Kritik an Haftbedingungen Zürcher Gefängnispersonal war mit «Carlos» überfordert

Der mehrfache Straftäter «Carlos» wurde in der U-Haft teilweise erniedrigend, nicht aber verfassungswidrig behandelt.

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Erniedrigende Haft in Zürich

2:59 min, aus Schweiz aktuell vom 3.7.2017
  • «Carlos» hatte die Haftbedingungen während seiner U-Haft in Pfäffikon kritisiert.
  • Die Justizdirektion gab in der Folge eine externe Untersuchung in Auftrag.
  • Diese kommt zum Schluss, man habe «Carlos» teilweise diskriminierend behandelt.
  • Grund: Das Personal sei mit dem renitenten, aggressiven Häftling überfordert gewesen.
  • Das Ergebnis hat personelle Konsequenzen: Der Leiter des Pfäffiker Gefängnisses geht.
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«Carlos'» Karriere

Der notorische Jugendstraftäter «Carlos» wurde 2013 in einem Sondersetting betreut. Dies geriet zum Politikum. 2014 wurde «Carlos» freigelassen. Danach schlug er wieder zu und sass in Pfäffikon in U-Haft. Hier prangerte er die Haftbedingungen an. Im Frühling 2017 wurde «Carlos» wegen versuchter Körperverletzung zu 18 Monaten Haft verurteilt.

Der mehrfache Straftäter «Carlos» wurde in der Untersuchungshaft in Pfäffikon (ZH) zwar teilweise «objektiv diskriminierend und erniedrigend» behandelt, nicht aber konventions- und verfassungswidrig. So das Fazit des Untersuchungsberichts, den die Zürcher Justizdirektorin Jacqueline Fehr und der pensionierte Staatsanwalt Ulrich Weder den Medien präsentierten.

Gefängnisleiter muss gehen

Die Gefängnismitarbeiterinnen und -mitarbeiter hätten aber nicht mit Absicht diskriminierend und erniedrigend gehandelt, erklärte Weder. Die Angestellten seien mit dem mittlerweile 21-jährigen «querulierenden, beschimpfenden, drohenden, renitenten, aggressiven und gewalttätigen» Häftling vielmehr überfordert gewesen. Trotzdem hat die Administrativuntersuchung personelle Konsequenzen: Die Leitung des Untersuchungs-gefängnisses Pfäffikon soll neu besetzt werden.

Sieben Aufseher angegriffen

Seit seiner Verurteilung wegen eines Faustschlags, durch den ein junger Mann aus dem Tram fiel und verletzt wurde, sitzt Carlos in der Zürcher Justizvollzuganstalt Pöschwies eine eineinhalbjährige Haftstrafe ab.

Erst kürzlich hat er in der Pöschwies sieben Aufseher angegriffen, mehrere von ihnen wurden dabei verletzt. Für «Carlos» dürfte dies wohl ein juristisches Nachspiel haben: Er wird sich nun auch noch wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte und wegen Sachbeschädigung verantworten müssen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Erniedrigende Haft in Zürich

    Aus Schweiz aktuell vom 3.7.2017

    Der als Carlos bekannt gewordene Straftäter wurde während der Untersuchungshaft diskriminiert und erniedrigt. Zu diesem Schluss kommt eine Administrativuntersuchung der Zürcher Justizdirektion. Carlos musste während Wochen ohne Matratze auf dem Boden schlafen und Fussfesseln tragen.