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Schweiz Absage an zweite obligatorische Fremdsprache in der Primarschule

Primarschüler müssen künftig wohl nicht mehr obligatorisch zwei Fremdsprachen büffeln. Die Strategie der Erziehungsdirektoren soll wegen der vielen Lernschwachen angepasst werden, sagt Lehrer-Präsident Beat Zemp gegenüber SRF. Nötigenfalls gibt es dazu gar eine Volksinitiative.

Ein Kind an der Wandtafel beim Frühenglisch.
Legende: Zwei Fremdsprachen in der Primarschule überfordern viele Kinder. Die Lehrer wollen das jetzt ändern. Keystone

Englisch und eine zweite Landessprache für alle ab der Primarschule, ab dem dritten und fünften Schuljahr. Diese einheitliche Strategie hatte die Erziehungsdirektorenkonferenz EDK vor zehn Jahren beschlossen. 2015 sollte Bilanz gezogen werden.

So lange wollen viele Lehrer aufgrund ihrer Erfahrungen nicht mehr warten. Denn bis heute ist der eidgenössische Sprachen-Wirrwarr gross. Längst nicht alle Kantone haben die Forderung umgesetzt. Es herrscht ein buntes Potpurri an Frühenglisch – mit oder ohne Frühfranzösisch auf verschiedenen Primarstufen. Auch in den Kantonen mit zwei Frühfremdsprachen wächst der Widerstand.

Luzerner Antrag für Volksinitiative

So lag der Präsidentenkonferenz des Lehrerdachverbands (LCH) in Davos auch ein Antrag der Luzerner Lehrerschaft für eine nationale Volksinitiative vor. Diese sieht nur noch eine obligatorische Frühfremdsprache auf Primarstufe vor. Wobei eine zweite Fremdsprache als Wahlpflichtfach möglich sein soll.

Damit soll dem Umstand Rechnung getragen werden, dass viele Kinder noch zu lernschwach für zwei Fremdsprachen sind, wie Annamarie Bürkli als Präsidentin des Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverbands begründet. Auch litten unter dem aktuellen Modell andere wichtige Fächer wie beispielsweise Deutsch.

Bürkli kritisiert zugleich: In beiden Fremdsprachen-Fächern würden von Beginn weg Noten verlangt. Dies sei in der EDK-Vorschrift für zwei Fremdsprachen nie vorgesehen gewesen. Also nichts mit spielerischem Lernen. Knallhartes Büffeln ist angesagt. In vielen Kantonen sind Frühfremdsprachen gar Promotionsfächer. Auch in den Kantonen Thurgau, Graubünden und Nidwalden sind parlamentarische Vorstösse hängig oder werden Unterschriften für Volksinitiativen gesammelt.

Zemp: Eindeutige Abkehr von EDK-Strategie

«Die Konsultation zum Lehrplan 21 hat im Bereich der Fremdsprachen klar ergeben: Die Lehrerschaft will das Angebot für zwei Fremdsprachen in der Primarschule erhalten – allerdings nicht obligatorisch für Alle», fasste LCH-Präsident Beat Zemp nach der Sitzung zusammen.

Denn es gebe eben doch einen grossen Teil von Schülerinnen und Schülern, die Schwierigkeiten beim Sprachenlernen hätten, betont Zemp. Für diese soll deshalb die zweite Fremdsprache erst in der Oberstufe beginnen. Auf Primarstufe soll die Unterrichtssprache und die erste Fremdsprache vertieft werden.

«Das ist eindeutig eine Abkehr von der Sprachenstrategie der EDK mit zwei obligatorischen Fremdsprachen», folgert Zemp. Die EDK habe nun bis 2015 Zeit, die Strategie umzusetzen: «Es zeigt sich aber schon jetzt, dass in ganz vielen Kantonen andere Modelle favorisiert werden.»

«Urner Modell» macht Schule

Der LCH wird nun laut Zemp zum einen die «klare Meinung der Lehrerschaft» an die Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz weiterleiten. Zum anderen werde man sich überlegen, wie eine Volksinitiative aussehen könnte. Dies hänge nun aber alles auch sehr davon ab, ob die EDK ihre Sprachenstrategie dereinst überarbeiten wolle. «Wir reichen die Hand, das zusammen zu tun, um eine Lösung für alle Schülerinnen und Schüler zu finden», erklärt Zemp.

Ein Kanton, der die Sprachvorgaben bis jetzt nicht erfüllt hat, rückt zunehmend in den Mittelpunkt: Uri. Dieser hat nämlich nur eine Frühfremdsprache in der Primarschule. Eine zweite wird als Wahlpflichtfach angeboten. Dieses «Urner Modell» gewinnt offensichtlich zunehmend an Sympathie.

brut; muei

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26 Kommentare

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  • Kommentar von Ernst Jacob, Moeriken
    Da vergehen Jahre, bis die Kinder der Immigranten einigermassen sauberes Deutsch lernen, und die gleichen Kinder sollen dazu auch noch zwei Fremdsprachen lernen. Das so etwas nicht funktionieren kann, war wohl Allen klar. Es wird also so kommen, dass die Kinder, deren Eltern sich Privatschulen leisten können, vermehrt von normalen Schulen abgezogen werden, und die Volksschule konzentriert sich wieder darauf, alle so zu schulen, dass sie zumindest Deutsch schreiben und reden können. Bravo Büro!!!
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  • Kommentar von O. Toneatti, Bern
    Viele Kinder mit ausländischen Wurzeln müssen zusätzlich noch die deutsche Sprache erlernen. Das ist einfach zuviel. Es wäre sinnvoll, wenn die zweite zu lernende Sprache englisch wäre, so könnten sich Schweizer aus dem Tessin, dem Welschland oder der Deutschschweiz, die sich zB in England aufhalten, sich wenigstens miteinander in englisch verständigen. Im Leben treffen sie vielfach Leute, die sich nach 5-7 Jahren Schulfranzösisch/italienisch kaum in diesen Sprachen unterhalten können. Leider.
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  • Kommentar von Katharina Müller, 8400 Winterthur
    Das Problem sind nicht die Kinder, es sind die Lehrer, welche die zu unterrichtenden Fremdsprachen gar nicht beherrschen! Ich rede da aus eigener Erfahrung! Wie meine Kinder in diesen Fächern (inkl.Deutsch) unterrichtet wurden, war an Blödheit und Dummheit nicht zu übertreffen. Es ging so weit, dass die Kinder diese Lehrer auf Fehler hinweisen mussten. Dies allerdings mit dem Resultat, dass die Lehrer dieser Klassen das Fach Mobbing einführten...
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