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Schweiz 1. Mai im Zeichen des starken Frankens

Frankenstärke, Wahlen und Flüchtlinge: Den 1.-Mai-Rednern fehlte es am diesjährigen Tag der Arbeit nicht an Themen – und auch nicht an Zuhörern. Trotz Dauerregen feierten Tausende das 125. Jubiläum des ersten Mais.

Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses war am diesjährigen 1. Mai ein zentrales Thema. Scharf kritisierten Redner die Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Die SNB müsse endlich ihren Job machen und für einen fairen Wechselkurs sorgen, statt Arbeitsplätze zu vernichten, sagte Gewerkschaftschef Paul Rechsteiner in seiner Rede.

Die Aufgabe des Mindestkurses sei lediglich im Interesse «politischer Profiteure»: «Jene, die den überbewerteten Franken politisch instrumentalisieren, die glauben, jetzt endlich ein antisoziales Programm durchsetzen zu können, das sonst nie möglich wäre», so der Präsident des Gewerkschaftsbundes.

Legende: Video 1. Mai: Umzüge, Feiern, Reden abspielen. Laufzeit 01:09 Minuten.
Aus Tagesschau vom 01.05.2015.

SP-Nationalrat und Gewerkschafter Corrado Pardini (BE) sagte in seiner Rede auf dem Bundesplatz in Bern, durch den Nationalbank-Entscheid würden fahrlässig ganze Wirtschaftszweige demontiert.

Flüchtlinge und Lohndiskriminierung

SP-Präsident Christian Levrat prangerte in Freiburg in seiner Rede Ungerechtigkeiten auf dem Arbeitsmarkt an. Hier brauche es mehr Solidarität: «Es ist kein Zustand, dass man in der reichen Schweiz um seinen Job fürchten muss, sobald man das 50. Altersjahr erreicht», so Levrat. Es brauche unter anderem einen besseren Kündigungsschutz und die Einführung einer Brückenrente.

Den Frauen werden Jahr für Jahr 7,7 Milliarden Franken geklaut. Das ist nicht mehr akzeptabel.
Autor: Christian LevratSP-Präsident

Es bringe nichts, auf Freiwilligkeit zu hoffen, sagte Levrat. Das zeige sich auch im seit 34 Jahren ungelösten Problem der Lohndiskriminierung von Frauen: «Die Rechten haben lange genug beweisen können, dass ihre Rezepte nichts taugen».

Der SP-Präsident kritisierte aber auch die Rolle, die die Schweiz bei den Flüchtlingsdramen auf dem Mittelmeer spielt: «Was auf dem Mittelmeer passiert, ist unerträglich. Und wir sind mitverantwortlich, denn mit den Verträgen von Schengen und Dublin endet die Verantwortung der Schweiz nicht in Chiasso, sondern in Lampedusa.» Die Schweiz müsse deutlich mehr tun und gegenüber verfolgten und schutzbedürftigen Menschen jene Solidarität und Grosszügigkeit zeigen, die das Land früher ausgezeichnet habe.

Werben für die Erbschaftssteuer

Insgesamt fanden gemäss einer Liste des Gewerkschaftsbundes schweizweit an die 60 1.-Mai-Feiern in 20 Kantonen statt. In Zürich nahmen rund 10'000 Personen am Umzug teil. Der offizielle Teil des 1.-Mai-Anlasses verlief in Zürich friedlich. Ein Grossaufgebot der Polizei unterband eine Nachdemo. In Basel gingen etwa 1300 Personen auf die Strasse. In Bern und Schaffhausen rund 500.

Viele der Redner nutzen dabei ihren Auftritt, um die Werbetrommel für die nationale Erbschaftssteuer zu schlagen. Über deren Einführung wird am 14. Juni abgestimmt. Regula Rytz, Co-Präsidentin der Grünen, und der Gewerkschafter Corrado Pardini bezeichneten die nationalen Wahlen vom 18. Oktober als eine Richtungswahl. Rytz rief die Zuhörer zum Gang an die Urne auf.

