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Haferbrei zum Zvieri Wie sich der Krippenalltag in 100 Jahren verändert hat

Die Kinderkrippe Heusser-Staub in Uster feiert Jubiläum. Sie ermöglichte den Fabrikarbeiterinnen, ihre 11-Stunden-Schichten zu leisten, ohne dass sie ihre Kinder sich selbst überlassen mussten.

Aufnahme aus ca. 1930 mit Krippenkinder beim Zähneputzen und auf dem Hafen sitzen.
Legende: ZVG Heusser-Staub-Stiftung Uster

Bertha und Jakob Heusser-Staub, ein Fabrikanten-Paar aus Uster, waren Pioniere ihrer Zeit: Selbst kinderlos und Besitzer mehrerer Spinnereien sorgten sie sich neben dem Wohl ihrer Angestellten auch um das derer Kinder. Zu diesem Zweck gründete der Industrielle im Jahr 1918 eine Stiftung mit dem Ziel: «Kindern, deren Eltern tagsüber in Fabrikbetrieben, oder in Folge anderweitiger Verdiensterwerbung von zu Hause abwesend sind, geordnete Pflege und Unterhalt zu verschaffen», wie es in der Urkunde heisst.

Dazu wurde an der Florastrasse 26 eine Villa mit grossem Umschwung gebaut, die alleine dem Betrieb einer Kinderkrippe dienen sollte.

Historische Aufnahme aus ca. 1920 der Villa, das alleine zum Betrieb einer Kinderkrippe errichtet wurde.
Legende: ZVG Heusser-Staub-Stiftung Uster

Im Erdgeschoss wurde gekocht und die Kinder wurden von Kinderkrankenschwestern gebadet, gepflegt und betreut. Damals bestand die Hauptaufgabe der Betreuerinnen noch darin, auf eine gute Hygiene, auf Pflege und gute Nahrung zu achten, erzählt Pia Barmettler, die bereits seit 30 Jahren als Erzieherin in der Krippe tätig ist.

Aufnahme von ca. 1930, wo zwei Kinderpflegerinnen mit weissen Schürzen und Häubchen zwei Babys den Schoppen geben, während etwas grössere Kinder um sie herum springen.
Legende: ZVG Heusser-Staub-Stiftung Uster

Die Fabrikarbeiterinnen - häufig waren es italienische Gastarbeiterinnen - brachten ihre zum Teil erst wenige Tage alte Kinder Morgens um sechs Uhr in die Krippe und holten sie Abends um sechs Uhr wieder ab. Sie seien auf das Einkommen angewiesen, die 85 Rappen Pflegekosten pro Tag seien gerade noch bezahlbar gewesen, weiss Pia Barmettler aus Erzählungen früherer Mitarbeiterinnen.

Hoch geschätzt, damals wie heute, war der grosszügige Garten der Villa mit Wiese, einem Pavillon und schattenspendenden Lindenbäumen.

Schwarz-Weiss-Aufnahme aus ca. 1930 mit auf der Wiese spielenden Kindern.
Legende: ZVG Heusser-Staub-Stiftung Uster

Für die Kinderschwestern und die Köchin war die Krippe nicht nur Arbeitsstätte, sondern Wohnstätte zugleich. Die Personalzimmer befanden sich im oberen Stock des Hauses. Heute werden die voneinander abgetrennten Zimmer mit je eigenem Lavabo als Gruppenräume genutzt.

Die Kinderkrippe Heusser-Staub in Uster feiert dieses Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Sie gehört damit zu den ältesten derartigen Einrichtungen in der Schweiz.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Lucas Kunz (L'art pour l'art)
    Seltsam, wie ein gesellschaftlich relevanter Artikel einfach nur unter «Panorama» entsorgt wird ... Man führe sich vor Augen: 11 Stunden täglich am Fliessband in der Fabrik, inkl. Samstag ... PS: Die 56 Rappen pro Tag sind nicht ohne ... Eine Fabrikarbeiterin dürfte nicht wesentlich besser gestellt gewesen sein, als etwa ein Postbote im Königreich Bayern vor dem 1. WK - da waren es 70 Goldmark pro Monat Gehalt.
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