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In Wileroltigen am richtigen Ort oder keine gute Lösung?
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 20.01.2020.
abspielen. Laufzeit 04:46 Minuten.
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Kanton Bern Sollen ausländische Fahrende einen Transitplatz bekommen?

In Wileroltigen soll der einzige Platz für ausländische Fahrende im Kanton entstehen. Gegen den Willen der Gemeinde.

Bei Wilteroltigen, an der Autobahn Bern-Murten, soll es einen Platz für 36 Wohnwagen und maximal 180 Leute geben. Es wäre der einzige Transitplatz für ausländische Fahrende im Kanton Bern. Das letzte Wort haben am 9. Februar die Stimmberechtigten des Kantons Bern, denn die Junge SVP hat das Referendum gegen den Kredit von 3.3 Millionen Franken ergriffen.

Argumente dagegen: Undemokratisch und zu teuer

Der Kanton zwinge einem kleinen Bauerndorf den Platz auf, ist die Junge SVP der Meinung. Co-Präsident Adrian Spahr: «Gemeinderat und Gemeindeversammlung sind gegen den Platz. Dass der Kanton Bern ohne Absprache mit der Gemeinde diesen Platz macht, geht nicht.» Das sei undemokratisch.

Das ist undemokratisch.
Autor: Adrian SpahrCo-Präsident Junge SVP Kanton Bern

Zudem seien die Kosten hoch und der Nutzen zweifelhaft. Die Partei befürchtet, dass der Platz zusätzliche Fahrende in die Gegend locken könnte. Die SVP steht in der Frage hinter ihrer Jungpartei. Damit ist sie allein auf weiter Flur. Eine breite Allianz von FDP über die Mitte-Parteien bis zu SP und Grünen empfiehlt die Vorlage zur Annahme.

Argumente dafür: Idealer Ort und Rücksicht auf Gemeinde

Der Platz für ausländische Fahrende in Wileroltigen liegt an einer Transitachse und ist nur über die Autobahn zu erreichen. Deshalb sei der Standort ideal, sagt die zuständige Berner Regierungsrätin Evi Allemann. Das Dorf Wileroltigen sei gut einen Kilometer vom Platz entfernt. Und auf die Anliegen der Gemeinde werde Rücksicht genommen. «Wileroltigen möchte mit dem Betrieb nichts zu tun haben und will finanziell nicht belastet werden. Zudem möchte die Gemeinde einen Zaun mit Sichtschutz.» Das habe man aufnehmen können. Zudem gehe der Dialog weiter.

Wir haben die Anliegen aufgenommen und stehen weiterhin im Dialog mit der Gemeinde.
Autor: Evi AllemannRegierungsrätin Kanton Bern

Die illegalen Halte sorgten in der Vergangenheit für Unmut - auch in Wileroltigen. Dort liessen sich im Sommer 2017 mehr als 500 ausländische Fahrende nieder. Die Situation ist laut dem Unterstützungskomitee eine andere: «Die Fahrenden werden eine Platzgebühr und ein Depot zahlen. Zudem wird ein Platzwart dauernd vor Ort sein», sagt Simon Röthlisberger, Geschäftsführer Stiftung Zukunft für Schweizer Fahrende.

Schweizweites Problem

Die Abstimmung stösst landesweit auf Interesse. Denn in der ganzen Schweiz sind Halteplätze für Jenische, Sinti und Roma Mangelware. Für Ausländerinnen und Ausländer bräuchte es laut Experten schweizweit zehn bis zwölf grössere Plätze. Langfristig gesichert sind zurzeit nur die beiden Standorte in Sâles (FR) und Domat/Ems (GR).

Kantonswechsel von Clavaleyres

Clavaleyres, eine winzige bernische Exklave mit fünfzig Einwohnerinnen und Einwohnern, will Teil von Murten werden und deshalb zum Kanton Freiburg wechseln. Den Weg ebnen können die Stimmberechtigten der Kantone Bern und Freiburg am 9. Februar. Heissen sie den Wechsel gut, braucht es nur noch das Ja-Wort der Bundesversammlung.

