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Minderjährige Flüchtlinge tauchen unter
Aus 10 vor 10 vom 05.02.2016.
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Schweiz 240 Flüchtlingskinder in der Schweiz verschwunden

In den letzten vier Jahren sind in der Schweiz insgesamt 240 Flüchtlingskinder abgereist oder verschwunden. Das zeigen Zahlen, die «10vor10» vorliegen. Wie hoch die Dunkelziffer der nicht registrierten Flüchtlingskinder ist, weiss niemand. Ihre Zahl könnte mit dem verschärften Asylgesetz steigen.

Die europäische Polizeibehörde Europol hat vergangene Woche bekanntgegeben, dass in Europa in den letzten zwei Jahren über 10‘000 unbegleitete Flüchtlingskinder verschwunden sind. Jetzt zeigen Zahlen, die «10vor10» vorliegen: Auch in der Schweiz sind in den letzten vier Jahren insgesamt 240 minderjährige Asylbewerber zwischen 13 und 17 Jahren verschwunden.

Allein im letzten Jahr sind laut dem Staatssekretariat für Migration 76 unbegleitete minderjährige Asylbewerber «unkontrolliert» abgereist. Das sind fast doppelt so viele wie noch 2014. Damals waren es 47. Die meisten von Ihnen sind noch während des laufenden Asylverfahrens verschwunden.

Polizei wird benachrichtigt

Im Kanton Bern waren im vergangenen Jahr sechs Kinder aus Asylunterkünften verschwunden, wie Katrin Pfunder, Mitglied der Geschäftsleitung vom Asylheim in Belp erzählt. Sobald ein Kind mehr als 24 Stunden nicht erreichbar ist, gibt die Heimleitung eine Vermisstenmeldung an die entsprechende Kantonspolizei heraus.

Die meisten minderjährigen Asylsuchenden machen sich auf die Suche nach Verwandten. Doch Einzelfälle landen in der Kriminalität: «Von den Jugendlichen selber ist uns bekannt, dass es teilweise in den Empfangszentren Rekrutierungsversuche gibt in Zusammenhang mit Drogengeschäften», so Pfrunder. Aus diesem Grund seien altersgerechte Empfangsstrukturen wichtig, wo die Jugendlichen unter sich seien und es ein Schutzsystem gebe.

«Jeder Fall ist eine Tragödie»

Stefan Frey von der Schweizerischen Flüchtlingshilfe sieht die steigende Anzahl der abgetauchten minderjährigen Flüchtlinge mit Sorge: «Jeder dieser Fälle ist ein menschliche Tragödie und inakzeptabel. Die Politik muss mehr unternehmen, um den Kindern grösseres Vertrauen in das Asylsystem zu geben.»

In Belp im Kanton Bern hat man die Betreuung der minderjährigen Asylsuchenden nun intensiviert. Inzwischen ist rund um die Uhr eine Bezugsperson für die Kinder anwesend.

Weniger Gesuche bei Verschärfung des Asylrechts

Während die Zahl der verschwundenen Flüchtlingskindern seit 2012 genau erfasst ist, weiss niemand, wie hoch die Dunkelziffer der nicht registrierten, minderjährigen Flüchtlinge in der Schweiz ist. Menschenrechtsorganisationen vermuten, dass mit den Verschärfungen des Asylrechts unbegleitete Flüchtlingskinder kaum mehr Gesuche stellen, sondern sich als Sans-Papiers in der Schweiz aufhalten könnten.

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19 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe  (M. Roe)
    Ich bin überzeugt, dass die meisten eben nicht unbeaufsichtigt nach Europa kamen. Die haben sich nun wieder ihren Verwandten zugewendet. Da die meisten nicht vom Krieg flüchteten, sind sie auch nicht gewillt, ihre Freiheit durch die Vorschriften der Empfangsländer auszutauschen. Irgend einen Verwandten hat wohl jeder dieser Jugendlichen, einer der schon lange hier lebt oder nicht. Dass die Flüchtlinge nicht im Sinn haben, von gebrauchten Sachen zu leben, wird klar, wenn man in Geschäften schaut.
  • Kommentar von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
    Nicht nur Kinder, jeder zweite Asylant taucht unter! Das hat BR Sommaruga einmal in einer Arena bestätigt. Bei 40'000 Bewerbern sind das 20'000 jedes Jahr. Es wäre längst auch Zeit, endlich ihre Arbeitgeber schmerzhaft zu bestrafen. Stattdessen will man diese Illegalen noch legalisieren, weil man sie angeblich braucht. Ein weiterer Willkommensmagnet! Würden Empfangszentren wie in NL endlich geschlossen, was für 1-2 Monate Erstbeurteilung durchaus zumutbar wäre, gäbe es kein Abtauchen mehr.
  • Kommentar von Hans Haller  (panasawan)
    Kinder, vor allem und ganz speziell unbegleitete Kinder, gehören nicht in Asylunterkünfte. Diese müssten unverzüglich in Heime einquartiert werden, wo es auch eine 24-Stunden-Betreuung gibt. Es gilt vor allem auch, dass diese Kinder von den übrigen Asylbewerbern zu trennen sind. Mir scheint da gibt es dringender Handlungsbedarf.
    1. Antwort von Alex Bauert  (A. Bauert)
      Diese Unterkünfte werden teilweise von Privaten betrieben. Diese hier haben offensichtlich, im Gegensatz zu anderen, bei der Nachtaufsicht Geld gespart. Üblich ist dies sicher nicht.
    2. Antwort von Hans Haller  (panasawan)
      Herr Alex Bauert, diese Jugendlichen sich allenfalls ja auch ausgebüchst bzw abgehauen. Ist ja auch denkbar.