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Sexueller Missbrauch Zürcher Obergericht erhöht Strafmass für ehemaligen Cevi-Leiter

Das Gericht hat den 53-Jährigen zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Zürcher Obergericht von aussen
Legende: Das Zürcher Obergericht behandelt heute einen der schwersten Fälle von Pädophilie im Kanton Zürich. Keystone

Das Wichtigste in Kürze:

  • Zehn Jahre statt neun Jahre und vier Monate: Das Zürcher Obergericht hat am Freitag das Strafmass für einen ehemaligen Cevi-Leiter erhöht.
  • Das Gericht hat das erstinstanzliche Urteil des Bezirksgerichts Dietikon ZH vom Mai 2017 weitgehend bestätigt.
  • Der Mann wurde schuldig gesprochen der mehrfachen sexuellen Nötigung, der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern, der mehrfachen Pornografie und weiterer Delikte. Den Opfern muss er Entschädigungen zahlen und die Verfahrenskosten tragen.
  • Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Parteien können noch das Bundesgericht anrufen.

Das Bezirksgericht Dietikon hatte den 53-jährigen ehemaligen Cevi-Leiter im Mai 2017 erstinstanzlich wegen sexueller Übergriffe auf Buben zu neun Jahren und vier Monaten Freiheitsentzug verurteilt. Der Beschuldigte und die Verteidigung zogen das Urteil ans Obergericht weiter.

Der Beschuldigte verlangte eine Reduktion der Strafe auf sieben Jahre. Er sei sich bewusst, dass seine Taten gewiss nicht Ordnung waren und dafür müsste er auch bestraft werden. Das Strafmass von neun Jahren und vier Monaten finde er aber «extrem hoch», sagte er am Freitagmorgen vor dem Zürcher Obergericht. Auch betonte er, wie leid ihm das alles tue. Er entschuldige sich bei den Opfern und schäme sich für seine Taten.

Die Staatsanwaltschaft dagegen fordert eine Erhöhung der Strafe auf zwölf Jahre – ein Jahr weniger als noch vor Bezirksgericht. Damals wurde festgestellt, dass gewisse Taten bereits verjährt sind. Die Staatsanwältin sagte vor Gericht, dass der Beschuldigte gewisse Geständnisse nur aus taktischen Gründen abgegeben habe. Ausserdem handle es sich um einen sehr schweren Fall von sexuellem Missbrauch an Kindern.

Beschuldigter gab erstmals zu, seine Opfer betäubt zu haben

Vor Obergericht räumte der Beschuldigte am Freitagmorgen erstmals ein, dass er seine Opfer manchmal Schlafmittel verabreicht hatte. Dies aber nur, wenn er die Übergriffe habe filmen wollen. Er habe verhindern wollen, dass sie die Aufnahmen und die gefilmten sexuellen Handlungen mitbekämen. Die sonstigen Handlungen seien «eher ein Töple im Dunkeln unter der Decke» gewesen.

Ein schwerer Fall von Pädophilie

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Ab 1994 soll sich der Beschuldigte während rund zwanzig Jahren an insgesamt acht Buben zwischen 5 und 15 Jahren vergangen haben. Die Ermittler stellten ausserdem tausende Filme und Videos sicher – auch Aufnahmen der eigenen Übergriffe. Der Mann, der damals Leiter der christlichen Jugendgruppe Cevi war, soll sich das Vertrauen der Knaben und deren Eltern erschlichen habe. Dabei soll er gezielt Kinder aus problembeladenen Familien ausgewählt haben. Die meisten Übergriffe erfolgten beim Beschuldigten zu Hause.

Er habe ihnen - je nach Alter - jeweils eine Viertel bis eine halbe Tablette eines wirksamen Schlafmittels gegeben. Er verneinte vehement, den Buben das Medikament in einem Getränk verabreicht zu haben. Er habe es ihnen als Tablette gegeben unter dem Vorwand, es könnte ihnen sonst auf dem Wasserbett übel werden. Wie eine Richterin anmerkte, hat allerdings kein einziger der Geschädigten jemals von einer Tablette erzählt. Alle hätten aber ansonsten detailgetreu die Vorfälle geschildert, so weit sie sie im Wachzustand erlebt hatten. Und sie hätten übereinstimmend das Getränk erwähnt.

Legende: Video Höhere Strafe für ehemaligen Cevi-Leiter abspielen. Laufzeit 02:15 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 19.10.2018.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Richard Meier (meierschweiz)
    Ich stelle einmal mehr fest: Die Täter sind männlich, die Opfer grossmehrheitlich Knaben - die Prävention zielt aber grösstenteils auf die Mädchen. Hätte ich Söhne, würde ich auch sie auf das Thema sensibilisieren und fit machen. Abgesehen davon wurde auch ich - vor allem im Kindes- und Jugendalter - immer wieder von Männern belästigt. Diese Übeltäter nützen schamlos aus, dass heute nichts mehr öffentlich gesagt werden darf, das als homophob taxiert werden könnte.
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    1. Antwort von Ramon Bieri (R. Bieri)
      Gemäss den vorliegenden Zahlen (bspw. Kinderschutz des Kantonsspitals Zürich) sind 4/5 der minderjährigen Opfer sexueller Übergriffe Mädchen. Dass hier Buben die Opfer waren, kann nicht verallgemeinert werden. Dass auch Buben Opfer werden können, ist hingegen ein Fakt. Meines Wissens wird die Prävention aber nicht geschlechtsspezifisch formuliert.
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  • Kommentar von Namor Brisk (Namor)
    Ich frage mich, wie ein dolches vergehen verjähren kann! Ist doch eine Affront für die Opfer, welche zuerst missbraucht wurden! Der psychische Schaden wird wohl kaum verjähren. Die Schweizer Justiz kommt mir manchmal vor wie eine Fasnachtsvereinigung. Zum Kotzen!
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  • Kommentar von Paul Reinmann (pareinmann)
    ...eigentlich war sich der Souverän einig darüber, was mit solchen "Bestien" geschehen soll....solche Menschen bereuen immer alles, sobald sie eigesperrt werden. Was wenn sie wieder frei sind und sogar noch das Gefühl haben, genug gebüsst zu haben....? Diese Fragen können viele Opfer beantworten oder man kann sie vielleicht in den Gerichtsakten lesen..! Verwahrung, Verwahrung und nochmals Verwahrung. Alles andere ist meiner Meinung nach Kuscheljustiz
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