Neuer Lehrstuhl für Spiritual Care: Pflicht für Medizin-Studenten

Die katholische und die reformierte Kirche im Kanton Zürich finanzieren ab 2015 einen Lehrstuhl für die Seelsorge von Menschen, die todkrank sind. Gedacht ist er nicht nur für Theologiestudenten, sondern auch angehende Ärzte und Ärztinnen.

Zwei Hände, wovon eine sehr alt ist. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Seelsorgerische Betreuung für Sterbende will gelernt sein. Keystone

Der Vertrag zwischen der Universität Zürich und den beiden Kirchen sei schon fast unter Dach und Fach, sagt Benno Schnüriger, der Präsident des Synodalrats der katholischen Kirche.

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Spiritual Care

Im Zentrum der Spiritual Care steht die Seelsorge bei Sterbenden und ihren Angehörigen. Damit ist Spiritual Care neben der Medizin, der Pflege und der Psychologie die vierte Säulen der Palliative Care, welche das Leiden eines unheilbar kranken Menschen lindern und ihm so eine bestmögliche Lebensqualität bis zum Ende verschaffen will.

Der neue Lehrstuhl für Spiritual Care ist bei der theologischen Fakultät angesiedelt, Zielpublikum sind aber auch Mediziner und Medizinerinnen. Zentral war die Frage, ob Spiritual Care für die Studierenden der medizinischen Fakultät obligatorisch oder freiwillig sein soll. Nun ist es entschieden: Die Vorlesungen über Seelsorge für sterbende Menschen sollen Pflicht werden. Benno Schnüriger: «Grundsätzlich gehört das zur Grundausbildung der Ärztinnen und Ärzte.»

Wer zahlt, befiehlt?

Für den neuen Lehrstuhl rechnet man während sechs Jahren mit Aufwendungen von 1,2 Millionen Franken. 800'000 Franken steuern die Kirchen dazu bei, 400'000 Franken kommen von einer Stiftung, die anonym bleiben will. Was bedeutet es, wenn die Kirchen den Lehrstuhl finanzieren? Wer zahlt, befiehlt? Benno Schnüriger verneint: «Wir haben lediglich ein Anhörungsrecht, wenn es um die Besetzung des Lehrstuhls geht.»

Die reformierte Kirche hat einem Unterstützungsbeitrag von 80'000 Franken zugestimmt. Der Segen der katholischen Kirche steht noch aus. Die Synode, das Parlament der römisch-katholischen Kirche, entscheidet im Sommer über die Finanzierung, wobei der Unterstützungsbeitrag wesentlich höher ist als jener der Reformierten. Wenn alles läuft wie geplant, dann soll der neue Lehrstuhl ab Herbst 2015 bereit sein.