Gescheiterte Berner-Fusion

Der Weiler liegt in der Nähe des Murtensees und grenzt an die Kantone Freiburg und Waadt. Zweimal scheiterte der Versuch einer Fusion mit der bernischen Exklave Münchenwiler.

Im Herbst 2018 sprachen sich die Stimmberechtigten von Murten und Clavaleyres deutlich für die Fusion aus. Von den bernischen Parteien fasste einzig die SVP überraschend die Nein-Parole. Die Delegierten wollten damit ihr Bedauern zum Ausdruck bringen, dass eine Gemeinde den Kanton Bern verlässt, weil die Regierung keine bessere Lösung gefunden habe.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von James Klausner  (Harder11)
    Wer mit diesen Nomaden bereits zu tun hatte, dessen romantisches Bild von den Fahrenden und ihren Lebensgewohnheiten wurde wohl jäh entzaubert. Niemand holt sich so eine Karawane ins Dorf oder aufs eigene Grundstück ohne Lehren zu ziehen. Wir schulden diesen Menschen nichts.
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  • Kommentar von Hubert Glauser  (hubiswiss)
    Auch die Fahrenden zahlen Steuern
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    1. Antwort von Daniel Bucher  (DE)
      Das stimmt Herr Glauser. Als es darum ging, für schweizer Reisende einen Dauerstandplatz zu schaffen, wurde uns dies auch immer wieder eingetrichtert. Als dann der Standplatz bezahlt und fertig gestellt war, erfuhr man, dass 40% der Bewohner des neuen Platzes von der Fürsorge leben.
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    2. Antwort von Margot Helmers  (Margot Helmers)
      Es geht um einen Transitplat für ausländische Fahrende. Die bezahlen keine Steuern in der Schweiz.
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  • Kommentar von Pierre De Laval  (Petros74)
    Ich verstehe immer noch nicht warum wir Fahrende hofieren und alles auf dem Silbertablett servieren - dieser nomadische Lebensstil ist nicht mehr zeitgemäss - irgendwo muss man angemeldet sein, Steuern zahlen, gesellschaftliche Verpflichtungen wahrnehmen.

    Campieren ist schön für Ferien, aber jeder Camper hat einen fixen Standort wo er Pflichten zu erfüllen hat... ausser Sans Papiers oder homeless - aber diese Randfiguren leben nicht extra auf Kosten der Gesellschaft- Fahrende schon...
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    1. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      "Die Schweiz hat die Jenischen 1998 bei der Ratifikation des Rahmenübereinkommens zum Schutz nationaler Minderheiten des Europarates als nationale Minderheit anerkannt. Das Minderheiten-Abkommen schützt neben grundlegenden Freiheitsrechten auch spezifische Rechte von Minderheiten, wie eine identitätsstiftende Lebensweise."
      https://www.humanrights.ch/de/menschenrechte-schweiz/inneres/gruppen/jenische-sinti-roma/fahrende-schweiz-rechte-probleme
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    2. Antwort von Daniel Bucher  (DE)
      Richtig, es sollte für ausländische Fahrende möglich sein, die Schweiz mit Wohnwagen und Mercedes in wenigen Stunden zu durchqueren. Dann braucht es auch keine Standplätze.
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    3. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      Horation "identitätsstiftende Lebensweise" Am Beispiel Schweiz können Sie nachlesen, dass von den 35'000 Jenischen 90% so leben wie jeder andere Bürger auch: Wohnung, Arbeit, evtl. Familie. Selbst die restlichen 10% fahren idR kaum mehr, leben auf Campingplätzen, wie unten schon erwähnt, viele auf Kosten des Staates. Ich wüsste nicht, was es da noch zu schützen gäbe, denn sie leben fern ihrer Kultur, pflegen traditionelle Handwerkskunst, Kulinarisches, Tanz und Zigeunermusik längst nicht mehr.
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