Steigende Sozialhilfequote in Winterthur, Rückgang in Zürich

Mittelgrosse Städte mit Zentrumsfunktion wie Winterthur und Schaffhausen ziehen mehr Sozialhilfebezüger an als andere Städte. Dies zeigt der neuste Vergleich von 14 Schweizer Städten. Auch in Schlieren nahm 2015 die Sozialhilfequote zu. In der Stadt Zürich dagegen geht sie leicht zurück.

Leuchtlogo der Stadt Winterthur an einer Hausfassade in der Altstadt Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Günstige Wohnungen, verhältnismässig wenig Arbeitsplätze: Winterthur hat die höchste Sozialhilfequote der Region. Keystone

Die Zahlen des Schweizerischen Städteverbands aus dem Jahr 2015 bestätigen die Entwicklung der vergangenen fünf Jahre. So stieg die Sozialhilfequote in der Stadt Winterthur kontinuierlich und lag zuletzt bei 5,3 Prozent. Damit liegt die Eulachstadt an der Spitze aller untersuchten Städte in der Region Zürich und Schaffhausen.

Potente Zuzüger halten Quote tief

In der Stadt Zürich ging die Sozialhilfequote dagegen erneut zurück und betrug im vergangenen Jahr 4,5 Prozent. Sie lag damit tiefer als in Basel, Bern oder auch der Nachbarsgemeinde Schlieren. Die Autoren der Vergleichsstudie erklären diese Entwicklung damit, dass viele neue Wohnungen gebaut wurden und auch dank Quartieraufwertungsprojekten vor allem gut ausgebildete Personen nach Zürich gezogen sind. In Schlieren dagegen entstanden nebst teuren Wohnungen auch viele vergleichsweise günstige Wohnungen.

Der Wohnungsmarkt ist also ein Faktor, welcher die Sozialhilfequote einer Stadt beeinflusst. Daneben spielen aber auch die Zentrumsfunktion einer Stadt eine Rolle und die Anzahl verfügbarer Arbeitsplätze. Der Winterthurer Sozialvorsteher Nicolas Galladé (SP) kritisiert denn auch, dass kaum noch günstiger Wohnraum geschaffen werde. Für Arme sei es deshalb schwierig, eine Wohnung zu finden. In der Folge würden sie auf Agglomerationsgemeinden oder mittelgrosse Städte ausweichen.

Auch Arbeitsmarkt beeinflusst die Sozialhilfequote

Dazu trägt auch der Wegfall von Jobs für niedrig Qualifizierte bei. Besonders spürbar sei dieser wirtschaftliche Wandel in Städten mit industrieller Vergangenheit wie Winterthur, Schaffhausen oder Biel, erklärte Galladé. Als anfälliger erweisen sich auch Städte, die Zentrumslasten zu tragen haben. Schliesslich ziehen Städte mit tiefem Steuerfuss ebenfalls weniger Sozialhilfebezüger an, heisst es in der Vergleichsstudie.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Mehr Sozialhilfe in mittelgrossen Städten

    Aus Tagesschau vom 23.8.2016

    Die Zahl der Sozialhilfefälle ist 2015 in den Schweizer Städten um über zwei Prozent gestiegen. Vor allem mittelgrosse Gemeinden verzeichneten Zunahmen, was mit dem verfügbaren Wohnraum und dem Arbeitsmarkt zu tun hat. Vom Anstieg der Sozialhilfebezüger ist auch Winterthur betroffen, obwohl die Stadt mit innovativen Programmen zu vermeiden versucht, dass Menschen in die Sozialhilfe geraten.

  • Sozialhilfe-Empfänger bevorzugen städtische Anonymität

    Aus Rendez-vous vom 23.8.2016

    In der Sozialhilfestatistik fallen mittelgrosse Städte auf, beispielsweise St. Gallen. Die sind offenbar besonders attraktiv für Sozialhilfe-Empfänger. Jeder sechste Sozialhilfebezüger ist ein Neuzuzüger. Aus welchen Gründen? Und wie reagiert die Stadt?

    Philipp Gemperle