Schaffhausen muss Flüsse und Bäche wiederbeleben

Der Kanton Schaffhausen hat bekannt gegeben, wie er das Gewässerschutzgesetz des Bundes umsetzen will. Rund dreissig Flüsse, Bäche und Seen sollen revitalisiert werden.

Zwei tote Fische treiben in einem Fluss. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Solche Bilder sollen verhindert werden: Tote Fischen treiben auf dem Rhein bei Schaffhausen. Keystone

Welche Gewässer wiederbelebt werden sollen, hat der Kanton gemeinsam mit den Gemeinden bestimmt. Jürg Schulthess, Abteilungsleiter Gewässer beim Kanton Schaffhausen sagte gegenüber Radio SRF: «Es geht darum, die richtigen Stellen zu finden, an denen man mit vernünftigem Aufwand einen möglichst grossen Nutzen erzielen kann.»

Ein anderer Aspekt bei der Auswahl seien die finanziellen Mittel, so Schulthess weiter. Auch wenn der Bund rund die Hälfte der Projektkosten in der Höhe von total 14 Millionen Franken übernimmt - auch den Kanton und die Gemeinden wird die Revitalisierung etwas kosten. Wann und wo welche Massnahme umgesetzt werde, hänge daher auch von der jeweiligen Finanzlage ab, schreibt die Baudirektion.

Der Kanton sieht die Schaffung neuer Gewässerläufe, die Vergrösserung von Wasserflächen und die Beseitigung von Hindernissen für die Fischwanderung, wie die Baudirektion am Donnerstag mitteilte.

Bauernverband alarmiert

Betroffen davon ist auch Landwirtschaftsland. Denn in den vergangenen Jahren wurden Flüsse oft kanalisierte, um Kulturland zu gewinnen. Verbreitert man jetzt die Flüsse wieder oder holt sie zurück an die Oberfläche, droht den Bauern der Verlust von Land. Daher sagt auch Jürg Schulthess: «Es wird sicher viel benötigen um einen Grundeigentümer, der anderes mit seinem Land plant, von einer Revitalisierung zu überzeugen.»

Und tatsächlich äussert sich Christoph Graf, Präsident des kantonalen Bauernverbandes, skeptisch: «Wenn man unterirdische Flüsse wieder an die Oberfläche holt, benötigen diese gemäss dem neuen Gesetz ja auch viel Raum und eine Bewirtschaftung an den Ufern. Dadurch wird viel Land verschlungen, vielmal auch gutes Ackerland.»

Daher hofft Graf, dass der Kanton mit Augenmass handelt - und nicht die Fehler wiederholt, die im Kanton Zürich begangen wurden: «Wir haben ein Beispiel in Trüllikon gesehen. Dort geht ein Fluss in Schlangenlinie durch bestes Ackerland geht. Vor solchen Fällen haben wir ein wenig Angst.» Daher hofft Graf, dass man mit dem Kanton gemeinsam nach Lösungen suchen kann.

Total rund 14 Kilometer wiederbeleben

Der Kanton hat denn auch versprochen, den Bauernverband eng miteinzubeziehen, wenn es um die konkrete Umsetzung der Revitalisierungen geht.

Die Massnahmen erfolgen an insgesamt 45 Streckenabschnitten, die als prioritär eingestuft wurden. Mit 11,7 Kilometern werden vor allem kommunale Gewässerstrecken revitalisiert. 2,1 Kilometer sind kantonale Abschnitte von Rhein, Biber und Wutach.

Mit der Revitalisierungsplanung kommt der Kanton Schaffhausen einer Verpflichtung des Bundes nach. Gesamtschweizerisch sollen in den nächsten 80 Jahren rund 4000 Kilometer Gewässer aufgewertet werden. Im Kanton Schaffhausen sind dies rund 40 Kilometer.

Wie sich der Kanton die Renaturierung vorstellt, zeigt er in einem Video (13:42min.):