gemeindeversammlung, dass Freienstein-Teufen aus dem Flughafen-Schutzverband austritt.

Thomas Hardegger, Präsident des Schutzverbands, bedauert den geplanten Austritt: «Wir haben gerade in den Nachtstunden immer noch eine hohe Lärmbelastung, und gegen dies setzen wir uns beim Schutzverband ein. Meiner Meinung nach gehört hier auch eine gewisse Solidarität bei den Gemeinden dazu, egal, wie nahe beim Flughafen eine Gemeinde liegt.»

Kloten baut in der Anflugschneise

Ende April ist ein überraschender Entscheid zur Stadt Kloten bekannt geworden: In Kloten dürfen neue Wohnungen gebaut werden in einem Gebiet, das sehr stark vom Fluglärm betroffen ist (siehe rechts). Dies wurde möglich, weil der Bund die Lärmschutzverordnung angepasst hat. Schon damals bezeichnete der Zürcher Kantonsplaner Wilhelm Natrup die Situation als «schizophren»: «Die Gemeinden wollen wachsen, gleichzeitig wird dann aber auch der Druck grösser, gegen mehr Fluglärm vorzugehen.»