Ungebrochene Tradition seit 125 Jahren

Am Anfang stand der Aufruf des internationalen Arbeiterkongresses in Paris zum «Kampftag der Arbeitgeberbewegung»: So gingen weltweit am 1. Mai 1890 Arbeiter auf die Strasse. Ihre damalige Kernforderung: Ein Arbeitstag darf nicht länger als acht Stunden dauern. Seither gibt es in der Schweiz – als eines der wenigen Ländern Europas – eine ungebrochene Tradition der 1. Mai-Feiern.

Zu Beginn war die Teilnahme am «Tag der Arbeit» noch mit Risiken behaftet. Weil die Feiern oft während der Arbeitszeit stattfanden, mussten teilnehmende Arbeiter mit Sanktionen rechnen. In der Schweiz gewann der 1. Mai zusätzlich an Bedeutung, da er ein Jahr nach dem Landesstreik von 1918 zum Stichtag für die Einführung der 48-Stunden-Woche erklärt wurde. Ein Jahr darauf war diese weitgehend eingeführt.

Eine Baisse erlitt der 1. Mai während des Zweiten Weltkriegs. Nur wenige Leute getrauten sich auf die Strasse, Parolen wurden im Zeichen der Geistigen Landesverteidigung gar zensiert. Zur Zeit des Kalten Krieges vermochte der 1. Mai wieder mehr Personen zu mobilisieren, die Politik verlor an den Anlässen aber an Bedeutung. Trachtengruppen, bürgerliche Musikvereine und Ehrendamen nahmen daran teil. Erneuten Schwung erhielt die politische Bewegung Mitte der 1960er Jahre: Ab dann nahmen zunehmend Fremdarbeiter und Mitglieder neuer sozialer Bewegungen an den Anlässen teil.



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84 Kommentare

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  • Kommentar von A. Brunner, Zurich
    Unfassbar, dass Herr Rechsteiner GEGEN den Wert des von der Arbeiterschaft hart erarbeiteten Frankens ankämpft ! ... dass er also den Schweizer-Franken durch den notwendigerweise fallenden Wert des Euro (der eine künstliche, nur von privater Finanz-Mafia kontrollierte "Währung" ohne Zukunft darstellt) verwässern will ! Damit verlieren auch alle Renten (Erspartes, AHV oder Berufsvorsorge) DIREKT an Wert ... um eine kurze Weile den Euro zu "stützen" ! Das ist direkte Volks-Verarmungspolitik !
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  • Kommentar von M. Kohler, Thurgau
    Schafft endlich diesen unnötigen Feiertag ab, und mit ihm diese unsägliche Plattform für (M)Heuchelredner und Chaoten. Lieber 2 Naqtionalfeiertage wäre angebrachter und auch demokratischer!
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  • Kommentar von Marlene Zeiger, 6370 Stans
    Die Linken motzen nur und tragen nichts zu den eigentlichen Problemen der Schweiz bei. So gesehen hat die SP keine Legitimation mehr.
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    1. Antwort von Jean Nerac, GE
      Da sind wir ja glücklich, Frau Zelger, wenn die „Linken“ nichts zu den „Problemen“ beitragen. Das machen ja offensichtlich die Rechten zur Genüge. In Wirklichkeit brauen wir aber Leute die etwas zur „Problemlösung“ beitragen. Dabei sehe ich allerdings niemanden von beiden extremen Lagern. Nach ihrer Logik, hätten dann, weder SP noch SVP eine Legitimation.
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    2. Antwort von Urs Mattle, Rorschach
      "Die Linken (...) tragen nichts zu den eigentlichen Problemen der Schweiz bei". Na, dann können´s ja wohl nur die Rechten sein.
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    3. Antwort von Adrian Flükiger, Bern
      @Zelger: Völlig einverstanden - es sind die SVPler und die restlichen bürgerlichen Parteien, welche unsere Probleme verursachen - definitiv, endgültig! Weg mit diesen Leuten am 18. Oktober!
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