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Index ohne Wirkung Zürcher Fluglärmindex auf neuem Rekordwert

Ein Flugzeug im Steigflug über einem Wohnhaus
Legende: Mit dem Wachstum der Bevölkerung in der Flughafenregion wächst auch die Zahl der Fluglärmbetroffenen. Keystone
  • 64'110 Personen fühlten sich im Jahr 2016 stark vom Fluglärm belästigt. Die Zahl stieg im Vergleich mit dem Vorjahr um 3,5 Prozent.
  • Der Richtwert von 47'000 durch den Flugbetrieb stark gestörte Personen wurde um rund 17'100 Personen überschritten – das ist fast ein Drittel zuviel.
  • Grund für den Anstieg ist einerseits das starke Wachstum der Bevölkerung in der Flughafenregion, andererseits die Zunahme der Flugbewegungen in der Nacht.
  • Seit seiner Einführung vor 10 Jahren wurde der Richtwert nur zweimal nicht überschritten: 2007 und 2009 lag der ZFI knapp unter dem Richtwert.

Legende:
Durch Fluglärm gestörte Personen - der ZFI seit 2007 *Seit 2011 unter Berücksichtigung passiver Schallschutzmassnahmen. RZ bezeichnet den Richtwert von rund 47'000 belästigten belästigten Personen, der nicht überschritten werden sollte. EMPA-Bericht zum Züricher Fluglärmindex

Das Flughafengesetz verlangt vom Regierungsrat Massnahmen, wenn der Richtwert des ZFI überschritten wird. Aber für alle Seiten ist klar: Es dürfte nicht mehr möglich sein, den Fluglärmindex auf den Richtwert zu drücken. Allein durch das Bevölkerungswachstum sei der Index jährlich um 1 bis 2 Prozent gestiegen, schreibt der Regierungsrat. Er denkt deshalb über eine Korrektur bei der Berechnung des ZFI nach.

Man muss den ZFI neu erfinden.
Autor: Carmen Walker SpähRegierungsrätin Kanton Zürich

Kritisch beurteilt die Regierung die steigende Lärmbelastung in der Nacht. Auch im letzten Jahr nahm die Zahl der Flugbewegungen zwischen 22 und 23 Uhr weiter zu. Und auch das Zeitfenster zwischen 23.00 und 23.30 Uhr, in dem der Flughafen ohne Bewilligung Verspätungen abbauen darf, wurde vermehrt genutzt. Hier pocht der Regierungsrat auf Massnahmen, die die Situation nachhaltig verbessern.

Die Entwicklung der Flugbewegungen

Tageszeit
6-7 Uhr
7-21 Uhr
21-22 Uhr
Ganzer Tag
Nacht
Total
20077'594210'48613'830231'9109'066270'976
20168'723
214'90416'768
240'39512'273252'668
Zunahme
+1'129+4'418+2'938+8'485+3'207+11'692
in Prozent
+14,9%+2,1%+21,2%+3,7%+35,4%+4,6%

Die Zahlen zeigen: Seit 2007 wächste der Flughafen Zürich vor allem in den sensiblen Tagrand-Stunden von 6 bis 7 Uhr und von 21 bis 22 Uhr und in den ersten Nachtstunden. Fast zwei Drittel der zusätzlichen Flugbewegungen fallen in diese Zeitfenster. In ersten Reaktionen legen denn auch die meisten Parteien und Organisationen den Finger vor allem auf die steigende Lärmbelastung in der Nacht und fordern zum Beispiel griffige Lärmgebühren mit Lenkungswirkung.

Der Flughafen-Schutzverband: «Die laufend zunehmende Missachtung der Nachtruhe ist nicht nur ärgerlich. Lärmbedingte Schlafstörungen sind gesundheitlich besonders bedenklich und wirken sich auf die Standortqualität der Flughafenregion verheerend aus.»

Die Region Ost fordert Massnahmen, damit die festgelegte Nachtruhe von sieben Stunden in Zukunft eingehalten wird: «Die Anzahl verspäteter Flüge nach 23 Uhr, die keiner Bewilligung bedürfen, muss vermindert werden.»

Die IG-Nord schreibt, sie wehre sich dezidiert dagegen, dass die Nachtflugsperre unter dem Vorwand des Verspätungsabbaus systematisch umgangen werde: «Der Bericht zeigt, dass immer mehr Flugbewegungen in den besonders lärmsensiblen Nachtstunden angesetzt werden.»

Die Grünen fordern eine konsequente Einhaltung der Nachtsperrzeit und wollen bewirken, «dass die Regierung ab 2019 eine Senkung des ZFI-Werts um jährlich 3000 lärmgestörte Personen anvisiert».

Die Grünliberalen bezeichnen die steigende Anzahl Flugbewegungen in der Nacht als Ärgernis und fordern griffige Massnahmen, um die Lärmbelastung in der Nacht zu reduzieren.

Die FDP und die CVP ortet das Problem vor allem in der Berechnung des ZFI. Er weise in seiner Grundkonstruktion gravierende Mängel auf und müsse überarbeitet werden. Der Schutz der Bevölkerung müsse dabei aber ein wichtiges Element bleiben, schreiben die Freisinnigen.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Pia Müller (PiMu)
    Hr. P. Gemperle: Ich finde den Flughafen Altenrhein einen Segen ! Und habe viele Bekannte, die ihn rege benützen.
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    1. Antwort von Peter Gemperle (PGT)
      Frau Müller. Der Segen wird zwar in der Kirche gespendet, doch ist man da im Katholischen Rheintal schon etwas weiter. Der Fluglärm kommt ja auch von oben, macht aber nicht unbedingt selig.
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  • Kommentar von Pia Müller (PiMu)
    Lasst doch endlich mal unseren einzigen internationalen Flughafen Kloten in Ruhe. Zieht aus, wenn es euch stört !! Der Flughafen war zuerst da. Dass er wächst und wachsen muss, war absehbar. Vor 40 Jahren hatte kaum jemand ein Handy in CH. Heute jeder. Also muss sich auch ein Flughafen anpassen. Nirgends auf der Welt gibt es Reklamationen betr. Flughafen/Wohngebiete - nur bei den Bünzli-Schweizern.
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    1. Antwort von Peter Gemperle (PGT)
      Auf Ihren Kommentar haben ja alle die den Fluglärm ertragen müssen gewartet (zum x-ten Mal) Möchte erinnern dass Sie als Rheintalerin möglicherweise keine Bünzli-Schweizerin sind. Wurde da nicht in Ihrer Wohngegend stark gegen den Flughafen Altenrhein gemeckert? Nein, die Rheintaler sind keine Bünzli-Schweizer. Auch in Diepoldsau nicht.
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
    Wer diese Bild mit dem Jet über dem Dach länger betrachtet, bekommt "richtige Hühnerhaut"! Abertausende sitzen also in den, im 3-Minutentakt startenden und landenden, "Vergnügungs-Kisten", um ans Meer oder in andere Kontinente zu fliegen! Ca. 40'000 Menschen unter diesen Start- und Landeflugschneisen leiden täglich darunter! Das lässt die im Polster sitzenden "Weltenbummler" kalt! Kaum zurück, wird die nächste Flugreise geplant und im Internet gebucht! Wir leben jetzt und das Leben ist kurz...!?
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