Lehrplan 21: «Es ändert sich nicht wahnsinnig viel»

Der neue Lehrplan 21 soll den Unterricht in der Deutschschweiz harmonisieren. In Zürich und Schaffhausen wird er gestaffelt eingeführt: Die ersten Lehrerinnen und Lehrer arbeiten voraussichtlich ab 2017 damit. Für die Kinder soll sich nicht viel verändern. Für die Lehrer hingegen schon.

Ein Lehrer sitzt mit Schülerinnen und Schülern zusammen an einem Pult. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Lehrerinnen und Lehrer sind skeptisch: Noch müsse der Lehrplan auf die Praxis runtergebrochen werden. Keystone

Sieben Jahre wurde daran gearbeitet, 470 Seiten lang ist er: Der Lehrplan 21, den die Erziehungsdirektorenkonferenz am Freitag in der PH Zürich präsentiert hat. Die konkrete Umsetzung ist jedoch Sache der Kantone.

Eine Knobelaufgabe für die Schulen

In Zürich und Schaffhausen dürfen sich deshalb im nächsten Jahr alle betroffenen Kreise noch einmal dazu äussern, wie der Lehrplan 21 konkret umgesetzt werden soll. Läuft alles nach Plan, ist die Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli zuversichtlich, dass die ersten Lehrerinnen und Lehrer im Schuljahr 2017/18 damit arbeiten können. Die Einführung verlaufe gestaffelt, was weitere Umtriebe mit sich bringe: «Es ist eine Knobelaufgabe, aber wir werden es schaffen.»

Christian Amsler, Vorsteher des Schaffhauser Erziehungsdepartements, ist ebenfalls zuversichtlich: «Wir werden nun genau anschauen, was der Lehrplan enthält und was das für unsere Stundentafeln heisst.» Man werde nun alles geordnet angehen. Auch der Kanton Schaffhausen plant, den Lehrplan ab dem Schuljahr 2017/18 anzuwenden.

Kein Reformvorhaben

Viel werde sich mit dem Lehrplan 21 gar nicht ändern, sagt Amsler. Denn es handle sich dabei nicht um ein Reformvorhaben. Die wichtigste Änderung ist der Wechsel von der reinen Wissensvermittlung zum Kompetenzmodell. Unter Kompetenzen verstehen die Bildungsdirektoren die Fähigkeit, dass die Schüler das erlernte Wissen auch anwenden können.

Bessere Argumente gegenüber fordernden Eltern

Insgesamt 363 solche Kompetenzen wurden im Lehrplan 21 festgelegt. Sie dienten den Lehrerinnen und Lehrern als Kompass und seien ihnen in der täglichen Arbeit eine wichtige Stütze, glaubt die Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli: «Die Kompetenzen sind klar beschrieben. Gegenüber den Eltern können die Lehrer nun klare Auskünfte erteilen, welche Leistungen die Schüler erbringen oder wo noch Lücken bestehen.» Nicht zuletzt deshalb komme der Lehrplan 21 bei den Lehrerinnen und Lehrern gut an, ist Aeppli überzeugt.

«Erst muss der Lehrplan schultauglich gemacht werden»

Lilo Lätzsch vom ZLV (Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband) will dies nicht vollumfänglich bestätigen. Zuerst müsse der neue Lehrplan noch schultauglich gemacht werden. Dies geschehe über die Lehrmittel. Und darum beginne mit der Präsentation des neuen Lehrplans erst die eigentliche Arbeit: «Der Lehrplan ist die Grundlage, auf der die Lehrbücher geschrieben werden.» Diese müssten jetzt so erarbeitet werden, dass sie den Lehrern einen guten Unterricht ermöglichen.

Einen Vorteil gesteht Lilo Lätzsch dem Lehrplan 21 aber zu. Dank der Einheitlichkeit des neuen Lehrplans in der ganzen Deutschschweiz könne eben gerade im Bereich der Lehrmittel enger zusammengearbeitet werden.