Lehrer lancieren Volksinitiative für nur eine Fremdsprache

Zürcher Lehrerinnen und Politiker lancieren eine Volksinitiative, die für nur eine Fremdsprache in der Primarschule eintritt. Ob Französisch oder Englisch, soll der Regierungsrat entscheiden.

Zwei aus Papier ausgeschinttene Kinderköpfe mit englischen Sprechblasen an einer Schulzimmerscheibe Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Mit mehr als einer Fremdsprache sind Primarschüler überfordert, sagen die Initianten. Keystone

Die Initiative will den Fremdsprachenunterricht staffeln und erst in der Oberstufe mit der Zweitsprache beginnen, dann dafür intensiv. Nach Ansicht des Initiativkomitees gelingt frühes Sprachenlernen nur unter optimalen Voraussetzungen. Die Primarschule könne diese bei vertretbarem Aufwand nicht bieten.

Bescheidene Resultate...

Untersuchungen zeigten zudem, dass der frühe Fremdsprachenunterricht nur sehr bescheidene Resultate bringe. Der Erfolg stehe in keinem Verhältnis zum geleisteten pädagogischen und finanziellen Aufwand, sagten die Initianten an einer Medienkonferenz. Überhaupt müsse der Bildungsauftrag der Primarschule genau geprüft werden. Mit fremdsprachlicher Naturkunde und Geografie werde höchstens erreicht, dass der Unterricht an Substanz verliere und das Deutsch zu kurz komme.

...und zunehmend Stress

In ihrer Meinung bestärkt wurden die Initianten durch den Kinder-, Jugend- und Schularzt Hannes Geiges aus Rüti. Das Prinzip «je früher desto besser» gelte beim Fremdsprachenunterricht in der Primarschule nicht, sagte er. Zwei Lektionen pro Woche und Fremdsprache seien zu wenig und demotivierten jene, die nicht so sprachbegabt seien. Dass psychische Probleme und Stress bei Primarschülern zunähmen, sei auch eine Folge des doppelten Fremdsprachenunterrichts.

Die Fremdspracheninitiative stammt von Mittelstufe-Lehrkräften um den ehemaligen Zürcher Bildungsrat und EVP-Kantonsrat Hanspeter Amstutz. Unterstützt wird das Begehren von der Gruppe «Zürcher Kantonale Mittelstufe», vom «Forum Kindgerechte Schule» und vom «Verein Schule mit Zukunft». Alle drei Gruppierungen gelten als bildungspolitisch eher konservativ. Eine ähnliche Initiative, lanciert von der SVP, läuft zurzeit im Kanton Nidwalden.

Schon 2006 Initiative lanciert

Der «Verein Schule mit Zukunft» erzwang 2006 im Kanton Zürich eine Abstimmung über das Frühfranzösisch. Damals sprachen sich 60 Prozent der Stimmenden für Französisch an der Primarschule aus. Heute wird an den Zürcher Primarschulen Englisch ab der zweiten Klasse und Französisch ab der fünften Klasse unterrichtet. Die Unterschriftensammlung für die neue Volksinitiative für nur eine Fremdsprache beginnt voraussichtlich im Juni.