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Wirbel vor den Wahlen «Ein solcher Parteiwechsel ist aussergewöhnlich»

Chantal Galladé wechselt von der SP in die GLP. Ein Entscheid, welcher der SP aber nicht nur schaden könnte, meint Politologin Sarah Bütikofer.

Legende: Audio «Ein solcher Parteiwechsel ist aussergewöhnlich» abspielen. Laufzeit 17:51 Minuten.
17:51 min, aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 03.03.2019.

Keine vier Wochen vor den Zürcher Wahlen sorgt ein Entscheid der langjährigen Zürcher SP-Nationalrätin Chantal Galladé für Wirbel. Sie hat sich für einen Parteiwechsel entschieden und ist nun Mitglied der Grünliberalen. Für die Zürcher SP ein Hammerschlag, der zum Teil heftig kritisiert wurde. Wie dieser Parteiwechsel zu werten ist und welchen Einfluss er auf die Zürcher Wahlen haben könnte, sagt die Politologin Sarah Bütikofer im Interview als «Regionaljournal Wochengast».

Sarah Bütikofer

Sarah Bütikofer

Politologin

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Sarah Bütikofer studierte Politikwissenschaften an den Universtitäten Zürich, Lugano und Barcelona. Sie hat Lehr- und Forschungsaufträge an der ETH Zürich und der Universität Zürich. In der Forschung konzentriert sie sich auf Schweizer Politik mit Schwerpunkt Parlamentsforschung, Wissenschaftskommunikation und Wissenschaftsjournalismus.

SRF News: Wie überraschend kam der Entscheid von Chantal Galladé für Sie?

Sarah Bütikofer: Ihr Parteiwechsel erfolgte für mich einerseits überraschend. Denn es ist eher aussergewöhnlich, dass ein ehemaliges Mitglied des nationalen Parlaments die Partei wechselt. Zumal Galladés aktuelles Amt als Schulpflegerin kein hochpolitisches Amt ist und ihre Parteimitgliedschaft keine grosse Rolle spielt.

Andererseits erstaunte es mich auch, wie viel Staub der Parteiwechsel aufgewirbelt hat. Das lässt sich vermutlich mit dem Zeitpunkt der Bekanntgabe erklären, mit der allgemein herrschenden Aufregung um das Rahmenabkommen mit der EU. Und es hat wohl auch damit zu tun, dass es einfach eine sehr gute Mediengeschichte ist. Es ist ein Drama und das passt immer wunderbar.

Sprechen wir über den Zeitpunkt: Es trifft wohl zu, dass dieser für die SP ungünstig ist im Hinblick auf die Wahlen im Kanton Zürich in gerade mal drei Wochen?

Man sollte dies auch nicht überbewerten. Sicher ist der Zeitpunkt geschickt gewählt aus Sicht der GLP und nicht so geschickt aus Sicht der SP. Allerdings bewirbt sich Frau Galladé nicht unmittelbar um ein Amt, sondern es handelt sich um einen Wahlkampf, der schon länger läuft. Die Meinungsbildung der Bevölkerung ist bereits im Gang. Deshalb wird der Wechsel keine erdrutschartigen Verschiebungen mit sich bringen.

Es gibt noch viel Potenzial - für alle Parteien.
Autor: Sarah Bütikofer, Politologin

Es ist durchaus denkbar, dass Wählerinnen und Wähler, die sich schon länger überlegen, nicht mehr die SP zu unterstützen, nun motivierter sind, eine andere Partei zu wählen. Gleichzeitig kann es gerade auch Motivation sein für SP-Wählerinnen und -Wähler, jetzt erst recht an die Urne zu gehen. Wenn man bedenkt, dass bei den letzten Kantonsratswahlen in Zürich die Beteiligung bei rund 30 Prozent lag, gibt es noch viel Potenzial nach oben, und zwar für alle Parteien.

Das Gespräch führte Dorotea Simeon.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Bolliger (jolanda)
    Es ist ein höchst kalkulierter und geplanter "Schachzug", der SP-Nationalrätin Chantal Callade: Sie erhofft sich eine bessere Wiederwahl-Chance bei der GLP und die (laut letzter Umfrage) im Aufwind stehende GLP bekommt ein unverhofftes "Zugpferd" im Kanton Zürich! Die "Politik" ist zu einem richtigen "Manager-Verhalten" oder "Egotripelei" verkommen! Jetzt müssen die Zürcher-Wähler(innen) "kühlen Kopf" behalten und kantonal und im Herbst (bei den eidg. Wahlen) die richtigen Volksvertreter wählen!
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  • Kommentar von Ruedi Lais (Ruedi Lais)
    Linke Wählerinnen und Wähler legen grossen Wert auf Solidarität. Wenn jemand seinen Parteiwechsel über längere Zeit und heimlich exakt auf den Tag plant, an dem die Stimmcouverts verteilt werden, kommt das bei Linken ganz schlecht an.
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  • Kommentar von Jürg Brauchli (Rondra)
    Ob sich die GLP damit einen Gefallen macht, bezweifle ich. Denn ausser verträumtes, ideologisches Gutmenschentum, fernab der Realität, sind von Frau Galladé nicht wirklich umsetzbare Lösungen gekommen. Wobei, eigentlich ist der Unterschied zur SP mittlerweile klein geworden. Ein bischen mehr Grün und es fehlen bei der GLP die hochbezahlten Gewerkschaftsfunktionäre wie ein Herr Pardini. Eigentlich auch wieder egal, dass sie eine neue "Heimat" bei einer anderen EU-hörigen Partei gefunden hat.
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    1. Antwort von Ruedi Lais (Ruedi Lais)
      Das Thema EU ist bei diesem Parteiwechsel sicher völlig nebensächlich. C.G. schliesst sich ja ausgerechnet einer Partei an, welche die Steuerreform 17 ablehnt und damit einen neuen Konflikt mit der EU lostreten will.
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    2. Antwort von Jürg Brauchli (Rondra)
      @Lais:Ach, und deswegen ist sie für Sie plötzlich kein EU-Fan mehr? Davon abgesehen, habe ich dies nur nebenbei erwähnt.
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