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Gold aus der Asche Viele Zürcher verweigern die neue Kremationspraxis

Seit einem Monat erlaubt die Stadt Zürich, Edelmetalle aus Kremationsasche zu filtern. Die Skepsis ist gross.

Das Krematorium Nordheim von aussen, neben dem Eingang steht ein grosses Kreuz auf der Wiese.
Legende: Das grösste Krematorium der Schweiz: In Krematorium Nordheim kann neu Gold speziell aus der Asche gefiltert werden. Keystone

Das Krematorium Nordheim am Fusse des Käferbergs ist das grösste Krematorium im ganzen Land. Rund 6500 Leichen werden hier jedes Jahr verbrannt.

Und seit einem Monat ist es das zweite Krematorium - nach jenem in Solothurn - das dank einem neuen Verfahren Edelmetalle aus der Asche herausfiltern kann. Seit dem 1. September ist die neue Friedhofsverordnung gültig, welche diese Praxis erlaubt.

Allerdings geschieht dies erst, wenn die Angehörigen diesem Verfahren explizit zugestimmt haben, so Rolf Steinmann, Leiter des städtischen Bestattungs- und Friedhofamt, gegenüber dem «Regionaljournal»: «Wenn jemand stirbt, unterstützen wir die Hinterbliebenen. In diesem Prozess fragen wir, ob sie damit einverstanden sind, dass wir allfällige Edelmetalle aus der Asche herausfiltern.»

Nach dem ersten Monat zeigt sich: Rund zwei Drittel geben dieses Einverständnis nicht. Somit bleibt das Gold in der Asche und die Urne kommt vollständig zu den Hinterbliebenen.

Rolf Steinmann geht jedoch davon aus, dass die Quote derjenigen, die der neuen Technik zustimmen, in den kommenden Monaten noch ansteigt: «Gerade bei den Gemeinden rund um die Stadt Zürich, welche ebenfalls das Krematorium Nordheim nutzen, braucht es noch mehr Sensibilisierung. Ausserdem müssen sich die neuen Abläufe erst noch einspielen.»

Juristisch «auf der sicheren Seite»

Natürlich sei ihm klar, so Rolf Steinmann, dass es ein heikles Thema sei. Emotional für die Angehörigen, aber auch juristisch. Gemäss einem Artikel des BLICK , Link öffnet in einem neuen Fenstersei nämlich nicht abschliessend geklärt, wem die Asche nach der Kremation zusteht; den Hinterbliebenen oder dem Staat.

Weil die Stadt Zürich vor dem neuen Verfahren ausdrücklich die Zustimmung der Angehörigen einholt, hat Rolf Steinmann diesbezüglich keine Bedenken: «Jedes Krematorium in der Schweiz kann selber entscheiden, wie es damit umgeht. Wir sehen uns auf dem richtigen Weg.»

Geld verdienen nur Nebeneffekt

Das Gold und andere Edelmetalle extrahiert das Krematorium Nordheim nicht primär, um Geld damit zu verdienen. Der treibende Grund, so Steinmann, liege in der Ökologie: «Die Wiederverwertung der Rohstoffe ist ein wichtiger Beitrag zum Umweltschutz. Gerade die Gewinnung von Gold benötigt viel Wasser und Chemikalien.»

Dennoch sei der Erlös aus dem Verkauf des Edelmetalls ein positiver Nebeneffekt. Rolf Steinmann rechnet damit, dass auf diesem Weg jährlich rund 100'000 Franken in die Stadtkasse fliessen.

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