Zum Inhalt springen

Header

Audio
Kahlschlag am Flughafen Zürich
Aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 22.07.2020.
abspielen. Laufzeit 03:13 Minuten.
Inhalt

Stellenabbau Flughafen Zürich Flugnahe Betriebe streichen massenhaft Stellen

Die Corona-Krise ist auch eine Luftfahrt-Krise: Nicht nur die Airlines leiden unter dem massiven Passagiereinbruch, sondern auch flugnahe Betriebe wie der Caterer GateGourmet, der Bodenabfertiger Swissport oder die Wartungsfirma SR Technics.

Gate Gourmet bestätigt den Abbau von 350 Stellen, bei SR Technics sollen laut verschiedenen Medienberichten ebenfalls 400 Stellen am Standort Zürich wegfallen. Swissport hofft, dass sie zunächst noch mit Kurzarbeit über die Runden kommen. SRF-Wirtschaftsredaktorin Charlotte Jacquemart glaubt, dass alle drei Betriebe schrumpfen müssen, wenn sie überleben wollen.

Charlotte Jacquemart

Charlotte Jacquemart

Wirtschaftsredaktorin, SRF

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Charlotte Jacquemart hat an der Universität Zürich Ökonomie studiert und arbeitet seit Juni 2017 als Wirtschaftsredaktorin bei Radio SRF. Zuvor war sie 13 Jahre lang bei der «NZZ am Sonntag» tätig.

SRF: Am Flughafen Zürich droht ein Mega-Stellenabbau. Was weiss man bis jetzt über diesen Kahlschlag?

Charlotte Jacquemart: Einen Abbau bestätigt hat bis jetzt tatsächlich nur GateGourmet. Eine Sprecherin sagte, dass in Zürich und Genf bis zu einem Drittel der Stellen gestrichen werden könnten. Das sind maximal 350 Stellen. SR Technics bestätigt den Abbau von 400 Stellen nicht, sondern sagt nur, dass es «entschlossene Massnahmen braucht zum Überleben». Der Bodenabfertiger Swissport wiederum plant heute noch keine Massenentlassung, Swissport will mit einem Einstellungsstopp, natürlicher Fluktuation und vor allem Kurzarbeit über die Runden kommen. Wegen Covid 19 darf Kurzarbeit ja ausnahmsweise 18 Monate lang beantragt werden.

Weshalb müssen diese Unternehmen so viele Stellen streichen?

Es liegt schlicht und einfach an Covid 19. Die Corona-Pandemie bricht nicht nur den Airlines fast das Genick, sondern auch den sogenannten flugnahen Betrieben. Wird weniger geflogen, braucht es auch weniger Angestellte, die Koffer transportieren, Menues zubereiten oder Flugzeuge warten. Swissport, der als Bodenabfertiger in der ganzen Welt tätig ist, sagt zum Beispiel, das Geschäft sei um 80 Prozent eingebrochen. Das ist beispiellos.

Covid 19 bricht nicht nur den Airlines fast das Genick, sondern auch den flugnahen Betrieben.
Autor: Charlotte JacquemartWirtschaftsredaktorin SRF

Weil die Pandemie anhält, ist auch keine schnelle Besserung in Sicht. Deshalb müssen die Firmen jetzt reagieren und kleiner werden.

Nun hat eine der Firmen, SR Technics, Geld vom Bund erhalten, 120 Millionen Franken. Trotzdem will das Unternehmen offenbar Stellen streichen. Wie geht das auf?

Das wirkt tatsächlich auf den ersten Blick seltsam, auf den zweiten aber nicht: Die 120 Millionen Franken allein hätten das Überleben von SR Technics noch nicht garantiert. Die Firma musste vor der Kreditaufnahme dem Bundesrat aufzeigen, wie sie Kosten sparen, und das Unternehmen langfristig sichern will. So, dass sie das Geld langfristig auch wieder zurückzahlen kann.

Hunderte Stellen fallen also weg bei GateGourmet, Swissport und SR Technics. Was bedeutet dies für die Flughafenregion Zürich?

Aus wirtschaftlicher Sicht sicher nichts Gutes. Weniger Arbeit bedeutet, es gibt mehr Arbeitslose und höhere Sozialkosten bei den Gemeinden. Eventuell auch tiefere Steuereinnahmen. Als Folge von weniger Flügen und Passagieren werden natürlich auch die Läden am Flughafen betroffen sein, die Tourismusbranche...eins führt zum anderen. Die flugnahen Betriebe hoffen, dass das Geschäftsvolumen bis im nächsten Jahr wieder 60 bis 70 Prozent des Niveaus von vor Corona-Zeiten erreicht. Ist dies nicht der Fall, sind wohl noch mehr Stellen gefährdet.

Das Gespräch führte Nadine Markwalder

Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 17:30 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

8 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Ernst U. Haensler  (ErnstU)
    Natürlich kontrolliert niemand was genau mit den 120 Mio passiert. Die Behörden/Verwaltung ist wie immer naiv den Firmen gegenüber.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Andy Schmid  (andy)
    Alle 3 Unternehmen waren die einstigen Filetstücke der ehemaligen Swissair, bevor ein Herr Bruggisser mit Zustimmung eines creme de la creme VRs diese in den Ruin trieb. Die Filetstücke (alle international tätig, klar auch mit Arbeitsplätzen in der CH) mussten verscherbelt werden - alle ausnahmslos an ausländische Investoren inkl. Chinesen. Der Bund finanzierte ein vorläufiges Ueberleben, ohne Sicherheit, dass CHer Arbeitsplätze erhalten bleiben, Geld nicht im Ausland bei den Investoren landet
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Angestellte werden oft wie Spielmasse behandelt. Sie müssen unschuldigerweise zum Teil den blauen Brief erdulden. Die Führungspersonen, CEO, Manager, Grossaktionäre bleiben wohl praktisch unbehelligt. Sie müssen kaum persönliche Konsequenzen tragen. Das ist ein System, das Ungerechtigkeit züchtet. Wenigstens müssten die "Oberen" zumindest teilhaftbar für Ausfälle gemacht werden, auch mit drastischen Lohn- und sonstigen Einkunftssenkungen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen